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Und jetzt ... Django Asül Theoooo, mir foarn jetzt weg


Karl-Theodor zu Guttenberg, der größte DJ, den die Wissenschaft je gesehen hat, will ins Ausland. Das ist ein Ausstieg, den wir nicht verkraften werden.
Ein satirisches Bye-bye von Django Asül

Irgendwann musste es so kommen. Theodor zu Guttenberg hat endgültig die Schnauze voll Deutschland. Das Ausmaß an Langmut, das er seiner Heimat entgegenbrachte, war ohnehin schon fast unwirklich und nur durch die adelige Genetik erklärbar. Aber irgendwann schlägt es eben auch einem Adeligen die Krone ins Gesicht, wenn er dem Fass so lange beim Überlaufen zusehen muss. Er hat keine Lust mehr, Theo gegen den Rest der Welt zu spielen. Und darum will zu Guttenberg weg. Nach England oder Amerika. Auf alle Fälle irgendetwas im Süden. In ein Land, in dem kein deutscher Alarmismus jegliches Lebensgefühl erstickt und wo Recht in gewisser Weise noch relativ und damit berechenbar ist.

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In den letzten Wochen kam einfach zu viel zusammen. Dass Deutschland nicht in der Lage ist, einem Privilegierten nicht mal so banale Kleinigkeiten wie einen Doktortitel zu gönnen, hatte er längst schweren Herzens akzeptiert. Doch dass ganze Länder wie Griechenland für Schummeleien sogar mit Milliardenhilfen belohnt werden, passte nicht mehr in sein Raster. Wie weh muss es ihm getan haben, einen Schäuble dieser Tage zu sehen, der alle Schleusen für Pleiteländer öffnen will, aber ihn zwang, bei der Bundeswehr drastisch zu sparen und im Prinzip nur noch eine Rumpfarmee parat zu halten. Jetzt mehren sich schon die Stimmen, dass es eines Marshall-Plans für Griechenland bedürfe. Das Land solle sich nicht kaputtsparen, sondern aufgrund ausländischer Investitionen wieder auf die Beine kommen. Das muss für den Freiherrn wie blanker Hohn klingen. Denn analog dazu hätte man ihm quasi beim Auftauchen der Plagiatsvorwürfe die Gelegenheit geben müssen, erst mal Professor zu werden, bevor er sich für seine Abkupferei rechtfertigen muss.

Das Fehlen vernünftiger Maßstäbe aber lässt jeglichen Willen, sein Freiherren-Leben in Deutschland zu verbringen, erodieren. Dazu kam auch noch der Ehec-Skandal. Wenn niedersächsische Sprossen das Übel sind, die Politik jedoch erst mal spanische Gurken als Ursache benennt, ist Tarnen und Täuschen nicht nur an der Tagesordnung, sondern sogar der kategorische Imperativ für politisches Handeln. Zu Guttenberg ahnt womöglich, dass die Sprossen sich nicht von einer Kommission demütigen lassen müssen wie er. Dabei sind verseuchte Sprossen ja nichts anderes als vegetarische Staatsanleihen. Wenn der Ehec-Virus mutiert, hat das rechtlich keine Folgen. Aber dass das zu Guttenbergsche Wunderwerk so gesehen nichts anderes als eine Mutation von anderen Doktorarbeiten ist, will niemand begreifen. Dieses ungleiche Maß ist auf Dauer mehr als zermürbend. Auf eine Unbedenklichkeitsbescheinigung von seiner Parteikollegin und Verbraucherschutzministerin Aigner wartet er heute noch. Moralische Unterstützung kam für zu Guttenberg allenfalls noch aus Russland. Putin untersagte sofort die Einfuhr von Obst und Gemüse aus der EU. Ein Einreiseverbot für die zu Guttenbergs war aber nie ein Thema.

Die Aufgabe bisher gültiger politischer Parameter ist für Theo einfach nicht mehr hinnehmbar. Es passiert einfach zu viel, was nicht passieren darf. Es ist kein Zufall, dass zu Guttenberg gerade in dieser Woche seinen Ausstieg aus der unzivilisierten Zivilisation bekannt werden ließ. Kroatien darf in die EU, für die Kanzlerin ist wieder mal alles unabdingbar, und zu allem Überfluss ist auf einmal der als verschollen geltende Peer Steinbrück der beliebteste Politiker im Land. Da passt einfach nichts mehr zusammen und erst recht nicht ins Weltbild des oberfränkischen Geldadels. Kann man es zu Guttenberg verdenken, dass er seinen Kindern ein humaneres Umfeld bieten will?

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Wie emotional aufgewühlt der sonst so gut sortierte Ex-Verteidigungsminister ist, beweist zudem die Ahnungslosigkeit seiner Frau. Denn die weiß nichts von all den Plänen ihres Mannes. Scheinbar ist sein Vertrauen nicht nur in staatliche und politische, sondern auch familiäre Institutionen enorm geschwächt. Oder aber ihm ist klar, dass sie sowieso jede Neuigkeit gleich der Bild-Zeitung zuträgt, was auch nicht gerade eine diskretionsfördernde Maßnahme ist.

Das Gerücht, Theo hätte auch mal Pause von seiner Frau machen wollen, hat sich nicht erhärtet. Kaum wäre er abgehauen, hätte ja seine Frau sofort eine Suchaktion via RTL 2 gestartet.

Ob nun Frau zu Guttenberg ihren Gatten begleitet oder nicht: Es schadet dem Ansehen Deutschlands, wenn die besten Köpfe und Plagiatoren das Land verlassen. China beispielsweise wurde zur Wirtschaftsmacht Nummer eins, weil die chinesische Führung nicht nur immer klügere Leute in wichtige Positionen bringt, sondern vor allem weil gute Kopierer echte Volkshelden sind. Der Lauf der Welt spielt also zu Guttenberg voll in die Hände. Der Atomausstieg mag schweren Herzens hinnehmbar sein. Ein Guttenbergausstieg würde Deutschlands Zukunftsfähigkeit pulverisieren. Deutschland braucht zu Guttenberg. Auch oder gerade wenn Steinbrück Kanzler wird. Und Kroatien zum neuen Griechenland.


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