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Interview mit Forsa-Chef Güllner: "Wahlkampf ist eher kontraproduktiv"

Die Umfragewerte der SPD sinken ins Bodenlose, auch das Kompetenzteam kommt nicht an - kann es Kanzlerkandidat Steinmeier denn niemandem Recht machen? stern.de sprach mit Forsa-Chef Manfred Güllner über Ulla Schmidt, das Mikado-Prinzip und das Ende des liberalen Höhenflugs.

Herr Güllner, die SPD kann tun, was sie will - sie bleibt im Umfragetief. Hat sich in der Wahrnehmung der Wähler so etwas wie ein Verliererimage einzementiert?

Die Erwartungen der Bevölkerung sind, dass die CDU die Wahlen gewinnen wird. Das heißt aber nicht, dass sich die Leute nicht noch umorientieren. Also hat die SPD Chancen, von ihrem Verliererimage wegzukommen. Aber im Moment gibt es das, ja.

Für die Wahrnehmung bedeutet das doch: Es ist alles falsch, was die SPD macht.

Es ist vielleicht nicht alles falsch. Aber auch das Richtige wird überlagert von negativen Eindrücken. Es begann mit Andrea Ypsilantis zerstörerischem Egotrip in Hessen, dann kam die Kandidatur von Gesine Schwan um das Amt des Bundespräsidenten, die der SPD auch schwer geschadet hat. Die Führung hat weder hier noch dort eingegriffen. Bei der Europawahl hat sie Umfragen vertraut, die das Ergebnis der Sozialdemokraten viel zu hoch eingeschätzt haben - und hat vor der Wahl laut und siegesgewiss darüber geredet. Die Niederlage produzierte eine weitere Sympathiedelle. Und schließlich...

... fuhr Ulla Schmidt mit dem Dienstwagen vor. Sie haben die SPD am vergangen Mittwoch, auf dem Höhepunkt der Affäre, mit nur noch 16 Prozent gemessen. Wie kommt ein derart kellertiefer Einbruch zustande?

Die Affäre hat alles aufgewühlt, was an Vorbehalten gegenüber der SPD schon da war: Unfähigkeit, weit weg von den Leuten, selbst die Gesundheitsreform war plötzlich wieder ein Thema und wurde negativ gesehen. Was wir bei solchen Irritationen verzeichnen, ist eine Wählerwanderung: Menschen, die eigentlich gewillt sind, SPD zu wählen, wechseln ins Lager der Unentschlossenen.

Ulla Schmidt durfte wegen der Affäre nicht in Steinmeiers Kompetenzteam - was die Bürger richtig finden. Allerdings haben die anderen 18 Mitglieder auch niemanden vom Hocker gerissen. Warum?

Leute wie Andrea Nahles und Heidemarie Wieczorek-Zeul bringen doch keine Sympathiepunkte. Sie repräsentieren die SPD der 80er Jahre. Die Personalauswahl hat die Wähler vollkommen enttäuscht.

Andererseits gibt es auch neue Gesichter wie die Familienexpertin Manuela Schwesig und den Unternehmer Harald Christ.

Christ ist nicht bekannt. Als die SPD 1969 aus der Großen Koalition heraus einen Wahlkampf führte, trat sie mit Karl Schiller an. So eine Personifizierung von ökonomischem Sachverstand fehlt den Sozialdemokraten heute. Manuela Schwesig macht einen guten Eindruck, aber auch sie ist zu unbekannt. Die SPD hätte ihre Talente viel früher suchen und pflegen müssen, um jetzt noch zu punkten.

Zehn Frauen sind im Team - sie stellen die Mehrheit. Schätzen das nicht zumindest die weiblichen Wähler?

Das ist zu primitiv gedacht. Frau zu sein ist noch kein Kompetenzbeweis, das sehen auch weibliche Wähler so.

Werfen wir einen Blick in die Glaskugel: Wird Steinmeiers Versprechen, vier Millionen Jobs zu schaffen, ein Schlager?

