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Verkehrsanbindung: Grünes Licht für Fehmarnbelt-Brücke

Nach einer 15 Jahre langen Diskussion haben sich Deutschland und Dänemark auf den Bau der Fehmarnbelt-Brücke geeinigt. Die 19 Kilometer lange Brücke zwischen Puttgarden und Rødby soll 5,5 Milliarden Euro kosten und ist nicht nur bei Umweltschützern umstritten.

Berlin und Kopenhagen haben sich auf den Bau einer Brücke über den Fehmarnbelt geeinig. Das sei das Ergebnis eines Treffens von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) und seinem dänischen Amtskollegen Flemming Hansen in Berlin. Die 19 Kilometer lange Brücke zwischen Puttgarden auf der Ostseeinsel Fehmarn und Rødby auf der dänischen Insel Lolland soll 5,5 Milliarden Euro kosten.

"Politische Einigung ist erzielt"

"Wir haben einen Durchbruch in den Verhandlungen. Eine politische Einigung ist erzielt", sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums den "Lübecker Nachrichten" in Berlin. Nach offiziell noch nicht bestätigten Informationen aus Kopenhagen sollen die Bauarbeiten 2011 beginnen und 2018 abgeschlossen sein. Die Kosten für die Brücke solle ausschließlich Dänemark übernehmen, hieß es.

Kopenhagen gilt als wesentlich stärker an dem Projekt interessiert als die deutsche Seite. Die privat finanzierten und durch Staatsgarantien abgesicherten Kosten sollen langfristig durch Mauteinnahmen zurückfließen. Die Brücke verkürzt die Fahrzeit zwischen Hamburg und

Kopenhagen um knapp 60 Minuten auf dreieinhalb Stunden.

Naturschützer wollen Projekt bekämpfen

Der Bau ist ein Schlag für die Reederei Scandlines, die einen Fährdienst zwischen Puttgarden und Rødby betreibt. Scandlines wurde vor kurzer Zeit von Dänemark und der Deutschen Bahn für 1,56 Milliarden Euro an ein privates Konsortium verkauft.

Naturschützer und ein Großteil der Bewohner Fehmarns lehnen eine feste Querung dagegen ab. Sie haben ökologische Bedenken und die Sorge, dass die Insel Urlauber verlieren könnte. Zudem befürchtet die Fährwirtschaft in Schleswig- Holstein und Mecklenburg-Vorpommern Einbußen.

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) bezeichnete das heutige Ministertreffen in Berlin als Luftnummer bezeichnet. Außerdem würde eine politische Willensbekundung der beiden Regierungen noch nicht bedeuten, dass deswegen schon eine Entscheidung gefallen sei. "Wir werden jede Möglichkeit ausnutzen, um das aberwitzige Projekt mit juristischen Mitteln zu verhindern", sagte Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Eingehende Verträglichkeitsprüfung

"Es ist bisher der Eindruck entstanden, Deutschland und Dänemark könnten frei über die Querung entscheiden. Für das internationale Seegewässer außerhalb der geltenden Dreimeilenzone nördlich von Puttgarden und südlich von Rödby ist jedoch die internationale Seeschifffahrtsorganisation IMO für eine Genehmigung zuständig", betonte Miller. Ob die jedoch aufgrund des hohen Kollisionsrisikos für Tanker und den damit verbundenen ökologischen Risiken für die Ostsee überhaupt zustimmen werde, sei höchst fraglich. Auch in diesem Fall wird es eine eingehende Verträglichkeitsprüfung geben.

Über die Meerenge zwischen der schleswig- holsteinischen Ostsee-Insel Fehmarn und der dänischen Insel Lolland führt mit rund 20 Kilometern der kürzeste Weg zwischen Skandinavien und dem kontinentalen Westeuropa. Der Fehmarnbelt unterbricht die direkte Landverbindung zwischen dem Großraum Kopenhagen/Südschweden im Norden sowie der Region Hamburg/Lübeck im Süden. Hier sind im Halbstunden-Rhythmus auf der so genannten Vogelfluglinie Fähren im Einsatz, die für eine Überfahrt jeweils 45 Minuten benötigen. Eine doppelstöckige Auto- und Eisenbahnbrücke würde gut fünf Milliarden Euro kosten, bei mindestens siebenjähriger Bauzeit und privater Finanzierung.

DPA / DPA