HOME

Kanzlerkandidatur 2017: Albigs Kapitulation vor Merkel nervt die SPD

Kein SPD-Kanzlerkandidat bei der nächsten Wahl? Schon im März hatte Torsten Albig einen Sieg seiner Partei 2017 quasi abgeschrieben. Nun hat Kiels Ministerpräsident nachgelegt - sehr zum Ärger der Genossen.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig spricht mit Bundeskanzlerin Angela Merkel

"Sie ist eine gute Kanzlerin":

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) hat seine Partei mit der Aussage verärgert, dass die Sozialdemokraten angesichts der Popularität von Angela Merkel bei der nächsten Wahl auf einen Kanzlerkandidaten verzichten könnten . "Der Gedanke ist völlig abwegig, dass die SPD ohne Kanzlerkandidaten in die Bundestagswahl 2017 gehen könnte", sagte SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi dem "Spiegel". Die große Koalition sei eine "Veranstaltung auf Zeit", dafür kämpfe die SPD mit Politik, Programm und Personal. "Ich gehe davon aus, dass das auch für Schleswig-Holstein und seinen Ministerpräsidenten gilt."

Auch SPD-Vizechef Ralf Stegner widersprach Albig entschieden: "Bei aller Übereinstimmung, die wir sonst haben: In der Frage bin ich wirklich anderer Auffassung - und die SPD insgesamt auch", zitiert ihn die Deutsche Presse-Agentur (DPA). Bei ihm seien auf Albigs Aussagen "temperamentvolle Rückmeldungen" aus dem Land und dem Bund eingegangen. 

Stegner, der auch Vorsitzender der schleswig-holsteinischen SPD ist, erklärte im NDR: "Eine Partei wie die SPD, die in 14 von 16 Ländern regiert, die fast jede deutsche Großstadt regiert, die kann natürlich nicht den Anspruch aufgeben, den Kanzler zu stellen." Vielleicht habe Albig ja "norddeutschen Humor" sprechen lassen.

Falls das bei Albig der Fall gewesen sein sollte, war es nicht das erste Mal. Bereits im März hatte der schleswig-holsteinische Landeschef die Chancen eines SPD-Kandidaten gegen Amtsinhaberin Angela Merkel (CDU) als gering eingeschätzt. "Vielleicht müssen wir noch eine Weile warten, bis wir wieder Autogrammkarten eines sozialdemokratischen Kanzlers verteilen können", sagte er im Frühjahr.

"Merkel ist eine gute Kanzlerin"

Jetzt legte Albig zur Verstimmung seiner Partei nach. Er habe zwar "gar keinen Zweifel", dass Parteichef Sigmar Gabriel "exzellent" als Kanzlerkandidat sei, sagte Albig in einem NDR-Sommerinterview. Ein Sieg gegen Merkel sei jedoch schwer. "Ich glaube, sie macht das ganz ausgezeichnet - sie ist eine gute Kanzlerin", lobte der Ministerpräsident. Die deutsche Bevölkerung möge sie offensichtlich, das müsse zur Kenntnis genommen werden.

Obwohl die SPD in der großen Koalition mit der Union einige politische Erfolge wie die Mietpreisbremse und die Einführung einer Frauenquote in Vorstandsetagen feiern konnte, kommen die Sozialdemokraten in Umfragen nicht über 25 Prozent Zustimmung hinaus. An der nächsten Regierung wieder beteiligt zu sein, könne auch Wahlziel für seine Partei sein, sagte Albig. Auch dafür werde ein starker Kandidat benötigt, aber "ob die Bezeichnung Kanzlerkandidat noch richtig ist oder nicht, das werden wir sehen".

Das sieht Stegner völlig anders: "Wir müssen natürlich immer den Anspruch haben, die Regierung zu führen." Albig habe Recht damit, dass Merkel populär und schwer zu schlagen sei. "Aber es kann ja nicht unser Ziel sein, mit den Grünen darum zu wetteifern, wer der nächste Juniorpartner der Union wird." Die Umfragen sähen im Moment nicht günstig für die Sozialdemokraten aus, räumte der SPD-Vize ein. "Aber das heißt ja nicht, dass es nicht besser werden kann. Und dafür muss man kämpfen."

"Wenn Merkel wieder antritt, dann für die CDU"

Die CDU freut sich dagegen über das Lob vom politischen Gegner: "Es ist toll, dass viele Sozialdemokraten Angela Merkel für eine gute Kanzlerin halten - wie Torsten Albig. Aber die SPD soll sich keinen falschen Hoffnungen hingeben", sagte CDU-Generalsekretär Peter Tauber der DPA. Wenn Angela Merkel wieder antritt, dann für die CDU und nicht für die SPD." Zugleich warnte Tauber die Union davor, die nächste Bundestagswahl bereits als Selbstläufer abzutun.

mad / DPA / AFP