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Und jetzt ... Django Asül Das Erika-Steinbach-Syndrom

Konservativ sein ist so einfach. Das zeigen Erika Steinbach und Stefan Mappus. Kanzlerin Angela Merkel wird zum Neutrum ohne Herz.
Ein satirischer Kommentar von Django Asül

Eigentlich stehen die Vorzeichen glänzend für eine neue Epoche des Konservatismus. Globalisierung, Web 2.0 und Heidi Klum gehen dem Volk zusehends gegen den Strich. Das Überschaubare ist wieder begehrenswert. Man muss nicht mehr ständig zu neuen Ufern aufbrechen, weil das nur zu nassen Hosenbeinen führt. Denn die Welt ist kein Dorf, sondern ein Moloch. Deshalb will der deutsche Mensch nicht nur die Kirche, sondern auch die Heimat im Dorf lassen. Unter diesen Umständen sollte ein 40 plus x für die CDU und 60 plus x für die CSU ein Klacks sein. Stattdessen steht das U im Parteinamen nicht mehr für Union, sondern für mittlerweile chronisches Unbehagen. Und für das Ungefähre. Auf das Unbehagen war keiner in der Partei erpicht. Das Ungefähre hingegen ist scheinbar die Strategie für das nächste Jahrhundert.

Während Adenauer von Experimenten angewidert war, sieht sich die Physikerin Merkel nahezu magisch angezogen davon. Ihr bisheriges Handeln und Reden lässt auch nur einen Schluss zu: Von der längst vollzogenen Konturenfreiheit soll die CDU über die Beliebigkeit endgültig in der postpolitischen Ära landen. Der Vorwurf, die CDU könne nicht mal erklären, was heute noch konservativ ist, ist zwar omnipräsent. Aber vielleicht will das die Union gar nicht? Gut getan hat ihr dieses dialektische Lotterleben jedenfalls nicht. Die Deutschen können mit Merkels CDU in etwa so viel anfangen wie die Franzosen mit illegalen Roma-Siedlungen.

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Die brandaktuelle Debatte, was denn nun verdammt noch mal konservativ ist, kommt der CDU-Chefin höchst ungelegen. Dabei gibt es durchaus brauchbare Ansätze der jüngsten Gegenwart, um der Antwort auf die Schliche zu kommen. Und zwar aus der Mitte der Union heraus. Laut Erika Steinbach ist konservativ, wenn Polen den Zweiten Weltkrieg beginnt. Laut Herrn Mappus ist konservativ, wenn in Stuttgart parallel zum Bahnhof auch die Unionspolitik immer unteriridischer wird. Und in der öffentlichen Wahrnehmung ist konservativ, wenn sich die Atomlobby als Aufsichtsrat der Bundesregierung gerieren darf. Zurück bleibt in der Union das schale Gefühl, dass der pompös angekündigte Neustart nach der Sommerpause ein bisschen runder hätte verlaufen können. Die Sehnsucht nach dem Konservativen wird indes immer größer. Was auch aus den neuesten stern-Umfragen herausgedeutet werden kann: Die Grünen liegen bei 22 Prozent, die CSU verkümmert bei 38 Prozent. Die CDU irgendwo dazwischen drin.

Merkels Rechnung geht also schon mal auf. Basierend auf diesem stillen Triumph zeigt sich jedoch ein leichter Anfall von Übermut. Rechts von der Union, so Merkel, dürfe es keine Partei geben. Soviel sportlichen Ehrgeiz hat die Bundespolitik schon lang nicht mehr erlebt. Das ist wie wenn Daimler sagt, es dürfe kein größeres Auto als den Smart geben. Das beweist, dass Amtsmüdigkeit kein Thema ist im Hause Merkel. Sie hätte es sich ja auch leicht machen und statt rechts der Union links der Union sagen können. Damit hätte sie die potenzielle Konkurrenz vor eine unlösbare Mission gestellt. Um links von der Merkel-Union zu stehen, muss man heutzutage schon Ulbricht und Mielke posthum den Friedensnobelpreis verleihen wollen. Auf dem politischen Kompass sind die Grünen über der CDU, die Liberalen drunter und die Sozis ein bisschen rechts der Union. Aber das wird ihnen Gabriel schon noch austreiben. Die Kanzlerin will eben, dass in der CDU jeder eine Heimat findet, wenn er nicht gerade mit Menschen, Waffen oder Drogen handelt oder für den Mindestlohn plädiert.

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Für die Unionsbasis ist Merkel längst ein Neutrum. Gefeiert wird stattdessen Erika Steinbach. Nicht für ihren bevorstehenden Rückzug aus der Parteispitze oder ihre längst überfälligen Klarstellungen bezüglich der deutschen Historie (wer hat zuerst zurückgeschossen?), sondern für ihre Parteischelte. Mit ein bisschen Charisma und Ausstrahlung könne jemand locker eine neue Rechtspartei auf die Erfolgsspur bringen. Die letzte große Konservative der CDU sieht in ihrer Partei also eine charismafreie Zone, in der Ethos und Pathos nur lästig erscheinen oder für griechische Vorspeisen gehalten werden. Bei der Parteispitze ist Steinbach mit solchen Gedanken natürlich unten durch. Der Stammwähler aber fühlt sich endlich verstanden und mitgenommen. Steinbach gibt quasi die Sarrazina der CDU. Die Zweifachvertriebene. So wärmt sie die Klientel, die sich längst fremd fühlt in der Union.

Merkel wischt die Gedankenspiele von Steinbach einfach hinweg. So wie sie auch Sarrazins Ausführungen für pauschal abstrus erklärte. Merkt Merkel, wie sehr sich gegen die Mehrheit des Volkes stellt? Oder ist das Merken längst dem Merkeln gewichen? Die Kanzlerin offenbart die Einfühlsamkeit eines Schaufelradbaggers. Ihr Credo lautet: Nur weil Steinmeier seine Niere seiner Frau gegeben hat, muss ich noch lange nicht mein Herz für Deutschland geben.

Ein satirischer Kommentar von Django Asül

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