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Warnung der Atomenergiebranche Bei AKW-Abrissen sind jahrelange Verzögerungen möglich


Der Rückbau von deutschen Atomkraftwerken könnte sich um Jahre verzögern. Grund dafür sollen laut dem Lobbyverband Deutsches Atomforum Behinderungen bei der Fertigstellung des Atommüllendlagers Schacht Konrad sein.

Die Atomenenergiebranche warnt wegen Verzögerungen bei der Fertigstellung des Atommüllendlagers Schacht Konrad vor Behinderungen beim Abriss stillgelegter Kernkraftwerke. "Eigentlich sollte Konrad 2015 schon bereit sein. Jetzt rechnen wir damit nicht vor 2019", sagte Ralf Güldner, der Präsident des Lobbyverbands Deutsches Atomforum, der "Süddeutschen Zeitung" vom Montag.

"Das kann den Rückbau um Jahre verzögern und zurückwerfen", betonte Güldner. Das für den Schacht Konrad zuständige Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) wies dessen Aussage als "nicht nachvollziehbar" zurück. Es sei kein Zusammenhang zwischen einer Verspätung bei der Endlagererrichtung und Verzögerungen beim Akw-Rückbau erkennbar, teilte die Bundesbehörde der "Süddeutschen Zeitung" mit.

In dem ehemaligen Erzmine Schacht Konrad bei Salzgitter in Niedersachsen entsteht ein Endlager für schwach- und mittelradioaktiven Abfall. Es ist das bislang einzige nach Atomrecht genehmigte Atommüllendlager in Deutschland. Es ist dafür ausgelegt, bis zu 303.000 Kubikmeter radioaktiven Abfall aufzunehmen.

Betreiber prüfen "sicheren Einschluss"

Ursprünglich sollte das Lager 2014 in Betrieb gehen, nach derzeitigem Stand ist ein Beginn der Einlagerung aber wahrscheinlich nicht vor 2019 zu erwarten. Schacht Konrad wäre unter anderem ein Ziel für den weniger stark strahlenden Beton- und Metallschutt, der beim Abriss eines Atomkraftwerks übrig bliebe. In Deutschland werden wegen des 2011 beschlossenen Atomausstiegs demnächst mehrere stillgelegte Atomkraftwerke beseitigt werden müssen. Der Abriss eines Reaktors dauert laut Experten allerdings ohnehin viele Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte.

Güldner zufolge könnte der Abriss der ersten während der Energiewende 2011 stillgelegten deutschen Atomkraftwerke bis 2025 abgeschlossen sein. Wegen der Verzögerungen am Schacht Konrad könne dies aber auch deutlich länger dauern, sagte der Chef der Atomenergiesparte des Energieriesen Eon der "Süddeutschen Zeitung".

Dem Bericht zufolge prüfen Akw-Betreiber auch die Option eines "sicheren Einschlusses" von abgeschalteten Reaktoren. Dabei werden stillgelegte Meiler für mehrere Jahrzehnte versiegelt, um einen Teil der Radioaktivität abklingen zu lassen. Erst dann begänne der Abriss. Die Standorte ehemaliger Kraftwerke müssten dabei allerdings noch für 40 bis 45 Jahre mit den "Atomruinen" leben.

kave/AFP AFP

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