Steinbrücks öffentliche Koalitionsgedanken Schwarz-rote Träume erzürnen Opposition


"Offenbarungseid", "Bankrotterklärung": Peer Steinbrücks Bekenntnis zur Großen Koalition hat bei Grünen, FDP und Linken für Verärgerung gesorgt. Nun rudert der Finanzminister zurück - ein Stück.

In einer Gesprächsrunde beim Hamburger Verlag Gruner + Jahr hat Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) eine Neuauflage der Großen Koalition nach der Wahl als "kein Unglück" bezeichnet und damit Entrüstung bei der Opposition ausgelöst.

"Mit Merkel häuslich eingerichtet"

Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast sah darin eine "politische Bankrotterklärung". "Finanzminister Steinbrück hat sich offenbar auf der Couch von Angela Merkel häuslich eingerichtet." Wer mit SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier liebäugele, dem drohe am Ende Merkel.

Der Vizechef der Linken, Klaus Ernst, hält Steinbrücks Äußerungen für eine "Aufgabe-Erklärung". "Steinmeier und Steinbrück wollen die SPD in der Gefangenschaft einer Großen Koaliton halten." kritisierte er. Der Geschäftsführer der Linksfraktion, Ulrich Maurer, sprach von einem Offenbarungseid.

Die FDP reagierte ebenfalls verwundert. "Die SPD gibt jetzt offiziell den Anspruch auf, stärkste Partei zu werden und den Kanzler zu stellen, kann sich hinter dieser Deckung aber auch auf Rot-Rot-Grün einrichten", teilte FDP-Generalsekretär Dirk Niebel mit. "Die SPD setzt auf Platz, nicht auf Sieg. Sie hat sich mit der Juniorrolle unter Angela Merkel bequem eingerichtet."

"Große Koalition kein Unglück"

Am Dienstagnachmittag relativierte der Finanzminister seine Aussagen. Die SPD kämpfe dafür, Schwarz-Gelb zu verhindern, betonte er in Berlin: "Wir suchen nicht die Große Koalition, schließen sie aber nicht aus." Falls es für Rot-Grün am 27. September nicht reiche, sei die Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP eine Option.

In den "Baumwallgesprächen", die stern.de als Video veröffentlicht hat, hatte Steinbrück am Montagabend gesagt, eine Neuauflage der Großen Koalition wäre für Deutschland kein Unglück. Zwischen SPD und Union gebe es angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise "mehr denn je" Gemeinsamkeiten, die die Fortsetzung des Bündnisses rechtfertigten. "Ich erachte die Risiken für SPD in der Opposition für viel größer - auch durch einen Überbietungswettbewerb durch die Linkspartei."

Steinmeier wünscht sich eine Ampel

SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier sprach sich unterdessen für eine Ampelkoalition aus. "Ich wünsche es mir", sagte er der "Frankfurter Rundschau". Er wisse zwar, dass FDP-Chef Guido Westerwelle ein Bündnis mit der Union bevorzuge. "Soll er doch", sagte Steinmeier. Westerwelle übersehe nur, dass es keine Mehrheit für Schwarz-Gelb geben werde.

DPA/Reuters/AP AP DPA Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker