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Ursula Caberta: Die Jägerin der rachsüchtigen Sekte

Morddrohungen, Beschimpfungen, Bespitzelung - mit allen Mitteln versucht Scientology, Ursula Caberta von ihrer Arbeit abzuhalten. Doch die Leiterin der Arbeitsgruppe Scientology der Hamburger Innenbehörde lässt sich nicht einschüchtern.

Von Inga Niermann

Die Leiterin der Arbeitsgruppe Scientology der Hamburger Innenbehörde, Ursula Caberta, gilt als die Gegenspielerin der Scientologen schlechthin. Im Laufe ihrer 15-jährigen Arbeit als Scientology-Beauftragte der Hansestadt wurde sie immer wieder zur Zielscheibe für verbale und juristische Angriffe von Scientology- Mitgliedern.

Dem Druck widersetzt sie sich mit scharfer Kritik und äußerlicher Gelassenheit. Die unzähligen Klagen, die Bespitzelungen durch den Scientology-Geheimdienst und die Aushorchversuche bei Freunden und Nachbarn scheinen an der 57-jährigen Volkswirtin einfach abzuperlen. Die linke Politikerin mit der rauchigen Stimme macht auch keinen Hehl daraus, dass sie Attacken nicht fürchtet, sondern souverän abzuwehren weiß.

Der unerbittliche Kampf einer hartnäckigen Gegenspielerin

Entschlossen verfolgt Caberta ihr Ziel: Sie will ein Verbot der Scientologen in Deutschland erreichen. Schon als Hamburger SPD-Bürgerschaftsabgeordnete befasste sie sich seit Ende der 80er Jahre mit Scientology und arbeitete als Sachverständige in der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages "So genannte Sekten und Psychogruppen". Die Aufklärungsarbeit, die Caberta mit ihrer Arbeitsgruppe leistet, ist mittlerweile bundesweit hoch geschätzt: Vielen Scientology-Aussteigern hat die Stelle bei ihrem Wiedereinstieg in ein normales Leben geholfen.

Für ihre Profilierung musste Caberta aber auch manches einstecken. Einige Morddrohungen hat sie bekommen, Beschimpfungen sind ihr alles andere als fremd. Bei einem Kurzurlaub in Florida vor rund sieben Jahren wurde sie von Scientologen als "Nazi" tituliert, beschattet und mit juristischen Mitteln unter Druck gesetzt. Scientology-Anwälte luden sie zu einem Verhör ins Hauptquartier der Organisation in Clearwater, wo sie sich sieben Stunden befragen lassen musste.

Erfolgreiche Scientology-Klage

Viele der zahlreichen Klagen von Scientology konnte sie abschmettern, aber einmal landete die Vereinigung einen Erfolg: Vor fünf Jahren verhängte ein Hamburger Gericht wegen Vorteilsannahme ein Bußgeld in Höhe von 7500 Euro. Scientology hatte Caberta angezeigt, weil sie von einem US-Geschäftsmann 75.000 Dollar erhalten hatte. Die Scientologen sahen darin Bestechung und Vorteilsnahme, weil Caberta mit dem Mann dienstlich zu tun hatte und ihm gegenüber nicht mehr unbefangen sein konnte. Mit dem Bußgeld wurde das Verfahren eingestellt.

Neben ihrem Job engagierte sich Caberta auch parteipolitisch. Nach jahrlanger Zugehörigkeit zur SPD trat sie 2004 der WASG bei und kandidierte 2005 auf der PDS-Landesliste für den Bundestag. Das Amt der Scientology-Beauftragten hätte sie abgegeben. Delikat an der Sache war aber, dass die Hamburger Landes-PDS wie die Scientologen unter Beobachtung des Verfassungsschutzes stehen. Am Ende schaffte es Caberta nicht über die PDS-Liste in den Bundestag. Anfang dieses Jahres trat sie aus der WASG wieder aus.