Zeitgeschichte Wahrheit und Mythos


Auch nach dem Ende des Kalten Kriegs ranken sich die Legenden um die Geheimdienste. Eine Ausstellung in Leipzig will nun Wahrheit und Mythos der spektakulärsten Spionagefälle durchleuchten.

Auch mehr als ein Jahrzehnt nach dem Ende des Kalten Krieges ranken sich zahllose Legenden um die Arbeit der Geheimdienste. Das Zeitgeschichtliche Forum in Leipzig unternimmt den Versuch, Wahrheit und Mythos der spektakulärsten Spionagefälle im geteilten Deutschland zu durchleuchten. Die Ausstellung «Duell im Dunkel - Spionage im geteilten Deutschland» zeigt vom 17. Dezember bis 21. April 2003 etwa 700 Exponate aus vier Jahrzehnten Spionage in BRD und DDR.

«Wir wollen dabei auch das wirkliche Leben der Geheimagenten mit seiner Darstellung in Spionagefilmen vergleichen,» sagt Ausstellungsleiterin Henrike Girmond. Die Besucher sollen die undurchsichtige Arbeit der Geheimdienste auch sinnlich erfahren können. Viele Exponate werden erst bei näherem Herantreten beleuchtet. Dokumente liegen hinter einem Spezialglas und sind schwer lesbar, viele Ausstellungsstücke offenbaren sich erst nach einen Blick durch Gucklöcher.

Legendärer Agententausch


Ein einmaliges Zeitdokument sind die Wrackteile des US- Spionageflugzeugs U2, mit dem der Agent Francis Powers 1960 über der Sowjetunion abgeschossen wurde. Die Leihgabe des Zentralen Museums der russischen Streitkräfte ist zum ersten Mal in Westeuropa zu sehen. Nach 18 Monaten Haft war Powers auf der Glienicker Brücke im geteilten Berlin gegen den sowjetischen Top-Spion Rudolf Abel ausgetauscht worden. Legendär wurde der Agententausch durch den Spielfilm «Die Schlange».

Der Ausstellungsteil «Liebesgeflüster» zeigt ostdeutsche Spione in bester James-Bond-Manier: Mit ihrem Charme brachten die von der Staatssicherheit «Romeo» genannten Agenten vorwiegend Sekretärinnen dazu, ihre westdeutschen Chefs zu bespitzeln. «Angesichts solcher Geschichten müssen wir auch selbstkritisch fragen, ob wir mit unserer Ausstellung nicht selbst zur Mythenbildung beitragen», sagt Girmont.

In einem eigenen Kabinett wagen sich die Ausstellungsmacher an bisher weitgehend unerforschte Themen der deutschen Spionage- Geschichte heran: Wie sah die Zusammenarbeit zwischen DDR-Geheimdienst und der bundesrepublikanischen Terrorgruppe RAF aus? Dargestellt werden auch die Schicksale der 38 Spione, die zwischen 1952 und 1981 in der DDR hingerichtet wurden.

"Keine leichte Aufgabe"


Eine Ausstellung über Geheimdienste zu planen, sei keine leichte Aufgabe, schildert Girmont. «Schließlich ist der beste Spion der unsichtbare. Alles, was wir hier zeigen können, sind letztlich die Fehler der Geheimdienste, deren Aktionen aufgedeckt und deren Agenten aufgeflogen sind». So erzählt die Ausstellung, wie 1954 amerikanische und britische Agenten einen Tunnel in die russische Besatzungszone gruben, um Telefonate abzuhören. Ein Doppelagent ließ den Coup platzen.

Eine weitere Ausstellung über das Ministerium für Staatssicherheit wollten die Aussteller vermeiden. Dennoch zeigt der umfangreichste Teil der Schau Exponate aus der Geschichte des DDR-Geheimdienstes, dessen Archive durch den Zusammenbruch des zweiten deutschen Staates zugänglich wurden. «Bei unseren Recherchen bei den noch existierenden Geheimdiensten dagegen standen wir häufig vor verschlossenen Türen», sagt die Ausstellungsleiterin. Westdeutsche, russische, britische, amerikanische und französische Akten sind weiter unter Verschluss.

Ronny Bürckholdt DPA

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