HOME

Talkrunde bei Günther Jauch: Der Kampf ist eröffnet!

Eigentlich wollte Günther Jauch die Auswirkungen der NRW-Wahl auf den Bund besprechen. Doch er bekam eine Kostprobe vom Bundestagswahlkampf und einen SPD-Chef, der sich als Turniertänzer outete.

Von Sophie Lübbert

Ursula von der Leyen hat sieben Kinder, sie hätte also den gestrigen Muttertag ausgiebig genießen können. Leider besitzt sie aber auch ein Parteibuch der CDU – und das war am Wochenende alles andere als angenehm. Denn nach der krachenden Niederlage in Nordrhein-Westfalen krachenden Niederlage in Nordrhein-Westfalen musste sie abends in Günther Jauchs Talkshow auftreten und das tun, was sonst keiner wollte oder konnte: sich, die Kanzlerin und die komplette Christdemokratie vor laufender Kamera verteidigen.

„Wahlschlacht, die zweite – Merkel in Not?“ hatte Jauch zum Thema seiner Sendung ausgerufen und er hatte „vier politische Schwergewichte“ für die Diskussion gewonnen. Neben der wohl eher zwangsweise anwesenden Ministerin von der Leyen wollten Jürgen Trittin, Sigmar Gabriel und Philipp Rösler darüber sprechen, ob die Zeit der Kanzlerin bald ablaufe – jetzt, wo ihr Kronprinz Röttgen im bevölkerungsreichsten Bundesland abgestürzt war, aber vorher noch schnell die Wahl zur Abstimmung über ihre Europa-Politik ausgerufen hatte.

Dabei brauchte man eigentlich gar nicht mehr viel zu reden, wenn man in Frau von der Leyens Gesicht sah. Mit starrem Gesicht erklärte sie, das sei „eine ganz harte, bittere Niederlage“ und „ich gratuliere den Siegern“. Was man eben so sagt, wenn man ein guter Verlierer sein will, um nicht im noch schlechteren Licht dazustehen.

Gabriel, der freundliche Mann des Volkes

Doch das kurze Geplänkel war nur der Auftakt zu dem, was Frau von der Leyen wirklich auf dem Herzen lag, nämlich eine Lobeshymne auf die Politik der CDU. Breit aufgestellt sei die Partei, damit die Themen ankämen beim Volk. Man müsse „brennen für ein Thema“. Sofort machte sie auch klar, wer praktisch lichterloh in Flammen stand: die Kanzlerin.

Und so sehr die Ministerin auch beharrte, dass Nordrhein-Westfalen kein Omen für die Wahl 2013 sei - plötzlich war Jauchs Talkshow nicht mehr nur eine Talkshow, sondern die erste Runde im Bundestagswahlkampf. Denn auch ihre Kontrahenten ließen sich nicht lumpen.

SPD-Chef Sigmar Gabriel inszenierte sich als freundlicher Mann des Volkes. Er sei früher Turniertänzer gewesen, erzählte er und machte selbstironische Witze über sein Gewicht. Außerdem glaube er, „dass ein großes Herz kein Widerspruch zu einem großen Verstand ist“. So wie Hannelore Kraft denke die ganze SPD an den „kleinen Mann“, der für die Euro-Krise gerade stehen müsse, während die Spekulanten ungeschoren davon kämen.

Trittin an seiner Seite gab den treuen, korrekten Koalitions- und Kampfpartner. Über die Ziele seiner Partei sagte er wenig, dafür umso mehr gegen von der Leyen, die mittlerweile schon reichlich angeschlagen wirkte.

Im Schnelldurchlauf durch die ganz großen Themen

Schließlich fiel ihr auch noch FDP-Mann Philipp Rösler in den Rücken. Trotz oder gerade wegen des Lindner-Erfolges in NRW politisch geschwächt, redete er wenig und sagte weniger. „Vertrauen“, „entspannt“ und „glaubwürdig“ war alles, was ihm einfiel, aber es wurde nicht ganz klar, was er damit eigentlich ausdrücken wollte.

Nur eins war deutlich: Rösler weiß auch nicht so genau, wie es mit ihm weitergehen soll – und glaubt wohl selbst nicht mehr an eine schwarz-gelbe Koalition nach 2013. Deshalb gab er schon mal seine Bewerbung in alle Richtungen ab: „Wir stehen klar in der Mitte“.

Im Schnelldurchlauf ging es danach durch die ganz großen Themen: Euro-Krise und Einwanderung, Schulausbildung und Steuersenkungen, Fiskalpakt und Familienpolitik. Inzwischen hatte sich der Streit endgültig auf die Widersacher Gabriel und von der Leyen konzentriert. Beide sprachen gleichzeitig, versuchten sich gegenseitig zu übertönen.

Frau von der Leyen entdeckte eine Vorliebe für populistische Parolen („Himmel nochmal, lasst uns die Tür aufmachen für diese Menschen!“), während Gabriel es auf mit bösen, wohl nur halb scherzhaft gemeinten Witzen über Altkanzler Schröder versuchte („Wenn die Musik spielt, wollen alte Zirkuspferde nochmal in die Manege“) und von der Leyen schließlich an die Wand redete.

Das Ganze war spannend anzusehen, eine wirklich gute Sendung. Der Kampf um die Kanzlerschaft hat begonnen – und wenn es nach diesem Sonntag geht, sieht es schlecht aus für die CDU.