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FELDPOST: Handschrift des Krieges

Sie sind Lebenszeichen und Abschiedsbrief zugleich. In jedem Fall besitzen sie einen hohen Grad an Authentizität: Während des Krieges sind bis zu 40 Milliarden Feldbriefe zwischen Heimat und Front versendet worden.

Die folgenden Briefe stammen von Paul M.-W., geboren im März 1922. Er wurde im Oktober 1941 von der Wehrmacht eingezogen. Seit dem 5. Januar 1943 bleibt Paul in Stalingrad vermisst. Er war dort als Gefreiter eingesetzt. Die Briefe richten sich an die Eltern und Geschwister.

Ein schönes Fest im Kreise der Lieben (also ohne mich) wünscht Dir

Dein »großer« Bruder Paul

30.11.42

Lieber Bruder!

Zu Deinem letzten Weihnachtsfeste vor Deiner militärischen Karriere wünsche ich Dir alles Gute und viel Freude. Im nächsten Jahr feierst Du sicher das Fest außerhalb der Familie, genieße darum noch einmal das Schöne und ewig Wunderbare eines Weihnachten im Kreise der Familie. Mir liegt jede Sentimentalität fern, obwohl man mir das gerne nachsagt, aber das kann keiner leugnen: Erinnere Dich doch noch all der schönen Heimlichkeiten, Vorfreuden und Überraschungen der Heiligabende der letzten Jahre! Wie wunderschön und feierlich hatten es die Eltern immer gemacht, es hatte bestimmt keiner so gut wie wir!

Das vergangene Jahr war für Dich, das musst Du zugeben, kein arbeitsreiches gewesen, vor allem hast Du Dich in der Schule nicht übermäßig anzustrengen brauchen. Du hast Ferien gehabt und Reisen gemacht, hast zwar im Büro geholfen, aber Du warst doch im Großen und Ganzen Dein freier Herr, die meiste Zeit ohne Geschwister, die ja bekanntlich zu allem Knüppel zwischen die Beine werfen. Das Leben führt leicht zu Ausschreitungen, die den Eltern Sorgen machen.

Welch anderes Leben steht Dir nun bevor. So wie Du hatte ich vor meiner Dienstzeit noch bestimmte Ideale und dank jener fällt einem sehr vieles leichter. Aber Du wirst ganz bestimmt mit Sehnsucht an jene Zeit zurückdenken, wo Du noch differenzieren oder Vokabeln lernen durftest, wenn Du schweiß- und schlammbedeckt mit müden Knochen keuchend und mit heraushängender Zunge am Boden liegst.

Nimm zu Deiner kommenden Soldatenzeit eins mit: Humor und viel Geduld! Nochmals fröhliche Weihnachten wünschend und eine fröhliche Komisszeit, verbleibe ich der, mit dem Du fast immer im Streit warst, und mit dem Du Dich oft verkloppt hast,

Dein Bruder Paul

Russland, 19.12.42

Ihr Lieben!

Recht böse werdet Ihr wegen meines spärlichen Schreibens, gerade um die Weihnachtszeit müsst Ihr so wenig Post bekommen. Aber bewerft mich nicht gleich mit Schimpfwörtern übelster Sorte, es war nicht meine Schuld.

Mir geht es, Gott sei Dank, noch ganz prima, was man hier prima nennen kann. Iwan lässt uns jetzt so ziemlich in Ruhe, aber über die jetzige Zeit werde ich später viel zu erzählen haben.

In ein paar Tagen ist Weihnachten und ich muss immer daran denken, dass wir dieses Mal eigentlich zusammen feiern sollten. Aber....Wir sind feste dran, unseren Bunker feierlich auszustalten und man kann mit primitiven Mitteln ganz nette Wirkungen erzielen, Nur ein Weihnachtsbaum macht mir noch viel Kopfzerbrechen. Sicher müssen wir mit unserem stilisierten Adventskranz vorliebnehmen.

Hier ist es nach kurzer Tauperiode wieder arg kalt geworden und es liegt tiefer Schnee. Die Kältegrade sind noch nicht so schlimm, aber das dicke Ende kommt in ein paar Wochen.

