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Auch neue Standorte in Prüfung : USA sollen im Streit um Incirlik vermitteln

Mit dem Besuchsverbot auf dem Luftwaffenstützpunkt Incirlik steigt auch die Anspannung zwischen Deutschland und der Türkei weiter an. Die USA könnten als Vermittler eintreten, aber auch ein Abzug der Bundeswehr ist bereits im Gespräch.

Bundesaußenminister Gabriel wünscht sich Beistand durch die USA im Streit um den türkischen Stützpunkt Incirlik

Bundesaußenminister Gabriel wünscht sich Beistand durch die USA im Streit um den türkischen Stützpunkt Incirlik

Besuche auf dem Luftwaffenstützpunkt Incirlik sind für Parlamentarier untersagt. Nun hofft Bundesaußenminister Sigmar Gabriel, dass die USA auf die Türkei einwirken können. Er will den Streit mit dem gemeinsamen Nato-Partner beilegen und bat US-Außenminister Rex Tillerson um Unterstützung. 

"Ich glaube, dass die Amerikaner auch ihre Möglichkeiten nutzen werden, um mit der türkischen Seite darüber zu sprechen, dass wir ein anderes Verhältnis miteinander haben müssen als derzeit", sagte er nach dem Gespräch in Washington. Die türkische Regierung hatte Mitgliedern des Verteidigungsausschusses diese Woche einen Besuch in Incirlik verweigert, weil zuvor türkischen Soldaten in Deutschland Asyl gewährt worden war. Ankara wirft den Soldaten vor, in den Putschversuch vom Juli 2016 involviert gewesen zu sein.

Bundesregierung fasst Jordanien als Standort ins Auge

Die Bundesregierung erwägt jetzt erstmals den Abzug der rund 260 Soldaten, die sich von Incirlik aus mit "Tornado"- Aufklärungsflugzeugen am Kampf gegen die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) beteiligen. Der favorisierte Alternativ- Standort liegt in Jordanien. Außerdem sind im türkischen Konya Soldaten stationiert, die sich an den Aufklärungsflügen der Nato mit "Awacs"-Maschinen beteiligen.

Nächste Woche findet ein Nato-Gipfel in Brüssel statt, bei dem es zu einem Treffen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan kommen könnte.

Gabriel erneut auf US-Reise

In dem Gespräch ging es auch um den Ukraine-Konflikt und den Syrien-Krieg. Kein Thema waren dagegen nach Angaben Gabriels die Berichte, nach denen US-Präsident Donald Trump sensible Informationen möglicherweise aus israelischen Geheimdienstquellen an Russland weitergegeben haben soll. Der deutsche Außenminister betonte aber, dass das keine Auswírkungen auf die Kooperation der Geheimdienste Deutschlands und der USA haben werde. Die enge Zusammenarbeit sei "absolut notwendig" für die Sicherheit in Deutschland und Europa.

Gabriel war bereits Anfang Februar wenige Tage nach seinem Amtsantritt in den USA. Heute will er im Weißen Haus auch den Sicherheitsberater Trumps, Herbert Raymond McMaster, treffen. Anschließend reist er in die ehemalige Stahlmetropole Pittsburgh weiter, die als Beispiel für einen gelungenen Strukturwandel gilt. Am Abend geht es nach Mexiko.

fri / DPA