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Renate Künast "Können Sie die Frau in Ruhe lassen und über Inhaltliches reden?"

Sehen Sie im Video: Renate Künast – "Die Frauenquote ist keine Schande".
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Die Grünen-Politikerin Renate Künast findet: Die Quote ist keine Schande. Und berichtet von einer Situation mit einem Politiker-Kollegen, die ihr bis heute in Erinnerung geblieben ist.

"Viele Männer werfen uns Frauen vor, wir wollen eine Frauenquote und dann würde nicht mehr die Qualifikation, sondern das Geschlecht entscheiden. Gut qualifizierte Männer hätten keine Chance mehr. Das ist der Versuch, uns kommunikativ in eine Ecke zu drängen, in die wir nicht gehören. Denn wahr ist, es gibt heutzutage quasi eine 100 Prozent Männerquote. Männer finden Männer, weil Männer glauben, die Art und Weise des Auftritts und der Kommunikation von Männern sei gleichbedeutend mit Qualifikation. Dazu gehört ein Auftritt im dunkelblauen Anzug, mit großem Gestus und lauter Stimme, die verkündet: erstens, zweitens, drittens, ich bin der Beste. Zudem bleiben Männer gern unter sich im Vorstand. 

Die Nichtbeachtung von diversen Talenten ist schädlich für die Wirtschaft – nicht die Quote.  Mit mehr Frauen in Vorständen verbinde ich die Hoffnung, dass sich diese Frauen auch für andere Frauen einsetzen, die im Niedriglohnsektor arbeiten.  

Ich glaube, dass das Allerwichtigste ist, nicht an sich selbst zu zweifeln. Und es ist keine Schande, sich Unterstützung zu holen. Es ist auch kein Zeichen von Schwäche, wenn man an einem Mentoring teilnimmt oder einen Kurs macht für Rhetorik und ähnliches, sondern es ist das ganz normale Handwerkszeug im 21. Jahrhundert.

"Ich bin frech genug"

Die männliche Körpersprache macht es leichter im Berufsleben. Stellen Sie sich mal vor, ich würde mich jetzt hier breitbeinig hinstellen, die Arme ganz weit auseinander und erzähle dann, was ich alles Tolles mache. Sie würden denken, die hat was getrunken. Wenn ein Mann da steht, großgewachsen, mit den Armen und mit den Händen nach vorne, dann wird das als kompetent gelesen.  

Ich hatte mal eine Veranstaltung mit einem Politiker einer anderen Partei, bei der er die ganze Zeit eine Frau angebaggert hat, der das sichtlich unangenehm war. Da habe ich irgendwann zu ihm gesagt: Wissen Sie, was ich gleich mache? Ich stehe gleich auf und geh da an das Mikro und schlage vor, dass wir hier heute Abend noch einen Preis für den Mann mit den besten Chauvi-Sprüchen ausloben und dann schlage ich Sie vor. Können Sie die Frau jetzt mal in Ruhe lassen und über  Inhaltliches  reden? Und wenn ich so etwas sage, dann traut man mir zu, das auch zu machen, weil ich frech genug bin. Danach war Ruhe am Tisch.“ 

Uns interessieren auch Ihre Erfahrungen und Ihre Meinung. Wie sieht es in Ihrem Job aus? Könnten Sie mehr Frauen oder Männer gebrauchen? Schreiben Sie uns unter quotenfrau@stern.de


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