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M. Streck: Last Call: Jacob Rees-Mogg - gestern Kauz, morgen Parteiboss?

Großbritannien ist gewiss nicht arm an schillernden Figuren. Und diese schillerte im Sommer besonders: Jacob Rees-Mogg, ein erzkonservativer Abgeordneter. Er twittert auf Latein und hielt den Rekord für das längste im Parlament benutzte Wort. Was als Witz begann, hat sich sich irgendwie verselbstständigt.

Jacob Rees-Mogg

Sie nennen ihn den "Minister aus dem 18. Jahrhundert": Jacob Rees-Mogg, Abgeordneter der konservativen Partei in London

In Großbritannien heißt die Saure-Gurken-Zeit "silly season", verrückte Jahreszeit. Das passt ganz schön. Momentan ruht der politische Betrieb bis auf die Brexit-Verhandlungen natürlich, aber Brexit ist ja immer, auch in der “silly season“. Abgesehen davon stehen aber in dieser Jahreszeit in den Zeitungen lauter Dinge, die sonst nie in den Zeitungen stehen würden über Leute, die sonst auch nie in der Zeitung stehen würden.  Sehr verdient gemacht hat sich in der Hinsicht ein Mann namens Jacob Rees-Mogg, 49 Jahre, einst Investmentbanker und seit 2010 Abgeordneter der Konservativen - was man auf den ersten Blick sieht. Und hört.

Keiner der Kollegen verstand den Hinterbänkler

Rees-Mogg spricht nämlich ein sehr parfümiertes Eton-Englisch, dort ging er zur Schule und studierte danach natürlich in Oxford. Vor einigen Jahren stellte er einen Rekord für das längste je im Parlament benutzte Wort auf: "Floccinaucinihilipilification", was etwa so viel wie Geringschätzung bedeutet. Keiner der Kollegen verstand den Hinterbänkler, aber das tun sie ohnehin meistens nicht.

Nun muss man wissen, dass der Parlamentarier aus Somerset bis vor Wochen noch als absolute Witzfigur galt mit seiner affektierten Wortwahl, seinem altmodischen Habitus und seinem erzkonservativen Wertekanon. Der Trump-Fan ist selbstverständlich für einen harten Brexit, aber gegen die Schwulen-Ehe und als gläubiger Katholik offenbar auch gegen Verhütungsmittel. Die Rees-Moggs haben jedenfalls sechs Kinder. Der jüngste Sohn wurde Anfang Juli entbunden und hört auf den erstaunlichen Namen Sixtus Dominic Boniface Christopher. Die übrigen fünf Kinder haben es auch nicht viel besser. Sie heißen der Reihe nach Alfred Wulfric Leyson Pius, Thomas Wentworth Somerset Dunstan, Peter Theodore Alphege, Anselm Charles Fitzwilliam and Mary Anne Charlotte Emma. Kollegen und Kolumnisten spotten, dieser Jacob Rees-Mogg sei in der falschen Zeit gelandet, sein Spitzname in Westminister lautet deshalb "der Minister aus dem 18. Jahrhundert".


Obschon: Er kann auch anders und hat neuerdings die sozialen Netzwerke entdeckt. Und umgekehrt. Mit seinem ersten Tweed auf Latein, "Tempora mutantur, et nos mutamur in illis", die Zeiten ändern sich, und wir ändern uns mit ihnen, erreichte er auf aus dem Stand mehr Follower als Premierministerin May. Seitdem ist nichts mehr, wie es mal war.

Ist das noch die sommerliche "silly season"?

Auf Facebook formierten sich diverse Fanseiten, "Moggmentum", "The Jacob Rees-Mogg Appreciation Society", "Can't Clog the Mogg", "Middle-Class Memes für Rees-Moggian Teens", die ihn wegen seiner verschrobenen Authentizität feiern. Sie haben sogar eine Kirche in seinem Namen, "The Church of Jacob Rees-Mogg", gegründet von einem Verehrer aus Nigeria, der behauptet, dem Politiker schon seit Jahrhunderten verfallen zu sein.

Das alles ist noch verhältnismäßig komisch. Weil wir aber in Großbritannien sind und die Menschen angesichts des akuten Irrsinns um sie herum offenbar nicht mehr unterscheiden zwischen sommerlicher "silly season" und ganz normaler "silly season", hat sich die Chose verselbständigt und der Sonderling wird tatsächlich als Nachfolger der schwächelnden Premierministerin gehandelt. In Meinungsumfragen liegt er zuweilen schon vor May und nur knapp hinter dem Brexit-Minister David Davis, der auch ein komischer Vogel ist, dessen Späße in Brüssel aber leider nur mäßig goutiert werden. Es ist wohl so: Wenn sich eine Karikatur wie Rees-Mogg selbst karikiert, ist sie keine richtige Karikatur mehr. Und ergo weiß niemand mehr genau, ob es Rees-Mogg nicht doch ernst meint mit einer Kandidatur und selbst sein Hinweis, er unterstütze May, nicht doch ein Witz ist. Gestern noch Kauz, morgen schon Parteiboss. Bei Labour hat's ja auch geklappt mit Jeremy Corbyn.

Die Zeitungen nehmen ihn mittlerweile ernst und das Partei-Establishment gleichfalls. Die besorgte Tory-Kollegin Heidi Allen kündigte an, sie werde auf der Stelle aus der Partei austreten, falls der aus der Zeit gefallene "Minister aus dem 18. Jahrhundert" irgendwie doch an die Parteispitze gelangen sollte. Und May, die vor Wochen noch lachte bei der Frage, ob Rees-Mogg nicht eine Verstärkung fürs Kabinett wäre, vergeht der Spaß auch zusehends. Sie will beim Parteitag im Oktober mit einer kräftigen Rede allen Herausforderern contra geben. Lustig auch das, irgendwie.

Jacob Rees-Mogg will seinen Wort-Rekord zurück

Rees-Mogg feilt unterdessen auch an einer Rede; er möchte offenkundig den Parlamentsrekord fürs längste Wort zurück. Sein “Floccinaucinihilipilification” wurde erst vor wenigen Wochen abgelöst durch das Wortmonstrum “Pneumonoultramicroscopicsilicovolcanokoniosis“, eine durch Vulkanasche verursachte Lungenkrankheit. Der Entthronte nahm's sportlich, gratulierte fair und versprach einen neuen Anlauf. Er müsse jetzt wohl lernen, die walisische Ortschaft Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch unfallfrei auszusprechen.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.