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Steinbrück zur Großen Koalition: Letzte Rettung CDU

War doch nett mit Merkel, oder? Finanzminister Peer Steinbrück hat just die Fortsetzung der Großen Koalition herbeigeredet. Aus seiner Perspektive verständlich - für die SPD-Wahlkämpfer verheerend.

Ein Kommentar von Lutz Kinkel

Nach dem TV-Duell hat die SPD hörbar aufgeatmet. Endlich ein kleiner Sieg. Endlich ein bisschen Rückenwind. Endlich ein paar Gramm Motivation. Nach den verheerenden Niederlagen (Hessen, Europawahl, Landtagswahlen etc.) war das bitter nötig. Irgendjemand muss ja schließlich in den kommenden zwei Wochen noch Schirme aufstellen, Prospekte verteilen und Menschen für die Sozialdemokraten begeistern.

Und dann das: Nashorn-Alarm! Finanzminister Peer Steinbrück, der Nachbildungen dieser wuchtigen Tiere sammelt, marschiert bei Gruner + Jahr auf und liebäugelt vor den Kameras von stern.de mit einer Fortsetzung der Großen Koalition. Die FDP werde eine Ampel wahrscheinlich ohnehin ausschließen, argumentierte Steinbrück. Außerdem sei Angela Merkel ein verlässlicher Regierungspartner und die Opposition für die SPD viel riskanter.

Steinbrück und die Linken

Riskant? Die Opposition wäre vor allem riskant für Peer Steinbrück. Kann sich die derzeitige Führung der SPD nicht in eine Große Koalition retten, bricht aller Wahrscheinlichkeit nach eine Revolution in der Partei aus. Wessen Köpfe dann rollen werden, ist klar: Es sind jene der Agenda-Befürworter, namentlich Peer Steinbrück, Frank-Walter Steinmeier und Franz Müntefering. Die SPD wäre geradezu gezwungen, sich dieses Trios zu entledigen, um sich eine neue Machtoption zu eröffnen - ein Bündnis mit der Linkspartei.

Steinbrück jedoch will weder seinen Job als Finanzminister an den Nagel hängen, noch hat er irgendwelche Sympathien für die Linken. Im Gegenteil: Er hat laut und öffentlich und immer wieder vor ihnen gewarnt. Aus seiner Perspektive ist der Vorstoß in Richtung Große Koalition nur logisch.

Die Zuversicht macht leise pfffft

Aus Sicht der wahlkämpfenden SPD ist er verheerend. Wie soll sich Frank-Walter Steinmeier weiter als "Kanzlerkandidat" präsentieren, wenn der stellvertretende Parteivorsitzende Steinbrück das Kanzleramt schon längst abgeschrieben hat? Wie sollen sich die Wahlkämpfer der SPD motivieren, wenn es nur noch darum geht, wieder Juniorpartner in einer Neuauflage der Großen Koalition zu werden? Und ein ganz praktischer Gedanke: Wie könnte die SPD in etwaigen Verhandlungen mit der CDU Druck aufbauen, wenn sie schon zwei Wochen vor der Wahl signalisiert, dass sie keine anderen Machtoptionen hat?

Respekt für den Charakter Peer Steinbrück, der offen sagt, was er denkt, und damit seine Partei immer mal wieder über den Haufen redet. Schande auf den Wahlkämpfer Peer Steinbrück, der ein Interesse daran haben muss, seine Partei so stark wie möglich zu machen. Die Zuversicht, mit der sich die SPD gerade aufgepumpt hat, hat er mit einem Pieks entweichen lassen. Pfffft. Nun liegt er wieder faltig da, der olle SPD-Ballon.