Sicherheitsmängel Atomkraftwerk Brunsbüttel gefährdet


Das Kernkraftwerk Brunsbüttel ist auf Störungen schlechter vorbereitet als der schwedische Pannenreaktor Forsmark. Die Umwelthilfe fordert Umrüstung oder Abschaltung.

Das Kernkraftwerk Brunsbüttel in Schleswig-Holstein muss aus Sicht der Deutschen Umwelthilfe (DUH) abgeschaltet oder nachgerüstet werden. "Brunsbüttel ist auf Störfälle schlechter vorbereitet als der schwedische Pannenreaktor Forsmark", sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch am Mittwoch in Berlin. Die Notstromaggregate könnten bei einem Stromausfall den Betrieb der Kontroll- und Steuertechnik nicht gewährleisten. Die Einschätzung des Umweltverbandes basiere auf internen Unterlagen, unter anderem von Kraftwerkstechnikern oder von der Reaktorsicherheitskommission der Bundesregierung.

Den zuständigen Behörden seien die Sicherheitsmängel bekannt, nur aus Angst vor Schadenersatzforderungen hätten sie bisher noch nichts unternommen, erklärte Resch. Die Betreiber der deutschen Kernkraftwerke hatten für ihre Anlagen einen Störfall wie im Atommeiler im schwedischen Forsmark ausgeschlossen, bei dem Ende Juli Probleme bei der Notstromversorgung aufgetreten waren. Als Folge davon stand das Kraftwerk schwedischen Medienberichten zufolge kurz vor einer Kernschmelze. "Die Behauptung der Betreiber, ein Störfall wie in Schweden sei in deutschen Reaktoren nicht möglich, ist definitiv falsch", sagte Resch.

"Schließen oder Technik auswechseln"

Laut DUH wäre es aus Sicherheitsgründen fatal, Brunsbüttel erst 2009 vom Netz zu nehmen, wie es im Atomausstiegs-Vertrag vorgesehen sei. Die Energiekonzerne Vattenfall und EON als Betreiber des Kraftwerks sollten es sofort schließen oder die komplette Sicherheitstechnik auswechseln. Für einen Austausch beziffert die Umwelthilfe die Kosten auf geschätzte 150 Millionen Euro. "Ein Abschalten wäre für die Konzerne wohl ökonomisch sinnvoller", sagte der Leiter Politik der DUH, Gerd Rosenkranz. Von Vattenfall, Mehrheitseigner des Atomkraftwerkes, war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Das Kernkraftwerk in Brunsbüttel an der Elbmündung ist eines von 17 Atommeilern zur Stromproduktion in Deutschland. Der im Jahr 2000 von der rot-grünen Koalition auf den Weg gebrachte Atomausstieg sieht vor, sie schrittweise bis 2021 vom Netz zu nehmen. In den zurückliegenden Wochen hatten Unionspolitiker immer wieder versucht, am Atomausstieg zu rütteln.

Reuters Reuters

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