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TV-Duell Desinteresse beim Publikum, Jubel bei CDU und SPD


Das harmlose Scharmützel der beiden Kanzlerkandidaten hat im Fernsehen nur maue Einschaltquoten eingefahren. Für CDU und SPD ist das aber nicht entscheidend. Nach dem Duell jubeln beide Lager ihren Kandidaten zum Sieger hoch.

Das TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier ist auf ein deutlich geringeres Zuschauerinteresse gestoßen als das Fernsehduell vor vier Jahren. Weniger als jeder zweite Fernseh-Zuschauer verfolgte die von vier Sendern übertragene Fragerunde am Sonntagabend. 14,17 Millionen Menschen oder rund 42 Prozent der Fernsehzuschauer schauten das Kräftemessen der Kandidaten, erklärte die Gesellschaft media control GfK am Montag. Vor vier Jahren hatte das Duell zwischen dem damaligen Kanzler Gerhard Schröder und seiner Herausforderin Merkel rund 21 Millionen Zuschauern vor die Bildschirme gelockt.

Die ARD schalteten 7,8 Millionen Zuschauer (22,7 Prozent Marktanteil) ein, das ZDF 3,5 Millionen (10,3 Prozent), RTL 2,2 Millionen (6,8 Prozent) und Sat.1 0,8 Millionen (2,3 Prozent). Zum Vergleich: Den Animationsfilm: "Die Simpsons" sahen auf ProSieben 3,5 Millionen Menschen (10,3 Prozent).

Steinmeier hatte nach einer ersten ZDF-Umfrage in dem Fernsehduell besser abgeschnitten als Merkel. Auch in einer ersten Umfrage der ARD fanden 45 Prozent Steinmeier überzeugender, nur 23 Prozent Merkel. Andere Umfragen sehen dagegen Merkel und ihren Herausforderer in einer Patt-Situation. So oder so: Mit 48 Prozent meinte fast jeder Zweite, Steinmeier habe besser abgeschnitten als erwartet. Nur 13 Prozent fanden ihn schlechter. Merkel übertraf die Erwartungen von nur zehn Prozent der Befragten. 24 Prozent meinten dagegen, sie sei schlechter gewesen als erwartet.

Beide Seiten sehen sich als Sieger

Ungeachtet der Zahlen feierten am Montag sowohl CDU als auch SPD ihren jeweiligen Kandidaten als Sieger. Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) sagte, Angela Merkel habe Recht gehabt, ihrem Stil treu zu bleiben. Die für viele unerwartet gute Resonanz des SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier wollte Koch nicht überbewerten: Viele hätten Steinmeier das erste Mal über eine längere Strecke erlebt. "Es gibt auch Leute, die positiv überrascht sind, dass er die Sätze seiner Partei einigermaßen gerade sagen kann", sagte er.

Unions-Fraktionschef Volker Kauder sagte, er habe einen Kanzlerkandidaten der SPD erlebt, "der auf die Frage, wie er eine Regierung bilden will, keine Antwort gegeben hat". Steinmeier habe viel darüber gesprochen, was er nicht wolle. Dies sei nicht ausreichend gewesen. Der niedersächsische Regierungschef Christian Wulff (CDU) vertrat die Ansicht, dass Wichtigste sei für ihn gewesen, dass Merkel in der Frage des Schaffens von Arbeitsplätzen und der weiteren Wirtschaftsentwicklung überzeugt habe.

SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier sieht seine Partei nach dem Duell hingegen gestärkt. "Das gibt uns Rückenwind für die nächsten 14 Tage, jetzt auf der Zielgerade war und ist das notwendig", sagte er in Berlin. Er selbst sei mit der Auseinandersetzung sehr zufrieden. "Bei der Diskussion um Inhalte sind Unterschiede deutlich geworden. Darum ging es."

Linke kritisiert die "Kuschelveranstaltung"

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) warf der Kanzlerin "falsche Versprechungen" vor. Sie halte an der Ankündigung von Steuersenkungen fest, obwohl die Haushaltslage dies nicht zulasse. SPD-Wahlkampfmanager Kajo Wasserhövel wertete es als positiv, dass Steinmeier vor allem bei den unentschiedenen Wählern gepunktet habe. Darauf komme es in der Wahlkampf-Schlussphase besonders an

Die CSU warnte die Union vor übergroßer Zuversicht. Die Bundestagswahl am 27. September sei offen und für die Union noch nicht gewonnen, sagte CSU-Chef Horst Seehofer in München.

Die Opposition kritisierte den Schlagabtausch. Der Bundesgeschäftsführer der Linken, Dietmar Bartsch, sprach von einer "Kuschelveranstaltung", die Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast von "Selbstbeweihräucherung". Bartsch warf Steinmeier vor, nicht angegriffen und stattdessen ein "Bewerbungsgespräch" mit Merkel für weitere vier Jahre als Vizekanzler geführt zu haben.

Auch FDP-Generalsekretär Dirk Niebel wertete das 90-minütige Duell als Plädoyer der beiden Kontrahenten für eine Fortsetzung der Großen Koalition. "Das ganze sogenannte Duell war auf 'weiter so' ausgerichtet", sagte er. Keiner von beiden habe gewonnen. "Es gibt nur einen Verlierer, nämlich Deutschland."

Reuters/DPA DPA Reuters

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