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Checkpoint Charlie: Wo Weltgeschichte geschrieben wurde

Der alliierte Kontrollposten an der Friedrichstraße war während der Teilung der bekannteste Grenzübergang zwischen Ost und West. Nur Ausländer, Diplomaten und Militärpersonal durften den Checkpoint Charlie passieren, der 1990 abgebaut wurde.

Die Flucht aus der DDR gelang in einer Lautsprecherbox. Ein Musiker schmuggelte 1977 seine Freundin, die zusammengekauert in der schwarzen Kiste hockte, unbeschadet in den Westen. Der Lautsprecher gehört zu den geschichtsträchtigen Schau-Stücken, die im Mauermuseum am Checkpoint Charlie in Berlins Mitte zu sehen sind. Der alliierte Kontrollposten an der Friedrichstraße war während der Teilung der bekannteste Grenzübergang zwischen Ost und West. Heute erinnern daran schon auf der Straße eine nachgebaute Kontrollbaracke der US-Army sowie ein Sektorenschild.

Geschichte der deutschen Teilung pur

Die Ausstellung in dem Haus am Checkpoint Charlie gleich daneben zeigt die Geschichte der deutschen Teilung pur. Zusammengetragen hat sie Museumsgründer Rainer Hildebrandt. Die Nähmaschine, auf der eine riesige Hülle eines Heißluftballon für eine DDR-Flucht zusammengenäht wurde, ist ebenso zu sehen wie ein ausgestopfter Dachs, den Stasi- Chef Erich Mielke schoss. Besucher stehen auch vor Teilen der 1989 gefallenen Mauer, Blechschildern der Grenze, Fotos, Fluchtautos.

"In der Schule hab ich zwar einiges über die Mauer gehört. Aber dass ich hier viel im Original sehen kann, ist das Beste", sagt der junge Tourist Brean aus Dänemark. Gerade für ausländische Touristen ist eine Visite fast obligatorisch. Mehr als 600 000 Besucher kommen pro Jahr. Ein Grund dürfte sein, dass Spuren der Teilung rar geworden sind.

"Insel der Freiheit"

Vor genau 40 Jahren hatte der heute 88-jährige Museumsgründer Hildebrandt das Haus am Checkpoint Charlie als eine "Insel der Freiheit" im letzten Gebäude auf Westseite vor der Grenze eröffnet. Fortan dokumentierte er dramatische Fluchtversuche und politische Auftritte wie den Besuch des amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy im Jahr 1963.

Nur Ausländer, Diplomaten und alliiertes Militärpersonal durften den Checkpoint passieren, der 1990 abgebaut wurde. Ins Licht der Weltöffentlichkeit gerückt war die Passierstelle schon zwei Monate nach dem Mauerbau. Amerikanische Panzer fuhren am 25. Oktober 1961 bis an die Demarkationslinie, die den amerikanischen Sektor in Kreuzberg vom sowjetischen in Ost-Berlin Mitte trennte.

"Die Welt hat gezittert"

Mit laufendem Motor blieben die Panzer stehen. Die Amerikaner wollten das Recht der Alliierten auf Bewegungsfreiheit in ganz Berlin durchsetzten. Im Gegenzug ließen auch die Sowjets ihre Panzer auffahren, lenkten drei Tage später aber ein und zogen ab. "Hier wurde Weltgeschichte geschrieben, die Welt hat gezittert, ob sie vor einem neuen Krieg steht", sagt Alexandra Hildebrandt vom Vorstand der Arbeitsgemeinschaft. Als dritter Kontrollpunkt nach Helmstedt (Alpha) und Dreilinden (Bravo) hatte der Berliner Posten die Bezeichnung Charlie erhalten.

Alexandra Hildebrandt, die Frau des Museumsgründers, befürchtet jetzt eine Trivialisierung des historischen Ortes. Gleich neben dem Museum werden auf dem brachliegenden Gelände eines US-Investors Würstchen gebraten, Krimskram verkauft oder Drehorgeln geleiert. Vor dem Verwaltungsgericht scheiterte der Verein mit seiner Klage gegen die vorübergehende Budenstadt, er will aber in die Berufung gehen.

Suche nach Sponsoren

Nun versucht die Arbeitsgemeinschaft, das öde Nachbargrundstück, das der Senat schon vor Jahren verkaufte, mit Sponsoren zu erwerben. Dort soll ein "Checkpoint Charlie-Platz" mit Wachtürmen, Mauerteilen und Hundelaufanlage an die Teilung erinnern. Der Checkpoint dürfe nicht aus den Köpfen verschwinden, sagt Hildebrandt.

Jutta Schütz / DPA