Anbei ein paar Luftfeldpostmarken und eine Päckchenmarke. Zum letzten ein kleiner Wunsch, aber bitte nicht lachen! Ginge es, per Post etwas Mostrich und ein paar Gewürze zu schicken? Wir brotzeln oft und viel selbst und Senf habe ich seit Deutschland nicht mehr gesehen!

Zum Fest hat unsere Kompanie eine kleine Zeitung in Angriff genommen, dazu hat man mich natürlich wieder engagiert. Unser Trupp hat sich das erste Mal selbst Brot gebacken und es ist besser geworden als das Komissbrot. Ich mach Euch das später mal vor! Kennt Ihr übrigens Raderkuchen, kennt Ihr Klietenmus? Die Finger werdet Ihr Euch danach lecken, wenn Ihr hier mal mitessen würdet!

Alles Gute und viele Grüße sende ich Euch und bin Euer

Paul

(Anmerkung: Langsam hörte die regelmäßige Verpflegung auf und die Soldaten mussten sich auf eigene Faust ernähren.)

Heiligabend, 1942 in Russland

Meine lieben Eltern, liebe Geschwister!

Noch ganz im Zauber dieses meines ersten Front– Weihnachtsfestes haben wir als Abschluss unsere kleinen, aber doch so ergreifenden Feier uns hingesetzt für ein paar Minuten, um Euch daheim ein paar Zeilen zu schreiben.

Zu dritt haben wir gefeiert, wenn wir auch keine Tanne hatten, so aber ein schönes besinnliches und doch fröhliches Weihnachten gefeiert. Unsere Teller waren voll, voller als unser Magen jetzt, der mit vielen Süßigkeiten, Keksen, Knäckebrot, vermengt mit einem steifen Grog nebst Bohnenkaffee überfüllt ist.

Ein paar nette Überraschungen erlebten wir, über die ich im nächsten Brief berichten werde. Ein Erlebnis besonderer Art war auch die Weihnachts– Ringsendung, die Ihr sicher auch gehört habt. Ein Soldat, nicht weit von uns, sprach darin und ich bin gewiss, dass in diesem Augenblick unsere Gedanken nahe beieinander waren.

Ich hoffe, dass Ihr das Fest alle beieinander in alter Fröhlichkeit und guter Gesundheit verbracht habt. Hoffnungsfroh wie immer habt Ihr inzwischen das Neue Jahr angetreten, das möglichst früh den Wunsch des Wiedersehens erfüllen soll.

Aus bestimmten Gründen war ich in diesen Tagen ohne die ersehnte Weihnachtspost, kleinen und größeren Formats, Um so größer ist die Vorfreude und das Erwarten. Hoffentlich kommt sie bald und dann wird nochmal Weihnachten gefeiert, Weihnachten in Raten, auch nicht schlecht!

Die größte Sorge war mir aber die Tatsache, dass Ihr ausgerechnet in dieser Zeit so wenig Post von mir bekommen musstet.

Ich grüße Euch alle, Vater, Mutter, Rosel und Eberhard und weiß Euch in diesen Stunden nahe bei mir, nichtachtend der Tausenden von Kilometern räumlicher Trennung.

Lebt wohl und Auf Wiedersehen!

Paul

(Anmerkung: Um Weihnachten und Neujahr 1942/43 war es im Norden des Kessels von Stalingrad einige Tage relativ ruhig. Viele Briefe wurden noch geschrieben. Jammerbriefe waren aber verboten, es wurden Stichproben gemacht.)

Zwischen Weihnachten und Neujahr 42/43

Liebe Eltern!

Er hat genug erlebt! Er geht! Man wird noch lange von ihm erzählen und doch wird er vergessen werden. Er hatte schöne und bange Tage, brachte Überraschungen und Freude, aber auch Entbehrungen und Sorgen. Grau und gebeugt verlässt er uns, mahnend hebt er noch die Hand, während unbekümmert und strahlender Laune das Neue Jahr anbricht. Hoffnungsvoll tritt es auf, 1942 geht ab. Was wird kommen?

Ich glaube aber, Ihr könnt unbesorgt sein. Sicher wird endlich das kommen, was das alte noch erleben sollte. Und es wird kommen!

