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Wahlen in Hamburg: Die Spitzenkandidaten

Nach über zwei Jahren als Hamburger Bürgermeister ist Ole von Beust einer der beliebtesten deutschen Regierungschefs. Sein Kontrahent von der SPD, Thomas Mirow, gilt allgemein als blasser Technokrat.

Lange haftete Ole von Beust das Image des braun gebrannten Sonnyboys an. Nach zwei Jahren als Hamburger Bürgermeister ist er einer der beliebtesten deutschen Regierungschefs. Trotz seiner turbulenten Zusammenarbeit mit dem als Populist kritisierten Ronald Schill hat er bei Umfragen hohe Sympathiewerte. Auch die Kritik der Opposition, der 48-Jährige habe sich als "Champagnerbürgermeister" nur um die schönen Dinge des Regierens gekümmert, tun dem keinen Abbruch.

Seit seinem 16. Lebensjahr arbeitete Beust in der CDU für den politischen Wechsel in Hamburg. Vor gut zwei Jahren wurde der Rechtsanwalt mit Hilfe der Schill-Partei erster Hamburger CDU-Bürgermeister nach mehr als 40 Jahren SPD-Vorherrschaft.

Er ging mit seiner Homosexualität stets locker um

Der begeisterte Computerspieler und Sylt-Fan legt viel Wert auf seine Privatsphäre. Dennoch ging er mit seiner Homosexualität, die beim Schill-Skandal im vergangenen Sommer publik wurde, stets locker um. Ohne seine sexuelle Neigung an die große Glocke zu hängen, machte er nie einen Hehl daraus. Der Neuwahl blickt der eingefleischte Hamburger gelassen entgegen: "Mein Glück hängt doch nicht davon ab, dass ich ein politisches Amt habe."

Der Hamburger SPD-Spitzenkandidat Thomas Mirow steht vor einem schweren Kampf. Bisher konnte der 51-Jährige immer aus dem Hintergrund agieren, doch nun muss er ins Rampenlicht treten, um sich mit Ole von Beust zu messen - keine leichte Aufgabe für den als nüchtern und bisweilen dröge geltenden Sozialdemokraten.

In Paris geborener Diplomatensohn

Der in Paris geborene Diplomatensohn hatte sich seine ersten Sporen im Umfeld von Willy Brandt verdient, ehe er sich von 1991 an unter Henning Voscherau in Hamburg hochdiente. Dabei machte er sich dadurch einen Namen, dass er bei der Befriedung der jahrelang heiß umkämpften Hafenstraßen-Häuser mitwirkte.

Seine Position an der Spitze der Hamburger Sozialdemokraten gilt erst seit kurzem als sicher. Denn der Unternehmensberater, der sich stets aus den internen Grabenkämpfen herausgehalten hatte, erhielt erst vor knapp zwei Jahren eine Parteibasis nach seiner "Adoption" durch den SPD-Kreis Wandsbek. Christa Goetsch - Grüne ohne Scheu vor Konfrontation

Eine Lehrerin für die Grünen

Die Spitzenkandidatin der Grünen zur Bürgerschaftswahl, Christa Goetsch, ist seit zwei Jahren Fraktionschefin der Grün-Alternativen Liste (GAL) im Rathaus. Die Lehrerin trat damals die Nachfolge von Krista Sager an, die als Fraktionsvorsitzende der Bundes-Grünen nach Berlin wechselte. Parteifreunde loben die Politik der 51-Jährigen als "lebensnah".

Die gebürtige Bonnerin ist seit 1997 Mitglied der Bürgerschaft und gilt als ausgewiesene Bildungsexpertin. Ihre jüngste Idee: Eine umfassende Schulreform mit dem Ziel einer neunjährigen Ganztagsschule für alle unter dem Motto: "Neun macht klug".

Eine Pragmatikerin mit Weitblick

Die temperamentvolle Politikerin mit den schwarzen Locken gilt als Pragmatikerin mit Weitblick und ist gern auf Tour. Mit den Menschen in Stadtteilen, in Schulen oder auf Wochenmärkten zu sprechen ist ihr besonderes Anliegen. Ihr Wahlziel: "Mehr Einfluss für Grüne Politik in Hamburg" mit Priorität für Rot-Grün.

Die FDP will mit ihrem erst seit November amtierenden Schulsenator Reinhard Soltau punkten. Der 62 Jahre alte Oberstudienrat und bisherige FDP-Landeschef hatte erst kurz vor dem Bruch der Koalition den Konteradmiral Rudolf Lange abgelöst. Der Mathematik- und Erdkundelehrer soll nun in kürzester Zeit das durch die Politik Langes miserable Bild von liberaler Schulpolitik verbessern.

Ein Mann der leisen Töne

Soltau gilt als Mann der leisen Töne. Politik "als Hobby" betreibt der gebürtige Niedersachse seit Jahrzehnten. 1967 trat der Sozialliberale der FDP bei. Von 1987 bis 1993 saß er in der Hamburger Bürgerschaft, seit 1991 als Vorsitzender der FDP-Fraktion. Den Wiedereinzug der FDP in die Bürgerschaft will der bedächtige Soltau "als Duo" mit dem quirligen, medienbewussten Fraktionschef Burkhardt Müller-Sönksen (45) schaffen. Ronald Schill - Vom Parteigründer zum politischen Irrläufer

Ronald Schill hat sich in seiner politischen Karriere vom Parteigründer zum politischen Irrläufer entwickelt. Nach einem Prozess wegen Rechtsbeugung im Amt gründete der Amtsrichter im Juni 2000 seine Partei Rechtsstaatlicher Offensive.

Schill ist auch dabei

Der als "Richter Gnadenlos" bekannt gewordene Jurist wurde im Herbst 2001 Innensenator und Zweiter Bürgermeisters der Hansestadt. Sein Weg ins Abseits beschleunigte sich, nachdem Bürgermeister Ole von Beust (CDU) dem Koalitionspartner im August 2003 den Stuhl vor die Tür setzte. Schill hatte Beust mit Enthüllungen aus dessen Privatleben gedroht.

Als der Rauswurf aus Bürgerschaftsfraktion und Partei folgten, verbündete sich der 45-Jährige mit dem Millionär Bolko Hoffmann. Vereinigt mit dessen Partei steht die inzwischen gebildete "Ronald- Schill-Fraktion" als Pro Deutsche Mitte/Schill auf dem Wahlzettel. Schill-Nachfolger Nockemann - Verwaltungsbeamter und Analytiker

Ein erfahrener Verwaltungsbeamter

Nach Ablösung von Ronald Schill als Innensenator hat Dirk Nockemann seinen einstigen Mentor als Spitzenkandidat der Partei Rechtsstaatlicher Offensive beerbt. Der 45-Jährige gilt als erfahrener Verwaltungsbeamter und nüchterner Analytiker.

Seine Beamtenlaufbahn begann Nockemann im Innenministerium von Mecklenburg-Vorpommern. Von 1993 an leitete er das Landesamt für Asyl-und Flüchtlingsangelegenheiten. Nach Schills Wahlerfolg wurde er Leiter der Präsidialabteilung in der Hamburger Innenbehörde.

Nach seinem Rausschmiss aus dem Senat warf Schill Nockemann vor, ihm in den Rücken gefallen zu sein und ein Komplott mit Bürgermeister Ole von Beust (CDU) geschmiedet zu haben. Gemeinsam mit Bundeschef Mario Mettbach und Bürgerschafts-Fraktionschef Norbert Frühauf will Nockemann seine Partei als "seriöse konservative" Kraft etablieren.

DPA