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EU-Kommission: Nach seinem Aus: So rechnet Manfred Weber mit Macron und Orban ab

Für Manfred Weber war sein vorzeitiges Ende bei der Besetzung des Postens für den EU-Kommissionspräsidenten enttäuschend. In einem Interview mit der "Bild" äußert er sich zu seinem Scheitern und macht Macron und Orban schwere Vorwürfe.

Manfred Weber, CSU

Manfred Weber, CSU

DPA

Er ist angetreten, um Präsident der EU-Kommission zu werden. Doch am Ende steht Manfred Weber von der CSU mit nichts da und ist zum großen Verlierer im Postengeschacher der EU geworden. Ab 2022 soll er zwar EU-Parlamentspräsident werden, doch daran scheint er – berechtigterweise – momentan eher zu zweifeln (der stern berichtete).

In einem Interview mit der "Bild"-Zeitung schildert er jetzt, wie er sich nach der von-der-Leyen-Überraschung fühlt und was er zu Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Ungarns Premier Victor Orban zu sagen hat, die aus seiner Sicht eine Mitschuld an seiner Niederlage tragen.

Weber teilt gegen Macron und Orban aus

Insgesamt sei er sehr enttäuscht über den Ausgang des Posten-Pokers. "Dass Emmanuel Macron und Viktor Orban das Wahlergebnis einfach vom Tisch wischen, hätte ich nicht erwartet", sagte er "Bild". Über Macron sagte Weber, dass dieser ihm nie persönlich gesagt hätte, was dieser gegen ihn habe. "Das Argument, das da jetzt vorgebracht wurde, ich hätte keine exekutive Erfahrung, ist absurd. Ein Drittel aller aktuellen europäischen Regierungschefs hatte vorher keine exekutive Erfahrung, Präsident Macron selbst ja auch nur wenig. Die Wähler sollten über die Qualifikation entscheiden, sonst niemand", lautet sein Kommentar zum französischen Präsidenten. Macron hatte sich während der EU-Gipfel zur Besetzung des Kommissionspräsidentenpostens wiederholt gegen Weber ausgesprochen.

Auch für den ungarischen Premierminister Victor Orban findet er klare Worte: "Es ist eindeutig so, dass Viktor Orban ein Rückspiel gemacht hat, weil ich gesagt habe, dass die Einschränkung der Grundrechte in Ungarn so nicht geht", äußert sich Weber in der "Bild". Weber stehe aber weiter zu seinen Werten. Verwundert war er dann aber darüber, dass Macron – der gegen ein Europa à la Orban Wahlkampf gemacht hatte – bei der Postenvergabe dann gemeinsame Sache mit dem Ungarn gemacht habe, um Weber auszubooten. Das würde das demokratische Europa beschädigen: "Jetzt stehen wir vor einem Scherbenhaufen", sagte Weber.

Manfred Weber will nicht aufgeben

Zu der möglichen neuen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat Weber ebenfalls ein paar Worte im "Bild"-Interview übrig, allerdings weniger scharf: "Sie ist durch und durch Europäerin, das zeigt ihre ganze Lebensgeschichte, sie kennt die internationale Politik – und sie ist eine überzeugte Christdemokratin. Sie hat eine gute Chance für eine Mehrheit, aber es ist ein steiniger Weg."

Seine Karriere ganz an den Nagel hängen, möchte Weber trotz der herben Niederlage aber nicht, auch wenn er nicht ganz verstehen könne, wie es so weit gekommen ist: "Ich tue mich sehr schwer damit, das zu erklären. Man kann es kaum erklären. Ich kann zu meinen Wählern nur sagen: Es gab mächtige Kräfte, die das Wahlergebnis nicht akzeptieren wollten. Es gab Hinterzimmer-Gespräche und Nachtsitzungen, bei denen sich die Achse Macron und Orban durchgesetzt und das Spitzenkandidatenprinzip demontiert hat. So wie das gelaufen ist, kann ich sagen: Das ist nicht das Europa, das ich mir vorstelle. Und ich werde auch in Zukunft für eine Demokratisierung der EU kämpfen." Es werde für ihn weitergehen, sagt er "Bild": "Ich muss mich jetzt erst einmal sammeln, aber werde mich danach weiterhin ganz in den Dienst eines starken und bürgernahen Europas stellen, das für seine Werte eintritt."

Quelle: "Bild"

rw