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Schleswig-Holstein: Die fünf Lehren aus der Wahl

Sieg für die CDU, Klatsche für die SPD: Die Landtagswahl in Schleswig-Holstein hat ein überraschendes Ergebnis hervorgebracht. Daraus lassen sich so einige Lehren ableiten.

Ex-Ministerpräsident Torsten Albig von der SPD gratuliert Daniel Günther zum CDU-Wahlsieg in Schleswig-Holstein

Schleswig-Holsteins Ex-Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) gratuliert seinem Nachfolger Daniel Günther (l.) zum Wahlsieg der CDU

Bis zur Bundestagswahl sind es nur noch gut vier Monate. Aber davor kommt der bedeutendste Stimmungstest, der die Ausgangslage für das Finale um die Macht im Bund prägen wird. Die "kleine Bundestagswahl" an diesem Sonntag in Nordrhein-Westfalen, wo mehr als ein Fünftel aller deutschen Wahlberechtigten abstimmen kann.

Nach einer Klatsche in Schleswig-Holstein steht SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz unter enormem Erfolgsdruck, im sozialdemokratischen Stammland zu punkten. Für Amtsinhaberin Angela Merkel (CDU) geht es vor allem darum, das überraschend positive Wahl-Momentum zu bewahren. Einige Signale strahlen aus Kiel bis in den Westen und nach Berlin:

1. Langer Atem zählt

Als Schulz übernahm, schossen die Hoffnungen und auch die Umfragen für die SPD in die Höhe. Und bundesweit hält sich die Partei trotz bröckelnder Werte bisher weiter in der Nähe der 30-Prozent-Marke, von der viele resignierte Genossen lange nicht zu träumen wagten. In Kiel fiel die SPD am Sonntag deutlich stärker zurück als im Bund, was auf landespolitische Gründe hindeutet. Laut Umfragen von Infratest Dimap für die ARD sagten aber auch 56 Prozent der SPD-Wähler im Norden: "Von Martin Schulz habe ich in letzter Zeit gar nichts mehr gehört."

2. Mobilisierung zählt

Wie schnell sich Euphorie verflüchtigen kann, muss Schulz gerade erleben. Dabei sind mehr als 16.000 neue Mitglieder in die SPD eingetreten, die wohl kaum gleich alle wieder gehen. "Wir haben es nicht geschafft zu mobilisieren", räumte Generalsekretärin Katarina Barley ein. Dagegen schaffte es die CDU in Schleswig-Holstein laut Forschungsgruppe Wahlen, bei der wichtigen Generation "60 plus" weit überdurchschnittlich zu punkten, die sich stark an Wahlen beteiligt.

3. Merkel bleibt Merkel

Der Bundestagswahlkampf 2017 werde ein anderer - und viel schwieriger als sonst, heißt es von Strategen in der Union. Ausgerechnet Merkel macht allerdings zumindest bisher keine Anstalten, ungewohnte Saiten aufzuziehen. Cool bleiben und regieren, lautete die Devise schon, als Schulz noch strahlender Umfragekönig war. Bis auf weiteres setzt die CDU-Chefin auf ihren Kanzlerbonus mit Stammplatz auf internationalem Parkett. Werbewirksamer Höhepunkt: der G20-Gipfel im Juli in Hamburg.

4. Amt bringt doch nicht immer einen Bonus

Bei Landtagswahlen der jüngsten Zeit gab es eine Konstante - vom Grünen-Regierungschef Winfried Kretschmann in Stuttgart bis zur SPD-Sympathieträgerin Malu Dreyer in Mainz: Selbst bei schwierigen Rahmenbedingungen wirft einen (populären) Ministerpräsidenten so leicht nichts aus dem Amt. Diese Serie hat SPD-MP Torsten Albig in Kiel gerissen. Laut Forschungsgruppe Wahlen hinkte er beim Ansehen knapp seinem kurz zuvor eingewechselten CDU-Rivalen hinterher. Kann SPD-Landesmutter Hannelore Kraft in NRW mit dem Pfund wieder wuchern?

5. Koalitions-Optionen ungewiss

Schon wegen Besonderheiten wie einer dänischen Minderheit taugt der Norden nur schwer als Modell für Regierungs-Varianten jenseits der allseits ungeliebten schwarz-roten Koalition. Einige Fantasie weckt es da aber schon, dass zumindest rechnerisch sowohl "Jamaika" mit CDU, Grünen und FDP als auch eine rot-gelb-grüne "Ampel" möglich wären. Dabei sind es neben der CDU auch Grüne und Liberale, die mit zweitstelligen Ergebnissen an der Küste Selbstbewusstsein tankten - mindestens haltbar bis kommenden Sonntag an Rhein und Ruhr.


tkr/Sascha Meyer/DPA