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Von der Leyens Bundeswehrpläne Image-Politur in eigener Sache


Mehr Teilzeit, schönere Stuben, Kitas in der Kaserne: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen will das Image der Bundeswehr aufbessern. Und damit vor allem ihr eigenes.
Ein Kommentar von Axel Vornbäumen

Manchmal kommt das Lob wie eine Giftpraline. Ursula von der Leyen, säuselte dieser Tage Harald Kujat, der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr, sei "wie eine gute Hausfrau, die ihre Kinder versorgt". Das klingt beim flüchtigen Hinhören zuckersüß. Die wahre Botschaft ist eine andere: Die Verteidigungsministerin, so Kujats Verdikt, habe offensichtlich keine Ahnung vom Militär.

Das ist starker Tobak. Denn Kujats Wort gilt was in Fachkreisen. Wann immer es um strategische Ausrichtungen der Bundeswehr, anstehende Reformen oder internationale Herausforderungen geht, wird seine Expertise gern genommen. Ursula von der Leyen kann also ganz und gar nicht gefallen, dass der Ex-General nun eine Front aufmacht, an der sie bislang eigentlich als unantastbar galt: Für Deutschlands PR-begabteste Ministerin hat der Kampf um das eigene Image begonnen.

Reformerin oder nicht?

Weil es gerade gut passt, hier einmal ein Begriff aus dem Wörterbuch der Militärs: Jetzt kommt es für die Ministerin auf Durchhaltefähigkeit an. Gelingt es ihr, die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass mit ihrem Programm die Attraktivität der Bundeswehr als Arbeitgeber erhöht wird ("Die Freiwilligenarmee Bundeswehr soll jedem Vergleich mit der Wirtschaft standhalten"), wird ihr Ruf als durchsetzungsstarke Reformerin ein weiteres Mal bestätigt. Gelingt ihr das nicht, läuft sie Gefahr, das Image einer Familienministerin verpasst zu bekommen, die es irrtümlicherweise ins falsche Ressort verschlagen hat.

Das kann passieren. In Berlin hängt von der Leyen der Ruf an, dass sie zwar viel macht, niemals aber etwas, wobei sie nicht auch selber glänzen kann. Das weckt bei Kritikern den Verdacht, dass bisweilen die Prioritäten weniger in der Sache als vielmehr in der eigenen Karriereplanung liegen.

Bislang ist sie erst ein gutes halbes Jahr im Amt. Und doch: Es fällt auf, wie wenig sie sich bei aller Umtriebigkeit den drängenden Probleme der Bundeswehr zugewandt hat. Stimmen ihre Prioritäten? Der Frage nach der Beschaffung von Drohnen etwa weicht sie fast demonstrativ aus. Es ist eines der drängendsten Probleme, die ihr ihr Vorgänger Thomas de Maiziere hinterlassen hat. Warum? Weil die Anschaffung von Drohnen in der Bevölkerung umstritten ist?

Die Tür für "Buche dekor"

Ursula von der Leyen wird vermeintlich unpopuläre Entscheidungen alsbald treffen müssen, wenn es ihr tatsächlich ernst sein sollte mit einer Ausrichtung der Bundeswehr, die durch intensiveres Engagement im Ausland eine stärkere Rolle Deutschlands in der Welt dokumentieren soll. Die Ministerin selbst hat das eingefordert. Ihr müsste klar sein, dass die Sicherheit der Soldaten bei solchen Einsätzen oberste Priorität hat. Sieht sie das nicht (ein), dann stimmt etwas nicht mit den Grundkoordinaten ihrer Politik. Es wäre in etwa so, als wenn die bestellten neuen Möbel in "Buche dekor", die die Stuben der Soldaten verschönern sollen, nicht durch die Tür passen würden.


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