HOME

J.F. Kennedy: "Ish bin ein Bearleener"

Vor 40 Jahren hielt US-Präsident Kennedy seine historische Berliner Rede. Auf einer Karteikarte notierte er damals die deutsche Aussprache des wichtigsten Satzes: "Ish bin ein Bearleener".

John F. Kennedy ging auf Nummer sicher. An der entscheidenden Stelle seiner Berliner Rede am 26. Juni 1963 wollte der damalige US-Präsident nicht patzen. Auf einer Karteikarte notierte er handschriftlich die deutsche Aussprache des wichtigsten Satzes: "Ish bin ein Bearleener". Die Wirkung war überwältigend: Mehr als 300.000 Berliner, die sich vor dem Schöneberger Rathaus versammelt hatten, bedankten sich mit stürmischem Jubel für das Bekenntnis des Präsidenten.

Der Satz "Ich bin ein Berliner" hat seitdem einen Stammplatz in den Geschichtsbüchern, wenn es um die Zeit des Kalten Krieges geht. Am (morgigen) Donnerstag jährt sich die historische Rede zum 40. Mal. Kennedy war der erste US-Präsident, der Berlin nach der Teilung Deutschlands besuchte. Sein achtstündiger Aufenthalt bildete den Abschluss einer viertägigen Deutschlandreise, die ihn zuvor nach Köln, Bonn, Frankfurt am Main und Wiesbaden geführt hatte. An allen Stationen schlug Kennedy eine Sympathie entgegen, die es in Deutschland für keinen seiner Nachfolger mehr geben sollte.

Empfang mit "Ken-Ne-Dy"-Sprechchören

Hunderttausende Menschen säumten die Straßen, als Kennedy in Begleitung von Bundeskanzler Konrad Adenauer und Berlins Regierendem Bürgermeister Willy Brandt 50 Kilometer durch den Westteil Berlins fuhr, um den nur zwei Jahre zuvor die Mauer errichtet worden war. Vor dem Schöneberger Rathaus wurde er mit "Ken-Ne-Dy"-Sprechchören empfangen.

Möglicherweise war es die Begeisterung der Berliner, die den Präsidenten bei seiner Rede vom Manuskript abweichen ließ. Den entscheidenden Satz hatten ihm seine Berater nicht notiert. Ganz spontan kamen dem Präsidenten die Worte "Ich bin ein Berliner" jedoch nicht über die Lippen. Kennedy habe sich bereits eine Woche vor der Rede für die Formulierung entschieden, schreibt der Historiker Andreas Daum in seinem zum Jahrestag veröffentlichten Buch "Kennedy in Berlin".

"Großer Tag in der Geschichte unserer Stadt"

Die historische Bedeutung des Ereignisses war den Teilnehmern schon damals klar. "Dies ist ein großer Tag in der Geschichte unserer Stadt", sagte Brandt unmittelbar nach der Rede vor dem Schöneberger Rathaus. Ähnlich äußerte sich Kennedy selbst auf dem Flug von Berlin nach Irland, der nächsten Station seiner Europareise: "Wir werden niemals wieder einen solchen Tag wie heute erleben."

Für Brandts damaligen Pressesprecher Egon Bahr ist der Tag vor 40 Jahren heute noch so präsent wie damals. "Wer ihn miterlebt hat, wird ihn nicht vergessen." Der berühmte Satz Kennedys sei wie ein "Verlöbnis" gewesen. "Von diesem Tag war Berlin unantastbar und sicher, so lange seine Teilung auch dauern mochte." Der Kennedy-Besuch sei ein "nicht wieder erreichter Höhepunkt in der Geschichte der Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika" gewesen.

Chruschtschow: "Ich liebe die Mauer."

Reaktionen auf den Kennedy-Besuch gab es auch auf der anderen Seite des "Eisernen Vorhangs". Zwei Tage nach der Abreise des US-Präsidenten kam der sowjetische Staats- und Parteichef Nikita Chruschtschow nach Ost-Berlin. Der Besuch wurde ähnlich aufwendig inszeniert wie der Kennedys auf der anderen Seite der Mauer. Auch Chruschtschow gab ein persönliches Bekenntnis ab: "Ich liebe die Mauer." Damit reagierte er auf Kennedy, der die Mauer als "die abscheulichste und die stärkste Demonstration für das Versagen des kommunistischen Systems" bezeichnet hatte. Im kollektiven Gedächtnis der Ostdeutschen konnte sich Chruschtschow mit seiner Berliner Rede allerdings nicht verewigen.

Alle Menschen auf der Welt sind wahrhaftig Berliner

Nach Kennedy kamen fünf weitere US-Präsidenten nach Berlin. Richard Nixon griff 1969 die Gedanken seines Vorgängers auf. "In dem Sinne, dass die Einwohner Berlins für Freiheit und Frieden stehen, sind alle Menschen auf der Welt wahrhaftig Berliner." Auch Bill Clinton orientierte sich 1994 bei der ersten Rede eines US-Präsidenten im Ostteil der Stadt am Vorbild Kennedys und formulierte den zentralen Satz auf Deutsch: "Amerika steht an Ihrer Seite, jetzt und für immer."

In die Geschichte ging aber nur eine weitere Berliner-Rede eines US-Präsidenten ein. 1987 richtete Ronald Reagan vor dem Brandenburger Tor einen unvergessenen Appell an den sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow. "Herr Gorbatschow, öffnen Sie dieses Tor! Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder!" Zwei Jahre später wurde Reagans Wunsch Wahrheit.

Michael Fischer