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Heißer Wahlkampf: Merkel schießt sich auf SPD ein

Die CDU startet am Sonntag ihre heiße Wahlkampf-Phase. Die Kanzlerin legte aber schon mal vor und attackierte die SPD ungewöhnlich heftig. Die Genossen ließen sich nicht lange bitten und schlugen verbal zurück.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und die SPD-Führung gehen in der heißen Phase des Wahlkampfs mit heftigen wechselseitigen Attacken aufeinander los. Während Merkel eine wachsende Gefahr eines SPD-Bündnisses mit den Linken beschwor, griffen sozialdemokratische Spitzenpolitiker die CDU-Vorsitzende am Samstag direkt an und warfen ihr Versagen als Kanzlerin der gemeinsamen Koalition vor. Am Sonntag wollen Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer mit einer Großkundgebung in Düsseldorf die letzte Phase des Unionswahlkampfs einleiten. Die SPD hatte dies bereits am Montag mit einer Veranstaltung in Hannover getan.

Merkel warnte in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS), ein Bündnis mit den Linken könne die SPD auch dann eingehen, wenn es nach der Wahl zunächst eine Neuauflage der Großen Koalition geben sollte. "Die Gefahr, dass so etwas jederzeit geschehen kann, ist heute viel größer als vor vier Jahren", sagte sie. Ein Wechsel aus einer Großen Koalition zur Linkspartei erscheine vielen in der SPD als attraktiv. "Deshalb brauchen wir im nächsten Bundestag stabile Verhältnisse mit einer Mehrheit für Union und FDP", sagte Merkel der "FAS". Zuvor hatte sie bereits im "Münchner Merkur" eine stärker werdende Strömung in der SPD konstatiert, die so früh wie möglich auch im Bund mit den Linken regieren wolle. "Das wäre verheerend für Deutschland", warnte die CDU-Chefin.

Müntefering kritisiert Merkels Beliebigkeit

SPD-Chef Franz Müntefering sprach Merkel im Gegenzug die Eignung für das Amt der Kanzlerin ab. Sie sei in ihrer Position zu beliebig. "Der Union fehlt die Idee und das Zentrum, der Kompass", sagte er der "Welt am Sonntag". Merkel könne im Zweifel sogar nah bei Linksparteichef Oskar Lafontaine sein. "Das mag im Sinne von flexibel nicht unsympathisch sein. Letztlich ist es aber beliebig und wird dem Amt Bundeskanzler nicht gerecht", kritisierte Müntefering.

Umweltminister Sigmar Gabriel ging ebenfalls auf Distanz zur Kanzlerin: "Die unsicherste Kantonistin in dieser Koalition war die Kanzlerin selbst", sagte der SPD-Politiker dem "Tagesspiegel am Sonntag". "Wenn jemand in der Großen Koalition unzuverlässig, wankelmütig und wie ein Rohr im Wind gewesen ist, dann ihre eigene Bundestagsfraktion und häufig genug auch sie selbst."

Steinmeier: Klar, der Ton wird schärfer

SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier verteidigte seine Angriffe auf Merkel im Wahlkampf: "Es ist doch klar, dass der Ton auf den Veranstaltungen jetzt schärfer ist als in den vier Jahren davor", sagte er dem "Hamburger Abendblatt". Zudem erneuerte er seine Absage an die Linken im Bund und bekräftigte trotz schwacher Umfrageergebnisse seine Hoffnung auf Rot-Grün. "Eine Koalition mit der Linkspartei kommt im Bund nicht infrage. Das habe ich immer gesagt und auch dafür gesorgt, dass das im Regierungsprogramm der SPD drinsteht. Darauf kann sich jeder verlassen", sagte er dem "Abendblatt". Wenn es für Rot-Grün nicht reiche, schließe er eine Ampel-Koalition mit der FDP nicht aus. Zugleich warnte Steinmeier im "Spiegel" vor einer schwarz-gelben Mehrheit, die die Gesellschaft spalten würde. "Das ist eine Gefahr für die Stabilität in unserem Land."

joe/Reuters/DPA / DPA / Reuters