Der Deutschland-Plan mag sehr gut sein. Aber unterm Strich bleiben zwei Aspekte übrig. Erstens: Das Versprechen auf vier Millionen Jobs. Das glaubt niemand. Und zweitens: Die SPD kümmert sich nur um ein Thema - Arbeit. Arbeit ist zwar extrem wichtig, aber die SPD muss ein größeres Spektrum bedienen, denn sie ist keine Klientelpartei. Die FDP muss nur was tun für die Besserverdienenden, die Grünen haben ihre Wertegemeinschaft, die Linken bedienen die Verlierer der Einheit, das ist im Kern ihre Wählerschicht. Die SPD und die CDU haben eine sehr heterogene Wählerschaft. Da braucht es eine große gedankliche Klammer, nicht nur ein Thema.

Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier ist zweifellos smarter als Kurt Beck, er kann besser reden, die Partei wird straffer geführt. Dennoch kommt er auf der Sympathieskala Angela Merkel nicht einmal nahe. Woran liegt's?

Steinmeier ist als Außenminister populär, aber deswegen nicht automatisch als Kanzlerkandidat. Sein Problem ist, dass es keine Wechselstimmung gibt. Angela Merkel ist bis weit ins SPD-Lager hinein beliebt. Es gibt für die Wähler keinen richtigen Grund, sie auszutauschen. Diese Lage kann man Steinmeier nicht zum Vorwurf machen.

Stimmt gleichwohl die These: Steinmeier wäre ein guter Kanzler, aber er ist kein guter Wahlkämpfer?

Das ist nicht das Problem. Man darf von Steinmeier nicht zu viel erwarten. Die SPD müsste den Unentschlossenen inhaltliche Motive vermitteln, weshalb sie die Sozialdemokraten wählen sollten.

Die Union tut nichts und schaut einfach dem SPD-Drama zu. Warum kommt das so gut an? Gilt für Parteien doch die Mikado-Regel: Wer sich bewegt, hat verloren?

Zumindest ist es ein Missverständnis der SPD gewesen, mit dem Wahlkampf so früh zu beginnen. Vor dem Hintergrund der Krise ist Wahlkampf nicht gefragt. Die Leute erwarten sachliche Diskussionen und ernsthaftes Bemühen, die Regierung soll sie schützen und ihnen helfen. Deswegen kommt auch die Linke mit ihrer Polemik nicht an, die Sprüche eines Oskar Lafontaine ziehen nicht mehr.

Auch der Höhenflug der FDP scheint einstweilen beendet. Wieso?

Die FDP hat von der Unzufriedenheit mit der CDU profitiert. Vor allem Mittelständler waren irritiert, als die CDU Worte wie Verstaatlichung und Enteignung in den Mund genommen hat - was sie zuletzt im Ahlener Programm von 1947 getan hatte. Und sie waren verärgert, weil sie das Gefühl hatten, die Regierung tue nur etwas für die großen Konzerne aber nichts für den Mittelstand. Diese Eindrücke sind ein bisschen verblasst, es wandern wieder Wähler zur Union zurück - zu Lasten der FDP.

Die Wahl ist auch für Meinungsforscher schwer kalkulierbar geworden, weil sich immer mehr Leute in letzter Minute entscheiden. Was sagt die grobe Tendenz: Reagieren die Menschen in der Krise eher konservativ oder hungern sie nach neuen Ideen?

Dass sich die Leute erst in letzter Minute entscheiden, ist ein Märchen, das die ARD erfunden hat, um damit zu rechtfertigen, weshalb sie die SPD vor den Europawahlen so hoch eingeschätzt hat. Die Menschen wissen schon, was sie wählen wollen, wenn sie wählen gehen. Und im Übrigen hungern sie weder nach neuen Ideen noch werden sie konservativ: Die Leute wollen, dass die Politik in Krisenzeiten nach sachlichen Lösungen sucht. Wahlkampf ist da eher kontraproduktiv.

Interview: Lutz Kinkel
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(