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TV-Duell zur Bayern-Wahl: Ude siegt sachlich, Seehofer emotional

TV-Duell zwischen Horst Seehofer und Christian Ude: Beim einzigen direkten Schlagabtausch vor der bayerischen Landtagswahl schenken sich der Ministerpräsident und sein Herausforderer nichts.

Von Georg Wedemeyer, München

Horst Seehofer von der CSU gegen seinen Herausforderer Christian Ude von der SPD. Die große Wende im Bayerischen Wahlkampf war's wohl nicht: 75 Minuten Rededuell im Bayerischen Fernsehen. Die erste Überraschung bei diesem Duell war, dass es vom "rabenschwarzen" BR-Chefredakteur Sigmund Gottlieb fair und gut moderiert wurde. Keine Steilvorlagen für Seehofer, aggressives Nachfragen, hohes Tempo, wer hätte das gedacht? Im Ergebnis konnte Christian Ude sachlich punkten, aber Horst Seehofer wirkte emotionaler und menschlicher.

Vor dem Studio johlen Fans beider Lager. Die einen rufen "See-ho-fer", die anderen "U-de". Naja. Ude sagt, er freue sich, endlich seinen Gegner stellen zu können. "Bisher war der doch immer auf der Flucht." Was insofern stimmt, als Seehofer in seinen Wahlkampfreden meist weder Ude noch die SPD erwähnt. Beim anschließenden Shakehands im Studio gleich eine Überraschung: Beide tragen quasi die gleiche bläuliche Krawatte mit Silberstreifen, Udes Streifen sind ein Tick enger.

Beim Thema Maut schaut Seehofer finster

Erstes von BR-Chefredakteur Sigmund Gottlieb gestelltes Thema ist die PKW-Maut. Seehofer, gerade erst in dieser Frage von Bundeskanzlerin Merkel rasiert, wirkt gehemmt, schaut finster, wenn Ude von "Irreführung" spricht. Dann sagt er, er habe schon ganz andere Dinge durchgesetzt und Ude kontert abschließend: "Die Maut kommt so sicher wie der Transrapid." Das Gleiche beim nächsten Thema: Bildung. Seehofer ist nicht in Form, kramt Zahlen hervor. Ude auch, aber es gelingt ihm auch Schlagworte zu setzen: G-8-Murks, Schulsterben, Schulbus statt Schule. Nicht viel besser geht es Seehofer beim Betreuungsgeld. Gottlieb will nichts "Klassenkämpferisches" sagen, aber: "Braucht das die Millionärsgattin wirklich?" Ude meint, man solle das Geld lieber für Kita-Plätze ausgeben, damit die Frauen Wahlfreiheit hätten. Seehofer sagt, Bayern zeige beim Kita-Ausbau die größte Dynamik. Darauf Ude: "Ein Marathonläufer, der die erste Stunde verschläft und dann losrennt hat auch die größte Dynamik." Nein, nach dem ersten Drittel steht es nicht gut für Seehofer. Er scheint es zu merken und reagiert mit mehr Emotionen. Plötzlich fährt er Gottlieb an: "Nicht unterbrechen, wenn es um die Klärung von Fakten geht."

Seehofer überzeugt als emotionaler Landesvater

Ausgerechnet beim Thema Energiewende holt Seehofer auf. Ude rattert fünf Möglichkeiten herunter, wie man die Energie wieder billiger machen könnte. Aber Seehofer wechselt die Ebene: Windkraftausbau gebe es nur im Einklang mit den Menschen und der Natur. "Ich kämpfe für die betroffenen Menschen." Das kommt irgendwie an.

Seehofer bleibt bei seiner Linie. Zu jedem Thema, ob schnelles Internet, Mindestlohn oder Verluste der Landesbank, SPD-Steuerpläne findet er jetzt emotionale Vokabeln: "oh oh Europarecht" singt er bei der Internetförderung, "habe euch städtischen Sparkasse eine halbe Milliarde geschenkt", "Programm für Massenarbeitslosigkeit". Ude hält wacker dagegen mit sachlichen Argumenten. Aber das wird ihm in der Abrechnung wohl nicht viel nützen.

Der Münchner OB mag deutlich gemacht haben, dass er Ministerpräsident könnte. Das mag einige Unentschlossene beeinflussen. Aber Seehofer hat den emotionalen Landesvater gegeben, der das Kind schon schaukeln wird.