Und jetzt ... Django Asül Karsai macht die Ypsilanti


Wer das Böse bekämpft, braucht politische Flexibilität. Das wusste Andrea Ypsilanti, der afghanische Präsident Hamid Karsai hat von ihr gelernt.
Eine kampflustige Satire von Django Asül

For the times, they are a-changing. Das trällerte seinerzeit Bob Dylan, noch lange bevor Hansi Hinterseer der Welt bewies, dass Charisma und nettes Wesen wesentlich wichtiger für eine Sangeskarriere sind als eine passable Stimme. Erwiesenermaßen konnten weder Dylan in Vietnam noch Hinterseer in Kundus diverse Fehlentwicklungen vermeiden. Also bedarf es noch imposanterer Institutionen, um die times in die richtige Richtung zu changen. Wegducken ist nicht mehr gefragt, weshalb Jogi Löw (siehe Fall Kuranyi) und Angela Merkel (siehe Fall Deutschland) als Changer ausscheiden.

Weil das Primat der Politik generell schon länger auch ein Konglomerat des Scheiterns ist, bleibt wieder einmal alles am Papst hängen. Benedikt scheut nicht die Verantwortung. Und die wird von Tag zu Tag größer. Zumal Chuck Norris nicht jünger wird und Sylvester Stallone sich öfter im Botoxstudio als in Krisengebieten blicken lässt. Glücklicherweise hat der oberste Kirchenmann keine Angst, die richtigen und wichtigen Themen an Ostern anzusprechen, damit jeder von urbi bis orbi Bescheid weiß.

Der Papst ist mit einigen Dingen alles andere als zufrieden. Speziell im Irak und in Afghanistan sollten sich demnach die Zeiten schleunigst ändern. Die konfliktfreie Lösung von Konflikten müsse Vorrang haben.

So in etwa lautete seine Osterbotschaft. Die bisherigen Lösungsansätze hatten da eher einen destruktiven Charakter. Kaum hatte der Papst seine Worte gesprochen, ging schon ein Film um die Welt, in dem die Amerikaner im Irak sinnlos Zivilisten und Reporter aus den Schuhen ballern. Für einen Menschen mit Durchschnittsgewissen mag das ungeheuerlich erscheinen. Aber der Amerikaner an sich betrachtet so ein Gebaren wesentlich differenzierter. Für den Ami ist klar: Da die Türkei der südlichste und östlichste Nato-Partner ist, kann es südlich und östlich der Türkei keine Zivilisten mehr geben, sondern bestenfalls Privatleute. Und diese werden meist von den Aufständischen als lebendige Schutzschilder missbraucht. Also steht der irakische Privatmann schon mal tendenziell eher im Weg, was sich im Kampf nicht unbedingt als lebenserhaltende Maßnahme erweisen muss. Dass Reporter sich mitten im Getümmel aufhalten, macht erst recht keinen Sinn. Die können sich die Informationen schließlich entweder aus dem US-Verteidigungsministerium oder aus den Medien besorgen. Oder muss man sich etwa in die Zelle von Kachelmann begeben, um zu erfahren, wie das Wetter morgen wird? Im Irak ist also alles in Ordnung. Dass der Amerikaner Ordnung anders definiert, muss ihm zugestanden werden. Alles andere wäre nur billiger Kulturimperialismus.

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Um die Ordnung in Afghanistan ist es auch nicht zum Besten bestellt. Dort rumort es angeblich gewaltig. Die atmosphärische Tektonik verheißt nichts Gutes. Präsident Karsai sagt: Wenn mir der Westen zu blöd kommt, kann ich auch mit den Taliban. Das ist die größtmögliche politische Flexibilität seit Frau Ypsilanti in Hessen. Das wiederum bedingt größtmögliche Flexibilität seitens der ISAF-Truppen vor Ort.

Wenn die Bundeswehr beispielsweise im Rahmen der Aktion Friendly Fire (nicht zu verwechseln mit der Aktion Sorgenkind) einige afghanische Soldaten in einen lebensfernen Zustand versetzt, ist das keine ballistische Narretei, sondern ein sogenanntes Prophylaxe-Shooting. Da Motto lautet: Eliminiere den Freund, bevor er zum Feind wird. Denn solange er ein Freund ist, wird er nicht zurückschießen. Der echte Taliban hat da eine weitaus seltsamere Definition von Gastfreundschaft. Darauf bezog sich auch der Verteidigungsminister, als er meinte, dass in Afghanistan es zwar einen Krieg gäbe, aber nur umgangssprachlich. Und weil der Taliban scheinbar nur die Umgangssprache kennt, braucht man ihm mit klassischem Amtsdeutsch erst gar nicht zu kommen. Statt in Langenscheidts Afghanisch-Amtsdeutsch/Amtsdeutsch-Afghanisch zu schmökern, verbuddelt der Taliban lieber ein paar Minen. Analphabetismus kann also ein wahrer Sprengsatz sein. Aber das weiß ja Deutschland nicht erst seit Kundus, sondern schon seit Pisa.

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Risikofreies Vorpreschen mit maximaler Wirkung ist ohnehin auch der innigste Wunsch der Bundesregierung in Afghanistan. Und nur Geschichtsvolltrottel mögen da eine Parallele zum Einfall in Polen im Jahre 1939 ziehen. Weder Schröder noch Merkel wollten jemals Afghanistan einnehmen. Und beide sind nachweislich keine Österreicher.

Außerdem ist Fairness das oberste Gebot für die Bundesregierung. Sie gestattet der Bundeswehr vor Ort nur das Nötigste an Ausrüstung, damit halbwegs ein Gleichgewicht der Arsenale besteht. Und weil die Taliban chronisch schlecht ausgestattet sind, fehlt logischerweise auch der Bundeswehr vor Ort das Nötigste. Kritiker sind jedoch der Ansicht, dass die Taliban sich in dieser unwirtlichen Gegend wie zu Hause fühlen, weil sie ja dort zu Hause sind. Das sei ein eindeutiger Vorteil, den die Deutschen mit Panzern und Kampfhubschraubern ausgleichen müssten.

Aber ein Heimvorteil auf einem unwegsamen Untergrund muss nicht immer von Vorteil sein. Nicht umsonst hat der FC Bayern binnen weniger Tage zweimal auf Schalke gewonnen. Ob in Afghanistan tatsächlich schneller Ruhe einkehrt, wenn Guttenberg durch van Gaal ersetzt wird?


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