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Jutta Allmendinger "Leistung allein bringt einen nicht nach oben"

Es gibt genügend qualifizierte Frauen für Top-Jobs und sie sind ready to go, sagt Soziologin Jutta Allmendinger. Für die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung ist die gesetzliche Quote kein Elite-Thema.
Protokoll: Karin Stawski

“Es geht bei der Besetzung von Führungspositionen nicht nur um Eignung und Fähigkeiten. Es kommt darauf an, ein bestimmtes Geschlecht zu haben. Das einzugestehen, ist bitter. Das heißt leider auch, dass eine ganz selbstverständlich erscheinende Annahme unseres Gesellschaftsvertrags falsch ist. Leistung allein bringt einen nicht nach oben.  

Ich frage mich: Wo eigentlich liegt das Problem? Warum haben wir in Deutschland nur 13 Prozent Frauen in DAX-Vorständen, Tendenz sinkend? 

Auch in der Wissenschaft gibt es noch Einiges zu verbessern. Zum Beispiel sind nur 25 Prozent der Professuren an Universitäten mit Frauen besetzt. Ich selbst wäre in einigen wissenschaftlichen Gremien nicht berufen worden, wenn es dort keine verbindlichen Quoten gäbe. Ich wäre zum Beispiel nicht in den Wissenschaftsrat gekommen, und ich wäre wahrscheinlich auch nicht die erste Direktorin des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung geworden.  

"Die Pipeline ist voll!"

Alle Frauen, die sich unter diesem Titel “Ich bin eine Quotenfrau” versammeln, vermitteln eine frohe Botschaft: In Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Sport gibt es gut ausgebildete, exzellente Frauen, die gerne Verantwortung übernehmen und zu dieser stehen. Um einen etwas technischen Begriff zu benutzen: Die Pipeline ist voll. Die Frauen sind gut ausgebildet und ready to go! Damit ist der Weg für die Politik bereitet. 

Dieses geplante Gesetz ist für jede Frau in Deutschland ein Fortschritt. Die Führung eines Betriebes entscheidet über die strategischen Ausrichtungen, die Arbeitsbedingungen und die Gehälter in dem Betrieb. Was als Elite-Thema erscheint, betrifft alle Angestellten unmittelbar. Insofern sollte es allen auch darauf ankommen, dass diese Positionen bestmöglich besetzt werden, mit Personen, die die Vorstellungen, Nöte und Sorgen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kennen.” 

Uns interessieren auch Ihre Erfahrungen und Ihre Meinung. Wie sieht es in Ihrem Job aus? Könnten Sie mehr Frauen oder Männer gebrauchen? Schreiben Sie uns unter quotenfrau@stern.de


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