Und jetzt ... Django Asül Silvana Koch-Mehrin und die Burka


Silvana Koch-Mehrin fordert ein Burka-Verbot. Und tatsächlich: Es gibt Menschen, die sollte man verschleiern. Aus moralischen Gründen.
Eine satirische Enthüllung von Django Asül

Griechenland muss geholfen werden. Denn das kleine, idyllische Land der einst so stabilen Drachmen konnte dem IWF beweisen: In Hellas gibt es keine Burkaträgerinnen. Und auch keine Burkaträger. Die paar wenigen, die derzeit ihre Gesichter dort verhüllen, sind lediglich die ehemals von der Regierung beauftragten Statistik- und Bilanzfälscher aus dem Finanzministerium. Und selbst die geben sich damit zufrieden, dass nur ihre Köpfe nicht einsehbar sind. Gegen Kurzärmeligkeit haben sie nichts, da sie ja jahrelang sehr hemdsärmelig ihrer Arbeit nachgingen. Die einzige Burka im Lande war bis vor kurzem über die Staatsfinanzen gestülpt. Und das nicht als Zeichen für religiösen Fanatismus, sondern lediglich als Basis für Lug und Trug, also gelebte Demokratie im europäischen Sinne.

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Wenn es im Moment Unstimmigkeiten in Europa gibt, dann sind nicht die Griechen, sondern die Belgier schuld. Dank ihrem Burkaverbot. Die FDP würde das Verbot sogar am liebsten gleich auf ganz Europa ausdehnen. Oder zumindest in Deutschland einführen. Was an so einem staatlichen Dirigismus liberal sein soll, weiß zwar die FDP auch nicht. Aber zugunsten der Effekthascherei werfen die Liberalen gerne mal ihre Grundsätze (oder zumindest das, was sie dafür halten) über Bord. Nur dass es diesmal nicht die übliche Pausensirene Westerwelle ist, sondern Frau Koch-Mehrin, die sich auf FPÖ-Pfade begibt. Ist es da noch ein Zufall, dass unlängst die grüne Dauersirene Roth der FDP vorwarf, sich ideologisch zu austrianisieren?

Frau Koch-Mehrin tut sich allerdings auch leicht. Sie sieht ja im Vergleich zu anderen Politikerinnen relativ gut aus, ohne hier Namen zu nennen. Da marschiert man gerne mit offenem Haar durch die Weltgeschichte und präsentiert die nackte Babywampe vor halbseriösen Kameras. Wobei Schönheit und Hässlichkeit sehr relative Begriffe sind.

So wie auch Liberalität bei den Liberalen ein sehr dehnbarer Begriff ist. Aber Ästhetik hin, Modeerscheinung her, das Recht auf Ganzkörperbedeckung kann niemandem abgesprochen werden, solange es auch ein Grundrecht auf Ganzkörperbehaarung gibt. Die Verfassung ist da eindeutig: Wer ein Bedeckungsverbot durchsetzen will, muss zunächst erst mal einen staatlichen Epilierfonds aus KfW-Mitteln auflegen. Aus Fairnessgründen sollte es sogar in begründeten Fällen die Pflicht zur Ganzkörperbedeckung geben. Political Correctness hin oder her, es gibt Gesichter, die muss man wirklich nicht sehen. Und zwar aus moralischen Gründen. Solche Phänomene kennt jeder Durchschnittsmensch aus seiner eigenen Verwandtschaft. Konsequenterweise sollte das mit einem Redeverbot kombiniert werden. Zumindest im Inland. Was beispielsweise Frau Koch-Mehrin in Straßburg oder Brüssel von sich gibt, muss ja nicht automatisch hierzulande hörbar sein.

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Der wahre Hüter der Freiheit ist einmal mehr die Union. Für Wolfgang Bosbach, von seiner Partei sinnvoll untergebracht im Innenausschuss und Außenabschuss, gehört das Schleiertragen zur freien Entfaltung der Persönlichkeit. Das ist doch schon mal eine brauchbare Hausnummer. Kritiker mögen ihm vorwerfen, dass ja seine Frau auch nicht im Schleier herumrenne. Das zielt aber ins Leere. Denn würde Frau Bosbach einen Schleier tragen, würde sie keiner erkennen. Diese Argumentation ist also eines mitdenkenden Menschen unwürdig und dürfte daher allenfalls aus FDP-Kreisen stammen.

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Schleierhaft im wahrsten Sinne des Wortes dagegen ist der Standpunkt von Thomas de Maizière. Der Innenminister wagt sich nämlich auf verfassungsrechtlich ganz dünnes Eis und bringt eine quantitative Komponente ins Spiel. Seiner Meinung nach sei ein Burkaverbot in Deutschland kein Thema, weil es eh nur 100 Frauen gebe, die sich dieses taillierte Ein-Mann-Zelt als Dauerbehausung auserwählt hätten.

Wenn etwas nur von wenigen praktiziert wird, ist es quasi in Ordnung. Ab einer gewissen Menge an Praktizierenden aber nicht mehr. Da sollte der Innenminister aber schleunigst mal verlässliche Zahlen und Grenzwerte nennen, sofern von dieser Bundesregierung überhaupt so was in dieser Richtung zu erwarten ist (Stichwort Steuerschätzung). Aber immerhin ist es erfreulich, dass der Innenminister die betreffenden Damen persönlich durchgezählt zu haben scheint. Woher er genau weiß, dass das alles auch tatsächlich Frauen sind, unterliegt wahrscheinlich dem Datenschutz. Es ehrt jedenfalls den Innenminister, wenn er bestrebt ist, in dieser wüsten Debatte Dampf aus dem Kessel, beziehungsweise Kittel zu nehmen.

Und weil nichts so heiß angezogen wird, wie es gestrickt wird, sei hier noch mal betont: Es gibt auch in Belgien kein generelles Burkaverbot. Nur in der Öffentlichkeit ist der Komplettüberwurf nicht gestattet. In den eigenen vier Wänden ist das kein Problem, sofern die Vorhänge zu sind. Und bevor gleich die nächste Verbotsdebatte ausbricht: Nein, ein Vorhang ist keine Immobilienburka.


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