Mir hat es so leid getan, dass ich blinden Alarm geben musste, aber der Urlaub stand für mich fest wie Balve! Mit Spannung erwarte ich Eure Post mit dem Verlauf der Feiertage, hoffentlich in allen Einzelheiten!

Nun gehen wir ins Neue Jahr und in diesem wünsche ich Euch alles Gute und Schöne, eine nette Wohnung, viel Glück und Freude.

Wird es uns das bringen, auf das wir alle warten? Oder wird der Endsieg erst 1944 kommen? Kommen wird er und dann komme ich auch wieder und werde meine hingelegte Arbeit wieder aufnehmen und eins wissen: Was Leben heißt und wieviel tausendmal schöner es ist.

Liebe Eltern: Auf Wiedersehen!

Euer Sohn Paul

Zwischen Weihnachten und Neujahr 42/43

Liebe Geschwister!

Wieder eine Stufe höher! Wieder ein neues Jahr! Mit einem sehnsuchtsvollen Augen– Blick schaut man dann üblicherweise noch einmal zurück auf das vergangene, Rosel auf ihre Maidenzeit, (ach so schnell verflossen!) und Eberhard auf eine schöne, arbeitsruhige, (um nicht pfaule zu sagen) Nesthäkchenzeit. Mit dem anderen Auge lünzt Rosel in die Zukunft, (bei ihr rosig, wie immer) und sieht sich in ihrem freien ungebundenen Studentendasein, und Brüderchen, mit selbstsicherer Miene, übersieht vor lauter Susis das Abitur und die Rekrutenzeit. Eberhard, ich sehe schwarz!

Für das kommende Jahr habe ich nun einen kleinen Wunsch: Ich lese hier dank sorgsam ausgestatteter Frontbücherei durch die Heimat ab und zu eine Novelle, eine bekannte Erzählung usf. Sicher habt Ihr dieselben auch gelesen, seid ja auch, (in dieser Beziehung natürlich nur!) weitaus gebildeter als ich und ich möchte gern Eure Gedankengänge beim Lesen der einzelnen Romane, usw. mit meinen vergleichen, bezw. wäre es schön, wenn Ihr das auch tätet. Erzählt mir bitte deshalb, wenn Ihr Zeit habt, über aufgetretene Probleme, Ideen, Gedanken und Meinungen und ich tue das auch. Im nächsten Brief fange ich damit an! Jeder hat Nutzen und Freude daran. Macht Ihr mit?

Ein kleines Büchlein ist hier so wertvoll wie ein Brief aus der Heimat, man hungert danach! Bisher habe ich so etwas noch nie gekannt!

Alles Schöne und Gute, wenig Müh´ und Sorgen und viel Fröhlichkeit wünsche ich Euch zum Neuen Jahr Prost Neujahr!

Paul

Russland. 29.12.1942

Ihr Lieben!

Nun sind die Weihnachtsfeiertage vorüber und es ist so eigentlich die Zeit, wo man üblicherweise und auch erkärlicherweise magenkrank zu Bett lag, zumindestens ein bauchwehes Dasein führte. Ich sagte »eigentlich«, also ist es bei mir nicht so und das sollte doch gut sein!

Wenn aber mal die Post kommt, werde ich alles nachholen! Mir geht es nicht schlecht, also braucht Ihr Euch keine Sorgen zu machen. Von Euch hoffe ich das Gleiche. Ich wünsche Euch zwar kein Bauchweh, aber die leckeren Ursachen dazu.

Zur Weihnachtsfeier haben wir den Bunker festlich auszustatten versucht, sogar einen tannenartigen Zweig habe ich gefunden, etwas primitiv mit Pappfiguren behangen, - und hokuspokus, man hat einen Weihnachtsbaum! Lichter sind zwar nicht dran, aber dafür brannte der Adventskranz, der übrigens aus Gewehrreinigungsdochten, Gasplanen und Draht gefertigt wurde.

Neujahr 1943

Bis heute hat der Brief gelegen, ohne Beförderungsmöglichkeit. Morgen soll er fortgehen können. Ich habe das Jahr gut angefangen und heute Morgen auf Euer Wohl getrunken! Der Rundfunk war der Mittler unserer Wünsche und Hoffnungen.

Ich sah Euch wie jedes Jahr fröhlich beisammen, wenn auch gewiss etwas ernster als vor dem Krieg.

