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"America First" - am Himmel: Was wohl wirklich hinter dem Laptop-Verbot steckt

Am Dienstag haben die US-Behörden arabischen Fluglinien das Mitführen von Laptops im Handgepäck verboten. Nun trifft Präsident Trump die Chefs der größten US-Airlines in Washington. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

American Airlines und Emirates

Die Leitwerke von American Airlines und Emirates: Die Fluggesellschaften aus Nordamerika und den Golf-Staaten sind im Dauerkrieg.

Die Meldung sorgte für ordentlich Aufregung: Mit einer Vorlaufzeit von nur 96 Stunden gilt ab dem kommenden Wochenende eine neue Maßnahme der US-Luftfahrtbehörde, die nur Passagiere an Bord arabischer Fluglinien trifft. Aus "Furcht vor Anschlägen" wird ab dem 25. März auf Nonstop-Flügen in die USA von zehn Flughäfen im Nahen Osten und Nordafrika die Mitnahme von größeren elektronischen Geräten wie Laptops im Handgepäck verboten. Betroffen sind ausschließlich Direktflüge von Qatar Airways, Emirates, Etihad, Turkish Airlines, Saudi Airlines, Royal Air Maroc, Egypt Air, Kuwait Airways und Royal Jordanian.

Das Verbot sei nötig, "um die Sicherheit der reisenden Öffentlichkeit zu gewährleisten", so ein Regierungsvertreter. Über die mögliche Anschlagsgefahr wurden keinerlei Angaben gemacht. Dass diese Regelung nur arabische Airlines trifft und alle Fluglinien der Vereinigten Staaten ausgenommen sind, überrascht. Gilt "America First" jetzt auch am Himmel?

Symbolische Schikane nach der Landung

Schon seit geraumer Zeit führen die US-Fluggesellschaften gegen die Newcomer vom Golf einen Kleinkrieg. American, Delta und United Airlines machen regelmäßig gegen die Konkurrenz vom Golf böse Stimmung. Ihre Argumentation: Die arabischen Carrier werden mit staatlichen Subventionen gefördert. Die Retourkutsche lässt nie lange auf sich warten: Nur durch Schuldenerlasse, der Verlagerung von Pensionsverpflichtungen und massiven Geldern der US-Regierung hätten die nordamerikanischen Fluglinien die Luftfahrtkrise nach den Ereignissen am 11. September 2001 überleben können.

Oft geht dieser Kampf zu Lasten der Passagiere. So mussten im Juni vergangen Jahres die 500 Fluggäste an Bord einer A380 beim Erstflug von Qatar Airways nach Atlanta nach der Landung erst einmal warten: Es stand kein Gate am Terminal zur Verfügung. Über Treppen und Busse gelangten sie später zum Terminal. Reine Schikane, so lauteten damals die Kommentare.

Auch der Laptop-Bann scheint eine weitere Episode in dem Kampf der Fluglinien zu sein. Emirates zumindest hat auf die Ankündigung des "Electronics Ban" innerhalb eines Tages mit einem passendem Video reagiert: "Wer braucht noch Laptops oder Tablets?", fragt der Clip - ein geschickter Schachzug, der direkt Werbung für das fast endlose Unterhaltungsprogramm an Bord ihrer Flugzeuge macht.

Arabische Airlines mischen den Markt auf

Das am Dienstag verkündete Technik-Verbot könnte deutlich mehr mit Binnenökonomie in den USA als mit Terrorangst zu tun haben. In den USA dominieren durch Milliarden-Übernahmen in den letzten Jahren drei große Airlines: American, Delta und United Airlines laut die Namen der Giganten am Himmel. Doch die drei Mega-Carrier aus Nordamerika haben Konkurrenz bekommen - und zwar aus dem arabischen Raum.

Auf den Strecken von den Staaten in den Mittleren Osten und weiter nach Indien haben die Golf-Carrier mächtig aufgeholt. Emirates, Etihad und Qatar Airways fliegen inzwischen ein Dutzend Ziele an der Ost- und Westküste nonstop an und erfreuen sich großer Beliebtheit bei den Passagieren. Und in Sachen Kabinen-Service und Durchschnittsalter ihrer Flotten haben sie die Nase vorn. Das hat sich längst unter Reisenden herumgesprochen.


Auch kommt bei den Golf-Airlines mit ihren Drehkreuzen in Dubai, Abu Dhabi und Doha der Airbus A380 zum Einsatz. Dagegen gehört das größte Passagierflugzeug der Welt bei keiner US-Fluggesellschaft zur Flotte. Selbst die neuste Variante des Jumbojets, die Boeing 747-8, leistet sich keine der drei großen Airlines.

Wettbewerb durch Open-Sky-Abkommen

Beim heutigen Treffen mit dem US-Präsident dürften die Airline-Lobbyisten das Trump-Motto America First" als Rückenwind empfinden und auf protektionistische Überlegungen - oder besser noch: Aktivitäten - hoffen. Dabei haben die Open-Skies-Abkommen, wie die 2013 zwischen den USA und den Vereinigten Arabischen Emiraten geschlossene Vereinbarung, erst die Grundlage für beliebig viele Flüge und auch Wachstum im Luftverkehr geliefert.

Von der bilateralen Abmachung haben besonders die Golf-Carrier und der Tourismus in den USA profitiert - nicht aber die Fluggesellschaften. Nach Angaben von "Bloomberg" wuchs die Anzahl der Touristen um 68 Prozent, die Ticketpreise dagegen fielen um 20 Prozent. "Es ist daher nicht überraschend, dass die US-Reisebranche eine der wichtigsten Unterstützer der Open-Skies-Politik ist", schreibt das Wirtschaftsmedium.

Keine Laptops im Handgepäck - mit einer Ausnahme

Die Botschaft der Nachrichten ist klar: Geschäftsreisende, die auf den langen Flügen am Laptop arbeiten wollen und müssen, sollen gefälligst nicht Flüge der Golf-Airlines, sondern wieder die der US-Carrier buchen.

Noch am selben Tag schloss sich übrigens Großbritannien der Regelung an - aber nur fast. An Bord der Flüge von Qatar Airways ins britische Königreich sind der Gebrauch von Laptops und Co. in der Kabine weiterhin erlaubt. Kein Wunder, denn Qatar Airways ist Großaktionär der International Airlines Group (IAG), der Mutterfirma von British Airways.


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