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St. Helena im Südatlantik: Napoleons Verbannungsinsel wird Touristenattraktion

Die abgelegene Vulkaninsel St. Helena, auf der einst Napoleon in der Verbannung starb, ist jetzt per Flugzeug mit dem Rest der Welt verbunden. Bisher kamen mit dem Schiff nur 595 Besucher - pro Jahr.

Nach dem 2000 Kilometer langen Flug über das offene Meer kommt St. Helena in Sicht

Nach dem 2000 Kilometer langen Flug über das offene Meer kommt St. Helena in Sicht

Die erste Linienmaschine landete am Samstag auf dem nagelneuen Flughafen der kleinen Vulkaninsel im Südatlantik. Gouverneurin Lisa Philips begrüßte die rund 60 Passagiere mit strahlendem Lächeln - sie hofft jetzt auf eine touristische und wirtschaftliche Entwicklung des Eilands.

Bislang war St. Helena nur mit dem Schiff erreichbar: Die "RMS St. Helena" brachte alle drei Wochen Post, Lebensmittel und Besucher auf die britische Insel, die etwa auf halber Strecke zwischen Afrika und Südamerika liegt, 2000 Kilometer vom Festland entfernt. Fünf Tage dauerte die Reise vom südafrikanischen Kapstadt aus. Künftig geht der sechsstündige Linienflug einmal wöchentlich von Johannesburg via Windhoek in Namibia zu der gerade einmal 122 Quadratkilometer großen Vulkaninsel.

"Unsere Familie und unsere Freunde werden uns künftig besuchen kommen können", freute sich am Samstag Catherine Man, die einzige Tierärztin von St. Helena. Ein anderer Fluggast war Teddy Fowler, der zur Beerdigung seiner Mutter anreiste - mit dem Schiff wäre er nie rechtzeitig angekommen.

Einweihung des Airports verschoben

Der neue Flughafen "verbindet uns mit der Welt und öffnet uns der Welt", sagte Niall O'Keeffe, der für die wirtschaftliche Entwicklung der Insel mit ihren nur 4500 Einwohnern verantwortlich ist. Er widersprach den Kritikern, die vom "nutzlosesten Flughafen der Welt" sprechen.

Um den Flughafen hatte es wegen der hohen Baukosten von 285 Millionen Pfund (318 Millionen Euro) heftige Kontroversen gegeben. Ihn überhaupt zu bauen, war eine technische Herausforderung: Um eine ebene Fläche für die Start- und Landebahn zu bekommen, mussten ein ganzer Berggipfel abgetragen und ein Tal aufgefüllt werden.

Die Embraer 190 der südafrikanischen Airlink ist auf dem Flughafen von St. Helena gelandet.

Die Embraer 190 der südafrikanischen Airlink ist auf dem Flughafen von St. Helena gelandet.


Für weitere Schwierigkeiten sorgten die heftigen Winde auf St. Helena. Die im vergangenen Jahr geplante feierliche Einweihung des Flughafens musste abgesagt werden, weil die Landung mit der ursprünglich für die Verbindung vorgesehenen Boeing 737 schwierig war. Nun fliegen kleinere Maschinen des brasilianischen Herstellers Embraer St. Helena an. Mit ihnen seien Landung und Start auf der nur 1950 Meter langen Piste sicher, versichert Flughafenchefin Janet Lawrence nach mehr als einjährigen Tests.

Hohe Flugkosten

Mit dem neuen Flughafen und den regelmäßigen Flugverbindungen will London nicht nur die Isolation der "Saints" beenden, wie die Einwohner der kleinen Insel genannt werden. Vor allem sollen ihnen neue Einkommensquellen erschlossen werden: Der Flughafen werde Touristen bringen "und uns erlauben, das Lebensniveau der Inselbewohner zu verbessern", sagte Gouverneurin Philips. 

Derzeit liegt das Einkommen der Bewohner bei durchschnittlich nur 7280 Pfund im Jahr. Und London muss viel Geld überweisen: 2016 betrug die Finanzspritze 53,5 Millionen Pfund.

Die karge Vulkaninsel St. Helena misst 11 mal 15 Kilometer, gehört zum das Britischen Überseegebiet und 4500 Einwohner.

Die karge Vulkaninsel St. Helena misst 11 mal 15 Kilometer, gehört zum das Britischen Überseegebiet und 4500 Einwohner.


Ausbaufähig ist der Tourismus auf alle Fälle: Im vergangenen Jahr kamen nur 595 Touristen auf die Insel. Dabei hat St. Helena einiges zu bieten: Seltene Vögel, exotische Pflanzen, ein atemberaubendes Panorama auf karge Felsen - und Napoleons verhasste letzte Bleibe.

Allerdings ist die Reise nicht ganz billig: Mindestens 900 Euro kosten Hin- und Rückflug von und nach Johannesburg. "Das ist teurer als ein Flug nach London", sagte die Südafrikanerin Jacqui Wilson, die sich das Geld für den in ihren Augen "historischen" Jungfernflug nach St. Helena zusammensparte.

Wer das Schiff dem Flugzeug vorzieht und noch mit der "RMS St. Helena" auf die Insel reisen will, muss sich beeilen: Der Dienst des Schiffes wird im kommenden Februar eingestellt.

Landeanflug in Tegucigalpa


tib/AFP

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