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"Schulz sollte zurücktreten": Wahldebakel der SPD: Die alte Parteigarde geht auf Schulz los

Nach dem historischen Debakel bei der Bundestagswahl gibt es in der SPD viele Wunden zu lecken. Stattdessen aber tritt die alte Parteigarde nach. 

Die SPD liegt nach der Wahl am Boden - und macht möglicherweise weiter Fehler, findet Altkanzler Gerhard Schröder (Archivbild)

Die SPD liegt nach der Wahl am Boden - und macht möglicherweise weiter Fehler, findet Altkanzler Gerhard Schröder (Archivbild)

Nach dem historischen Wahldebakel am Sonntag muss sich die SPD erst neu orientieren, neu finden. Nur eines stand für die Sozialdemokraten sofort fest: Die Partei braucht einen Neustart. Die Große Koalition sei klar abgewählt worden, hieß es deshalb schon am Sonntag von Seiten der SPD, wir gehen in die Opposition. Am Mittwoch wurde dann die bisherige Arbeitsministerin Andrea Nahles zur Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion gewählt. Neue Strategie, "neue" Gesichter, alles neu. Doch ob das alles so klug ist, das bezweifeln nun ehemalige Spitzenpolitiker der Partei.

Der frühere SPD-Chef Franz Müntefering zweifelt an der Entscheidung, Partei- und Fraktionsvorsitz zu trennen. Auf die Frage, ob beides nicht in eine Hand gehöre, antwortete Müntefering in der "Passauer Neuen Presse": "Ich fände es besser, ja". "Die Oppositionsstrategie muss an einer Stelle verantwortet werden und eindeutig sein." Müntefering fügte hinzu: "Bei zwei Zentren ist es komplizierter."

Andrea Nahles war am Mittwoch zur neuen Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion gewählt worden. Parteichef blieb nach dem schlechtesten Nachkriegsergebnis bei einer Bundestagswahl aber Martin Schulz.

SPD will in die Opposition: Kritik von Gerhard Schröder

Müntefering ist nicht der einzige Ex-SPD-Spitzenpolitiker, der mit seiner Kritik an der Partei nach der Wahl nicht hinter dem Berg halten kann: Altkanzler Gerhard Schröder zweifelt, ob die schnelle Absage seiner Partei nach der Wahlniederlage an eine rechnerisch mögliche neue große Koalition richtig ist. "Ich weiß nicht, ob es vernünftig war", sagte der frühere SPD-Vorsitzende am Mittwoch bei einem Versicherungskongress in Berlin.

Die SPD-Führung hatte sich am Sonntagabend nach dem Absturz der Sozialdemokraten auf 20,5 Prozent festgelegt, unter gar keinen Umständen wieder mit der Union zu regieren.

Schröder erwartet, dass Union, FDP und Grüne eine Koalition schmieden werden. "Ich glaube, die werden sich zusammenreißen, und die werden das machen." Neuwahlen seien den Bürgern jedenfalls nicht zu vermitteln: "Man kann dem Volk in einer Demokratie nicht sagen: Leider habt ihr falsch abgestimmt, versucht es doch noch einmal."


Hamburgs Ex-Bürgermeister: Martin Schulz muss zurücktreten

Hamburgs früherer Bürgermeister Klaus von Dohnanyi hingegen rief Schulz gar zum Rücktritt auf. Die SPD müsse erkennen, dass sie mit einem Mann wie Martin Schulz nicht in der Lage sein werde, einen Aufbruch zu organisieren, sagte der 89-Jährige am Mittwochabend in der ARD-Talksendung "Maischberger". "Er sollte zurücktreten." Von Dohnanyi, selbst SPD-Mitglied, hatte Schulz bereits vor der Bundestagswahl kritisiert.  

pg / DPA