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30 Jahre Wiedervereinigung Fünf Landkarten zeigen, wie sich Deutschland seit der Wende verändert hat

Deutschland Wiedervereinigung Karten
Deutschland 1990: Touristen stehen auf der Mauer in Berlin. Die Karte zeigt die Unterschiede bei nichtehelichen Geburten in beiden Landesteilen seinerzeit. 
© imageBROKER / BiB / Picture Alliance
Vor 30 Jahren wurde die Deutsche Einheit gefeiert. Diese Vorher-Nachher-Slider zeigen, was sich demografisch seither verändert hat

Der Anschluss der DDR an die Bundesrepublik Deutschland bedeutete das Ende eines Staates und die sprunghafte Vergrößerung eines anderen. Mehr als 15 Millionen Menschen wurden zu Bundesbürgern und lebten fortan in einem völlig neuen System: der sozialen Marktwirtschaft. Der Sozialismus der DDR war Geschichte. Mit Blick auf demografische Kennzahlen herrschten zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung in Ost und West mitunter große Unterschiede vor.

Das Bundesamt für Bevölkerungsforschung (BiB) wirft in der Publikation "30 Jahre Deutsche Einheit & Vielfalt" einen genauen Blick darauf, was sich in der Bevölkerung seither getan hat. Aus dieser Publikation stammen die unten angeführten Daten und Informationen.

Untenstehend finden Sie einige ausgewählte Beispiele in interaktiven Grafiken. Sie können den Balken nach links und rechts verschieben, um die Unterschiede zu sehen. Links ist der Stand 1990 zu sehen, rechts der des Jahres 2018. Per Klick auf die Felder "Legende" und "Daten" erhalten Sie weitere Informationen.   

1) Bevölkerung unter 20 Jahren

1990 war, unter anderem durch die höheren Geburtenraten in der DDR, im Osten ein hoher Anteil von Menschen unter 20 Jahren zu verzeichnen. Mit der Wiedervereinigung wanderten viele junge Erwachsene und damit auch potenzielle Eltern laut BiB aus Ostdeutschland ab – gleichzeitig erlebte die Geburtenrate in den neuen Bundesländern einen kräftigen Einbruch, heißt es. Noch immer spiegeln sich demnach die Folgen dieser Entwicklungen in relativ niedrigen Anteilen junger Personen in Teilen der neuen Bundesländer wieder. Allerdings sei allgemein zwischen 1990 und 2018 deutschlandweit ein flächendeckender Rückgang des Anteils der Bevölkerung unter 20 Jahren festzustellen.

Hinweis: Sollten die Grafiken in diesem Artikel nicht oder nicht korrekt dargestellt werden, klicken Sie bitte hier. 

2) Lebenserwartung

Vor 1990 war Ostdeutschland mit Blick auf die Lebenserwartung stark hinter Westdeutschland zurückgefallen, was laut BiB unter anderem an dem ressourcenintensiveren Ausbau der Behandlung von Herz-Kreislauferkrankungen lag. Nach der Wende konnten die neuen Bundesländer demnach die Rückstände weitesgehend aufholen. Heute ist beim Blick auf die Lebenserwartung eher ein Nord-Süd-Gefälle zu beobachten.

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3) Verteilung der Geschlechter

Die Grafik bildet die Altersgruppe der 15- bis 49-Jährigen ab, weil diese laut BiB für Familiengründungen besonders relevant ist. Sowohl 1990 als auch 2018 verzeichneten größere Städte und deren Umland tendenziell eher ausgeglichene Geschlechtsproportionen als ländliche Kreise. Klare Ost-West-Unterschiede seien 1990 nicht erkennbar. Dies habe sich in den folgenden Jahrzehnten erheblich verändert, da insbesondere in den 1990er Jahren überproportional mehr Frauen als Männer aus Ostdeutschland abwanderten. Weil es bei der Abwanderung aus Ostdeutschland zuletzt eine Trendwende gab, könne angenommen werden, dass die Anteile künftig wieder ausgeglichener sein werden, heißt es.

4) Nichteheliche Geburten

Der Anteil von Kindern, die von unverheirateten Müttern geboren wurden, war 1990 im Osten erheblich größer als im Westen. Zuvor war die sogenannte Nichtehelichenquote bereits in ganz Deutschland seit den 1960ern erheblich gestiegen, heißt es. Hierzu hätten verschiedene Tendenzen wie eine zunehmende Säkularisierung und die rechtliche Gleichstellung nichtehelich und ehelich geborener Kinder beigetragen. "Außerdem scheint eine Rolle zu spielen, dass durch eine stärkere ökonomische Unabhängigkeit von Frauen die traditionelle Rollenverteilung bei Paaren an Bedeutung verliert", schreibt das BiB. 

Während die Nichtehelichenquote schon zu DDR-Zeiten stark anstieg, gingen die Zahlen nach 1990 in beiden Landesteilen noch einmal nach oben. Trotz der deutlichen Zunahme im Westen ist weiterhin ein starkes Ost-West-Gefälle zu erkennen. 

5) Ausländeranteil an der Bevölkerung

Das Migrationsgeschehen unterschied sich in der ehemaligen DDR erheblich von dem der Bundesrepublik. Im Osten lebte eine vergleichsweise geringe Zahl an sogenannten "Vertragsarbeitern" mit befristetem Aufenthalt, vor allem aus Vietnam, Mosambik und Kuba. Die Bundesrepublik hatte hingegen Anwerbeabkommen mit mehreren Staaten geschlossen, der Familienzuzug der sogenannten Gastarbeiter brachte weiteren Zuwachs. 

In den Jahren nach der Wiedervereinigung haben sich die Anteile in den neuen Bundesländern zunächst kaum erhöht, schreibt das BiB. Erst in den Jahren nach 2010 erhöhte sich in allen Bundesländern der Anteil der ausländischen Bevölkerung, vor allem durch EU-Bürger und Schutzsuchende aus Konfliktgebieten. Hierdurch seien die Ost-West-Unterschiede weitgehend erhalten geblieben. 

Quelle:30 Jahre Deutsche Einheit und Vielfalt (Bundesamt für Bevölkerungsforschung)

Im Video: Die Ausstellung "30 Jahre 30 Paare" zeigt, wie Liebesbeziehungen bei der Wiedervereinigung geholfen haben.

rös

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