HOME

Wahlkampf: NPD stellt Lafontaine ins Abseits

Fast hätte es ein Super-TV-Duell gegeben. Ginge es nach der Linkspartei, wäre es am kommenden Montag in der ARD zum Showdown zwischen Kanzler Schröder und seinem Erzfeind Oskar Lafontaine gekommen. Doch ausgerechnet die NPD verhindert das nun.

Von Jan Rosenkranz

Das hatte sich die Linkspartei so schön gedacht: Wenn der Kanzler nun doch zur Talkrunde "Wahl 05: Die Favoriten" am Montagabend in der ARD antritt, wenn also nun doch ein zweites TV-Duell zwischen Schröder und Merkel stattfindet (im Beisein von Joschka Fischer und Guido Westerwelle ), dann, ja, dann könnte man eigentlich statt Gregor Gysi auch Oskar Lafontaine in die Arena schicken. Zum Showdown zwischen Gerd und Oskar. Zum Super-TV-Duell.

Doch daraus wird nun leider nichts. "Gregor Gysi hat den Vorschlag gemacht, aber leider hat die zuständige Redaktion, in dem Fall beim MDR, das Angebot abgelehnt", sagt Linksparteisprecher Hendrik Thalheim gegenüber stern.de. Warum der MDR so entschieden hat, kann er sich nicht erklären. "Möglicherweise handelt es sich ja um eine Art vorauseilenden Gehorsam", so Thalheim. Bisher hat es der Kanzler vorgezogen, eine Konfrontation mit dem abtrünnigen Ex-SPD-Chef zu vermeiden. Rettet der MDR also Schröder vor Lafontaine? Oder hat das Willy-Brandt-Haus gar mit dem Kanzlerrücktritt gedroht?

Lafontaine bleibt draußen - Gysi darf rein

"Alles Quatsch", sagt Eric Marcuse, Sprecher des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), weder der Kanzler noch die SPD hätten versucht, Einfluss zu nehmen. "Eine Teilnahme Lafontaines geht aus rein formalen Gründen nicht", sagt Marcuse. Man könnte auch sagen, wegen der NPD. Weil man die Rechtsextremen nicht im Studio haben wolle, habe man sich auf die Argumentationslinie zurückgezogen, nur Vertreter jener Parteien in die Sendung einzuladen, die derzeit im Bundestag vertreten sind, so der MDR-Sprecher.

Zu dumm, dass Oskar Lafontaine zwar als Spitzenkandidat für die Linkspartei wirbt, aber bislang nur Mitglied der "Wahlalternative Arbeit & Soziale Gerechtigkeit" (WASG) ist. Und die sitzt nun mal nicht im Bundestag. Kurzum: WASG-Mitglied Lafontaine bleibt draußen, Linkspartei-, nämlich PDS-Mitglied Gregor Gysi darf rein. "Zu diesem Vorgehen haben uns unsere Juristen geraten", so Marcuse, "wir sind da absolut vorsichtig."

NPD zieht Klage zurück

Diese Vorsicht hat einen aktuellen Grund. Erst am Montag hatten sich der MDR und die NPD in letzter Sekunde im Streit um die Besetzung der Talkshow "Der Ostgipfel" per Vergleich einigen können. Die Rechtsextremen hatten auf das Recht der Gleichbehandlung gepocht und versucht, sich per einstweiliger Anordnung Zutritt zu verschaffen. Erst kurz vor Beginn der Sendung zog die NPD ihre Klage zurück, der MDR erklärte sich im Gegenzug bereit, am Dienstagabend in der Spätausgabe von "MDR-Aktuell" einen Beitrag über die NPD und danach ein zuvor aufgezeichnetes Interview mit einem NPD-Vertreter zu senden.