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Tagung des Ethikrats: Experten akzeptieren Beschneidung - unter Auflagen

Im Streit um die Strafbarkeit der religiösen Beschneidung jüdischer und muslimischer Jungen hat der unabhängige Ethikrat sich um Versachlichung bemüht. Israel will ein Machtwort der Kanzlerin.

Ja zur Beschneidung von Juden und Muslimen in Deutschland - aber nur unter Auflagen. Dafür haben sich Experten bei einer Anhörung des Ethikrates ausgesprochen. Zudem regten sie die Gründung eines Runden Tisches an, an dem Juden, Muslime, Elternvertreter und Ärzte aller Fachrichtungen gemeinsam Leitlinien zur Beschneidung und für deren intensivere Erforschung entwickeln sollen. Notwendig sei eine umfassende Aufklärung über mögliche Risiken ebenso wie die fachgerechte medizinische Ausführung des Rituals. Die Zustimmung beider Erziehungsberechtigter sollte erforderlich sein, der Einsatz von schmerzmindernden Mitteln erlaubt werden, bilanzierte Christiane Woopen, die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, die öffentliche Anhörung am Donnerstag in Berlin. Unterschiedliche Positionen der Experten wurden dennoch deutlich.

Die Debatte über die bei Juden und Muslimen übliche Beschneidung von männlichen Neugeborenen oder Kindern war durch ein Urteil des Landgerichts Köln im Juni ausgelöst worden. Das Gericht hatte die Beschneidung als "rechtswidrige Körperverletzung" und damit als grundsätzlich strafbar bewertet. Der Bundestag hatte daraufhin in einer Resolution die Straffreiheit gefordert. Im Herbst soll eine gesetzliche Regelung gefunden werden.

Eine Art "Sonderrecht"

Deutliche Bedenken äußerte der Hamburger Strafrechtler Reinhard Merkel. "Der Gesetzgeber ist in einer Art rechtspolitischem Notstand", sagte er. Er hob das Recht auf körperliche Unversehrtheit und die Priorität des Kindeswohls hervor. Nur eine Art "Sonderrecht" könne die Beschneidung gegen alle strafrechtlichen Einwände für rechtmäßig erklären. Allerdings geben es wegen des deutschen Massenmordes an den Juden eine "Pflicht zur besonderen Sensibilität".

Der jüdische Mediziner Leo Latasch wies die Ansicht zurück, wonach die Beschneidung von Jungen mit einer Genitalverstümmelung bei Mädchen zu vergleichen sei. Medizinische Komplikationen gebe es in weniger als 0,2 Prozent der Fälle. Auch der Vorwurf, starke Schmerzen bei dem Eingriff bei Neugeborenen hätten relativ oft traumatische Folgen, sei nicht zu belegen.

Warnung vor "Beschneidungstourismus"

Der muslimische Medizinethiker Ilhan Ilcilic warb für eine "Versachlichung" der Debatte. Er warnte vor Operationen in Hinterzimmern und einem "Beschneidungstourismus", falls der Gesetzgeber nicht auf das Urteil des Kölner Gerichts reagiere. Auch international schlägt das Thema weiter Wellen. Der israelische Innenminister Eli Jischai forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, sich für das Recht auf Beschneidungen einzusetzen. Juden in Deutschland dürften nicht gezwungen werden, sich zwischen der Einhaltung nationaler oder göttlicher Gesetze entscheiden zu müssen, schrieb der Vorsitzende der strengreligiösen Schas-Partei nach Angaben der Zeitung "Jediot Achronot" am Donnerstag.

mcp/DPA/DPA

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