Heute Morgen ist unser Chef Hauptmann geworden und war strahlender Laune mit seinen 24 Lenzen. Er ging die Trupps durch und wünschte alles Gute zum Neuen Jahr. Hoffentlich bekomme ich bald Post von Euch. Die letzte erhielt ich vor 5 Wochen! Das war ein Luftfeldpostbrief von Eberhard. Ich weiß, dass Ihr fleißig geschrieben habt und weiß auch, dass Ihr nicht ungeduldig werdet, wenn ich mich nicht dafür bedanken kann. Einmal wird die Post kommen und auf den Tag freue ich mich schon seit langem!

Ich bin gesund und munter wie immer, seid so sorglos wie vordem, es ist kein Grund zu finsterer Miene vorhanden, soyez sans soucis!

Heil, euch, liebe Eltern und Geschwister und denkt daran: Bevor die Bäume wieder grün werden, bin ich bei euch!

Euer Paul

Pauls letzter Brief

Per Luftpost

Russland, 5.1.1943

Ihr Lieben!

Leider habe ich noch immer keine Post von Euch bekommen, ich kann also nichts beantworten und hoffe, dass es Euch recht gut geht, dass Ihr genug zu essen habt und gesund seid. Die Briefe und Päckchen werden sicher bald kommen, dann atme ich wieder auf. Anbei schicke ich Euch eine Menge Luftfeldpostmarken, benutzt sie sehr fleißig, am besten ausschließlich, dann werde ich bestimmt von Euch hören.

Sorgen braucht Ihr euch wegen mir bestimmt keine zu machen, es geht mir weiterhin nicht schlecht und in Bälde sicher noch besser.

Hoffentlich habt Ihr jetzt etwas mehr Post in den letzten Tagen von mir erhalten. Es wird jetzt von Woche zu Woche kälter, doch bald wird die kälteste Zeit erreicht und auch überwunden sein. Mit meiner von Euch erhaltenen Polarausrüstung komme ich leicht durch den gefürchteten Russlandwinter durch. Gestern war noch Tauwetter, heute Nacht haben wir mehr als 20 Grad unter Null, das geht hier manchmal sehr ulkig. In wenigen Minuten kann alles verschneit sein und wenn es um 11 Uhr noch stürmte und tobte, als wären alle Geister losgelassen, kann um 12 Uhr über der gesamten Steppe Kirchhofstille eingetreten sein und kein Lüftlein regt sich.

Am unangenehmsten ist der Wind, der feinste Eiskristalle mitführt, die wie Staub in alle Poren dringen und leicht Erfrierungen verursachen. Am unhöflichsten ist er während der Fahrt, denn unsere Karre ist keine Limousine. Gott sei Dank habe ich Filzstiefel und die sind ganz prima. Mein Strumpfmaterial ist ausreichend und noch recht gut.

Sonst habe ich Euch heute nichts zu berichten, was erwähnenswert wäre, selbst das, was ich verschweigen muss, ist nichts Nennenswertes. Seid froh und guter Dinge, so wie ich, hört nicht auf Gerüchte, zum Sorgenmachen ist kein Grund und dass ich keine Post habe, ist Zufall, denn andere haben Nachricht von zu Hause. Schreibt Luftpost und seid vielmals gegrüßt von Eurem

Paul

Eberhard erhielt noch immer Post von seinem älteren Bruder, der in Stalingrad bereits vermisst ist. Am 20. Januar 1943 schrieb er an seine Schwester:

»Die Briefe steigen ständig im Wert, wo es doch so bitterernst um Stalingrad steht. Die deutschen Stellungen, die um die Stadt gezogen waren, mussten, laut gestriger Zeitung, um wieder mehrere Kilometer zurückverlegt werden; und heute sprechen sie sogar von der Einnahme des letzten deutschen Flughafens in diesem Kessel. - Pauls Briefe sind noch sehr froh gehalten, da die Schlacht erst richtig am 10.-11. Januar begann. Der neueste Brief ist vom 5.1.43.«

Briefquellen:

Feldpost-Archiv Berlin, mit vielfacher freundlicher Unterstützung von Frau Dr. Katrin Kilian, Institut für Sprache und Kommunikation der TU Berlin

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(