Terroranschläge Deutsche verschärfen Sicherheitsvorkehrungen


Als Reaktion auf die Anschlagsserie in London sind die Sicherheitsvorkehrungen in deutschen Großstädten verstärkt worden. Konkrete Hinweise auf bevorstehende Anschläge gibt es jedoch nicht.

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) erhöhten die Sicherheitsstufe nach Angaben des Unternehmens auf Gelb, die zweite von drei Stufen. Die BVG hätten aber keine Hinweise auf aktuelle Bedrohungen. In München wurden nach Polizeiangaben die Besatzungen der Streifenwagen sensibilisiert und die Objektschutzmaßnahmen erhöht. Auch die Deutsche Bahn passte nach Worten eines Sprechers ihr Sicherheitskonzept der aktuellen Lage an, ohne Details zu nennen. Man stehe in engem Kontakt mit der Bundespolizei, dem früheren Bundesgrenzschutz. Die nordrhein-westfälische Polizei verschärfte ihre Sicherheitsmaßnahmen im Umfeld britischer und amerikanischer Einrichtungen sowie der übrigen am Irak-Konflikt beteiligten Länder, wie das Landesinnenministerium mitteilte.

Beckstein ordnet verstärkten Schutz britischer Einrichtungen an

Bayerns Innenminister Günther Beckstein ordnete verstärkte Schutzmaßnahmen vor allem an britischen Einrichtungen an. FDP-Chef Guido Westerwelle bat Bundesinnenminister Otto Schily (SPD), den Schutz britischer Einrichtungen in Deutschland zu verstärken. Schily wird noch am Nachmittag eine Erklärung zu den Anschläge in London abgeben Der Berliner Innensenat bestellte Vertreter der Sicherheitsbehörden in der Hauptstadt für den Nachmittag zu einem Krisentreffen ein. In Baden-Württemberg sind die Sicherheitsvorkehrungen dagegen zunächst nicht verschärft worden. Das baden-württembergische Innenministerium teilte mit, "wir beraten noch über die Lage." Die Sicherheitsstandards seien im Land generell hoch. Durch sechs Explosionen in der britischen Hauptstadt waren in der morgendlichen Hauptverkehrszeit nach Polizeiangaben mindestens zwei Menschen getötet und 185 verletzt worden.

Deutsche Botschaft in London richtet Krisenstab ein

Von der Bundesregierung war zunächst keine Einschätzung zu erhalten. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte, Außenminister Joschka Fischer habe sofort nach Bekanntwerden der Explosionen mit dem Botschafter in London telefoniert und lasse sich laufend informieren. Die Botschaft habe einen Krisenstab eingerichtet, der gemeinsam mit dem Krisenreaktionszentrum des Ministeriums den Kontakt zu den Behörden in London halte. Nordrhein-Westfalens Innenminister Ingo Wolf (FDP) erklärte: "Die internationalen Terrornetzwerke sind weiter aktiv und zu Anschlägen in der Lage."

"Berlin ist nicht London"

Der Terrorismus-Experte Rolf Tophoven warnte vor Panikmache und Spekulationen, dass ähnliche Anschläge auch in Deutschland verübt werden könnten. "Berlin ist nicht London", sagte er. Zwar wären islamistische Extremisten in der Lage, auch hierzulande Anschläge auszuführen. Noch sei aber unklar, ob Deutschland nicht mehr nur als Planungs- oder Vorbereitungsraum zu betrachten sei, sondern schon als Anschlagraum. Der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach sagte, die bisherigen Bemühungen um die Sicherheit in Deutschland griffen zu kurz. "Nun müssen offenkundige Sicherheitslücken geschlossen werden."

Reaktionen in Paris und London Die französische Regierung hob den Terroralarm unmittelbar nach den Explosionen auf die zweithöchste Stufe. In Washington wurden bewaffnete Beamte mit Spürhunden in die U-Bahnen geschickt. Die Sprecherin der Washingtoner Verkehrsbehörde, Candace Smith, sagte, man habe sofort auf die Terroranschläge in London reagiert. Mit Maschinengewehren bewaffnete Polizisten würden in Zügen und Bussen patrouillieren und auf verdächtige Gepäckstücke oder Personen achten. Auch die Fahrgäste seien aufgerufen worden, besonders wachsam zu sein und verdächtige Vorfälle zu melden. Etwa 1,2 Millionen Menschen nutzten täglich den öffentlichen Personennahverkehr der amerikanischen Hauptstadt.

AP/Reuters


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