stern-Umfrage Nur wenig Interesse am NSU-Prozess


Neonazis in Deutschland vor Gericht - darauf schaut das Ausland mit Argusaugen. Hierzulande aber fehlt vielen das Gespür für die Bedeutung des NSU-Prozesses, wie eine stern-Umfrage nahelegt.

Es bedurfte nicht erst der Ungeschicklichkeit des Gerichtes, um das Verfahren gegen die rechtsradikale Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" um die Angeklagte Beate Zschäpe in die Aufmerksamkeit ausländischer Berichterstatter zu rücken. Wenn Neonazis in Deutschland vor Gericht stehen, wird dies aus historischen Gründen fast zwangsläufig im Ausland mit Argusaugen beobachtet. Hierzulande allerdings ist das Interesse am NSU-Prozess, der am 17. April in München beginnt, eher gering.

Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des stern gaben nur 36 Prozent der Bundesbürger an, dass sie sich sehr für den im April beginnenden NSU-Prozess interessieren. 39 Prozent interessieren sich ein wenig dafür. 24 Prozent meinen, sie hätten nur wenig oder überhaupt kein Interesse an dem Gerichtsverfahren. In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen sind sogar 31 Prozent vollkommen desinteressiert.

Für die Angehörigen der Opfer der beispiellosen NSU-Mordserie geht es in dem anstehenden Prozess um mehr als ein gerechtes Urteil. Dem stern sagten sie, es gehe nicht nur um die Schuld oder Unschuld von Beate Zschäpe und den anderen Angeklagten. Es gehe für sie auch darum, das Andenken ihrer Söhne, Brüder und Väter zu reinigen von den Verdächtigungen aus all den Jahren, in denen die Ermittler sie für Kriminelle hielten. Da die Polizei lange Zeit nicht von fremdenfeindlichen Taten ausging, wurden die Mörder auch im Familienkreis der Opfer gesucht. Einige Angehörige wollen den Prozess nutzen, um Beate Zschäpe in die Augen zu blicken, andere wollen erfahren, warum ausgerechnet ihr Bruder oder Vater sterben musste.

Zu Beginn des NSU-Prozesses veranstaltet der stern am 17. April eine Podiumsdiskussion im Münchner Rathaus. Zum Thema "Was tun gegen Nazi-Gewalt?" sprechen Uli Hoeneß, Christian Ude, Peter Maffay und Bernd Wagner von der Aussteiger-Organisation Exit. Moderieren wird Hans-Ulrich Jörges, Mitglied der stern-Chefredaktion. Beginn ist um 19 Uhr.

Nicolas Büchse

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