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Pause vom G36 und Ukraine-Krise: Von der Leyens Entdeckungsreise durch Asien

Eine Woche Auszeit von der G36-Affäre und Ukraine-Krise: Verteidigungsministerin von der Leyen schaut sich die Welt an. Auf ihrer Reise durch Asien geht es ihr um zwei Dinge: zuhören und lernen.

Eine Bundesverteidigungsministerin ist in erster Linie für die Verteidigung des eigenen Landes zuständig. In zweiter Linie muss sie sich um den Schutz des Nato-Gebietes kümmern. Erst dann ist die Sicherheit im Rest der Welt an der Reihe - vor allem die in der näheren Nato-Umgebung. Was bitteschön macht Ursula von der Leyen dann in Singapur?

Der südostasiatische Stadtstaat in der Nähe des Äquators ist 13 Flugstunden von Deutschland entfernt. Bis zum östlichsten Punkt der Nato in der Türkei sind es immerhin noch 7000 Kilometer. Das Land, das kleiner ist als Berlin, befindet sich also fast am anderen Ende der Welt.

Wichtigste Sicherheitskonferenz Asiens

Die Verteidigungsministerin hat die lange Anreise trotzdem auf sich genommen, um an der wichtigsten Sicherheitskonferenz Asiens teilzunehmen. So hochrangigen Besuch aus Deutschland gab es dort seit neun Jahren nicht mehr.

Am Sonntagmorgen sitzt sie im "Island Ballroom" des Luxushotels Shangri-La neben einem chinesischen Admiral und dem Verteidigungsminister Neuseelands, um über die "Stärkung der regionalen Ordnung im asiatisch-pazifischen Raum" zu sprechen.

Der stellvertretende chinesische Generalstabschef Sun Jianguo ist so etwas wie der "Bösewicht" bei dieser Konferenz. Chinas militärisches Dominanzgebaren im Südchinesischen Meer empfinden viele kleinere Länder in der Region als massive Bedrohung. Es gibt Streit um Riffe und Inseln. Keiner weiß genau, was China vorhat und wie weit es bereit ist zu gehen.

Von der Leyen und der Admiral aus Peking wirken in etwa so, als wenn der russische Präsident Wladimir Putin bei einem Gipfeltreffen der Europäischen Union neben Bundeskanzlerin Angela Merkel Platz nehmen würde. Von den Asiaten wollte offenbar niemand mit dem Chinesen aufs Podium - oder umgekehrt. Deswegen musste von der Leyen ran.

Ursula von der Leyen ist viel herumgekommen

Sie wirbt für eine Sicherheitsarchitektur mit klaren Regeln zur Konfliktbewältigung und nennt Europa als Vorbild. Der Chinese macht allerdings nicht den Eindruck, als ob ihn das tief beeindrucken würde. Der Stärkste in einer Region hat eine Sicherheitsarchitektur eben am wenigsten nötig.

Von der Leyen ist in den ersten 18 Monaten ihrer Amtszeit viel herumgekommen. Sie war bei den Vereinten Nationen in New York und im Pentagon in Washington, sie hat im Irak mit kurdischen Peschmerga-Kämpfern gesprochen und in Afghanistan im Bundeswehr-Feldlager übernachtet.

Aber diese Reise nach Asien ist ihre längste, weiteste und außergewöhnlichste. Sechs Tage, zwei Länder, drei Stationen: Neu, Delhi, Mumbai, Singapur. Ein bisschen Abenteuer ist dabei, viel Diplomatie und wenig Militär. Nur ein ganz kurzer Truppenbesuch steht diesmal auf ihrem Programm.

Die indische Marine will ihr in der Hafenstadt Mumbai unbedingt ihr größtes und modernstes Kriegsschiff zeigen, mit deutschen Sonaranlagen und russischen Raketen ausgerüstet. Viel besser gefällt ihr in Mumbai aber die Residenz des deutschen Generalkonsuls im 19. Stock eines Hochhauses mitten im Zentrum der Stadt mit geschätzt 13 Millionen Einwohnern.

"Das alles gehört der Bundesrepublik Deutschland"

"Und wissen sie was? Das alles gehört der Bundesrepublik Deutschland", sagt sie fasziniert über die Diplomaten-Residenz mit großer Terrasse, von der man weit über Stadt und bis aufs Meer blicken kann. Am Ende des Abends setzt sie sich sogar noch ans Klavier. Die Affäre um das umstrittene Sturmgewehr G36 oder die maroden Bundeswehr-Kasernen sind hier oben ganz weit weg.

Man sagt von der Leyen nach, dass sie am liebsten Außenministerin geworden wäre. Sie ist in Brüssel zur Schule gegangen, hat einige Jahre in den USA gelebt, spricht fast perfekt Englisch. Aber der Posten ging an die SPD, für von der Leyen blieb die Verteidigung.

In Asien kann sie sich jetzt trotzdem mal auf dem diplomatischen Parkett ausprobieren. In Indien und Singapur wird sie von den Premierministern empfangen, am Rande der Sicherheitskonferenz stehen sieben bilaterale Gespräche mit Amtskollegen auf ihrem Programm.

Die Ukraine-Krise interessiert die Asiaten nicht viel mehr, als sich die Europäer um den Konflikt im Südchinesischen Meer kümmern. Es gibt dennoch Themen, die die Sicherheitspolitiker und -experten beider Kontinente gleichermaßen umtreiben: vor allem der islamistische Terrorismus, aber auch Piraterie und der Umgang mit Flüchtlingen.

Das sind Gründe, warum von der Leyen in ihrer Rede eine engere Kooperation zwischen Europa und Asien in der Sicherheitspolitik anmahnt. "Die globalisierte Welt wächst mehr und mehr zusammen, sie ist aber weit davon entfernt, vereinigt zu sein", sagt sie.

cf/DPA / DPA