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Terrorzelle NSU: Die Männer hinter Beate Zschäpe

Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, die drei Mitglieder der rechtsextremen Zelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU), sollen Helfer und Mitwisser gehabt haben.

Das Trio Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, dem eine Serie von zehn Morden angelastet wird, soll bei ihrer Mordserie auf alte Kontakte im Neonazi-Milieu zurückgegriffen haben. Nach dem Tod von Böhnhardt und Mundlos vor einem Jahr hat die Bundesanwaltschaft nun zusammen mit Zschäpe vier weitere Männer angeklagt - nur einer von ihnen sitzt aber noch in Haft.

Ralf Wohlleben

Der Ex-NPD-Funktionär sitzt seit dem 29. November vergangenen Jahres in Untersuchungshaft - fast genauso lange wie Zschäpe. Wohlleben, der bei mehreren Wahlen für die NPD kandidierte und es bis zu deren stellvertretenden Landesvorsitzenden von Thüringen brachte, soll dem Terrortrio 1998 beim Untertauchen finanziell geholfen und ihnen auch später Geld zukommen lassen haben.

Ende 1999 oder Anfang 2000 soll Wohlleben dem NSU mit Hilfe eines Kuriers eine Pistole vom Typ Ceska 83 und Munition verschafft haben - die Tatwaffe für die Morde an neun Kleinunternehmern mit Migrationshintergrund. Nach Auffassung der Bundesanwaltschaft nahm der am 27. Februar 1975 geborene Wohlleben auf Grund seiner eigenen Gesinnung billigend in Kauf, dass die Waffe für rechtsextremistische Morde verwendet werden konnte. Er wurde deshalb wegen Beihilfe zum Mord in neun Fällen angeklagt.

Wohlleben, der als Fachinformatiker arbeitete, ist inzwischen zwar nicht mehr NPD-Mitglied. Dass er noch als NPD-Funktionär die NSU unterstützte, gilt aber als wichtiges Argument für ein mögliches neues NPD-Verbotsverfahren.

Carsten S.

Der 32-Jährige soll zusammen mit Ralf Wohlleben die Tatwaffe zu den Morden an neun Kleinunternehmern beschafft haben und damit ebenfalls der Beihilfe zum Mord in neun Fällen schuldig sein. Nachdem S. umfassend ausgepackt hatte, ließ ihn die Bundesanwaltschaft im Mai nach viermonatiger Untersuchungshaft wieder frei. S. sagte sich nach Auffassung der Ermittler glaubhaft vom Rechtsextremismus los. Außerdem war er zur Tatzeit erst 19 Jahre alt, ihm könnte nach dem milderen Jugendstrafrecht der Prozess gemacht werden.

Holger G.

Der am 14. Mai 1974 in Jena geborene G. war der erste mutmaßliche NSU-Helfer, den die Polizei festnahm. G. soll seit dem Ende der 90er Jahre Kontakt mit dem aus Thüringen stammenden Trio gehabt haben. Den Dreien soll er seinen Führerschein, eine Krankenversichertenkarte und noch im Jahr 2011 einen Reisepass überlassen haben. So soll er ihnen ermöglicht haben, weiterhin verborgen zu agieren und rechtsextreme Gewalttaten zu verüben.

Mit den Ausweispapieren von G. sollen Wohnmobile für die Gruppe angemietet worden sein, darunter das Fahrzeug, das bei dem Mord an der Polizistin Michèle K. in Heilbronn benutzt wurde. Er soll auch versucht haben, eine Flucht des Trios ins Ausland zu organisieren, und ihnen zudem eine Waffe, die allerdings nicht zum Einsatz kam, beschafft haben.

G. sagte gegenüber den Ermittlern umfassend aus. Im Mai hob der Bundesgerichtshof den gegen ihn bestehenden Haftbefehl auf, weil er vor allem für den von der Bundesanwaltschaft erhobenen Vorwurf der Beihilfe zum Mord keine hinreichenden Anhaltspunkte sah. Ihm wird nun Unterstützung der terroristischen Vereinigung NSU in drei Fällen vorgeworfen.

Andre E.

Dem aus Sachsen stammenden 33-Jährigen wirft die Bundesanwaltschaft Beihilfe zum Sprengstoffanschlag des NSU in der Kölner Altstadt und in diesem Zusammenhang Beihilfe zum versuchten Mord sowie Beihilfe zum Raub und Unterstützung einer terroristischen Vereinigung vor. E. soll eine enge Bindung zu dem Trio unterhalten haben. Im Jahr 2006 gab er Zschäpe als seine Ehefrau aus. Er soll den Wohnort der Drei verschleiert haben und ihnen seit dem Jahr 2009 Bahncards beschafft haben. Diese waren auf ihn und seine Frau ausgestellt, jedoch mit den Fotos von Zschäpe und Uwe Böhnhardt versehen.

ivi/AFP / AFP