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Laut ARD-Bericht Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel kassierte als Tönnies-Berater 10.000 Euro monatlich

Daniela, eine rumänische ehemalige Tönnies-Mitarbeiterin, macht schwere Vorwürfe gegen die Fleischfabrik.
Sehen Sie im Video: Aktuelle und ehemalige rumänische Tönnies-Mitarbeiter erheben schwere Vorwürfe gegen die Fleischfabrik. Videoquelle: ntv.de.
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Wie die ARD berichtet, hat Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel drei Monate lang für Tönnies als Berater gearbeitet - für ein stattliches Salär. Als Wirtschaftsminister hatte er die Fleischindustrie noch hart kritisiert.

Der ehemalige SPD-Chef Sigmar Gabriel ist einem Medienbericht zufolge vom Fleischproduzenten Tönnies als Berater bezahlt worden. Der frühere Bundeswirtschaftsminister sei seit März 2020 bis mindestens Ende Mai 2020 für den Konzern tätig gewesen, berichtet das ARD-Magazin "Panorama". Demnach erhielt Gabriel bislang offenbar ein Pauschalhonorar von 10.000 Euro im Monat sowie ein zusätzliches vierstelliges Honorar für jeden Reisetag. Die Tätigkeit sollte laut "Panorama" auf zwei Jahre angelegt sein.

Auf "Panorama"-Anfrage teilte Gabriel dem Bericht zufolge mit, dass seine privatwirtschaftlichen Tätigkeiten keiner Veröffentlichungspflicht unterlägen. Er habe bei Auskünften an Medien immer auch Interessen Dritter zu wahren. Trotzdem bestätigte er, dass er ab 1. März 2020 für Tönnies tätig gewesen sei. Er habe das Unternehmen im Rahmen von drohenden Exportproblemen im Zusammenhang mit der Afrikanischen Schweinepest beraten.

Sigmar Gabriel: "Tätigkeit wegen Erkrankung beendet"

Gabriel erklärte, er habe seine Arbeit mittlerweile beendet: "Diese Tätigkeit musste ich aufgrund einer schwierigen  Erkrankung und einer dadurch für mich notwendig gewordenen komplizierten Operation zum 31. Mai 2020 beenden". Für ihn sei zum damaligen Zeitpunkt nicht klar gewesen, ob und auch wann er seine beruflichen Tätigkeiten wieder aufnehmen könne. 

Weder er noch seine Geschäftspartner sähen die frühere Beratungstätigkeit für die Firma Tönnies als problematisch an, erklärte der ehemalige Minister. Er habe die "Panorama"-Anfrage "aufgrund des besonderen öffentlichen Interesses im vorliegenden Fall" beantwortet.

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Kontakte auf chinesischem Markt nutzen

Nach "Panorama"-Recherchen hatte sich Firmenchef Clemens Tönnies persönlich um die Personalie Gabriel gekümmert. "Es ist Clemens Tönnies gelungen, Herrn Sigmar Gabriel als Berater zu verpflichten. Er wird seine weiten Kontakte für die Tönnies Gruppe zur Verfügung stellen und aktiv Projekte begleiten", zitiert die "Panorama"-Redaktion aus einer Präsentation für den Konzern-Beirat vom Februar 2020. Wie aus Unterlagen hervorgeht, die dem Magazin vorliegen, sollte der ehemalige Minister "seine weiten Kontakte für die Tönnies Gruppe zur Verfügung stellen und aktiv Projekte begleiten". Dabei sei es insbesondere um den chinesischen Markt gegangen. Darüber hinaus gehe es auch um "Kommunikationsberatung in vom Auftraggeber ausgewählten Fällen", heißt es laut Zitat in dem internen Papier weiter. Eine Zielvereinbarung gab es demzufolge offenbar nicht.

Sigmar Gabriel im Portrait mit besorgtem Gesichtsausdruck
Bestreitet laut ARD-Bericht nicht, drei Monate als Berater für den umstrittenen Schlachtbetrieb Tönnies gearbeitet zu haben - trotz seines Wissens um die Arbeitsbedingugen.
© Adam Berry / Getty Images

Einer Mitteilung des ARD-Magazins zufolge hat die Tönnies-Holding eine Anfrage zum Thema bisher nicht beantwortet.

Tönnies steht schwer unter Druck, nachdem es am Hauptstandort des Fleischkonzerns in Rheda-Wiedenbrück in Nordrhein-Westfalen einen massiven Corona-Ausbruch gegeben hatte. Der Betrieb wurde vorübergehend geschlossen und ein erneuter Lockdown für die Kreise Gütersloh und Warendorf angeordnet.

"Schande für Deutschland"

Anfang 2015 hatte Sigmar Gabriel - damals noch als Bundeswirtschaftsminister - das System der Ausbeutung in der deutschen Fleischindustrie als "Schande für Deutschland" bezeichnet. Nach der Kritik verpflichteten sich die sechs großen Fleischkonzerne Deutschlands unter Federführung Gabriels, die Arbeitsbedingungen ihrer Beschäftigten in Deutschland zu verbessern.

Gabriel ist seit November 2019 nicht mehr Mitglied des Bundestags. Er war von 2013 bis 2017 Bundesminister für Wirtschaft und Energie und bis März 2018 Bundesaußenminister.

Hinweis: Das Magazin "Panorama" läuft an diesem Donnerstag, 2. Juli, um 21.45 Uhr in der ARD.

dho / Vorab-Mitteilung "Panorama" AFP

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