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Follow Me Trotz Corona: Warum Airlines nur einen Teil ihrer Flotten einlagern

British Airways hat einen Teil ihre Flotte von Jumbojets auf dem Flughafen Cardiff in Wales abgestellt
British Airways hat einen Teil ihre Flotte von Jumbojets auf dem Flughafen Cardiff in Wales abgestellt
© Ben Birchall/PA Wire / DPA
Alle Airlines haben in der Coronakrise ihre Flugpläne enorm zusammengestrichen. Doch nicht einmal die Hälfte der Flieger wird in Europa stillgelegt und bleibt am Boden – aus gutem Grund.

In dieser Woche trennt sich auch British Airways von der Hälfte ihrer Airbus A380. Sechs der insgesamt zwölf Maschinen werden nach Angaben der Website "francebleu.fr" von London zu dem Provinzflughafen Châteauroux im Zentrum Frankreichs geflogen. Hier gibt es keinerlei Linienverkehr, jedoch ein Wartungs- und Recycle-Zentrum für Flugzeuge.

Wie alle anderen Airlines leidet auch die britische Fluggesellschaft unter dem bespiellosen Buchungsrückgang von Flügen aufgrund der Coronakrise und kann Maschinen wie den Super-Airbus mit einer Konfiguration von 469 Sitzplätzen nicht mehr profitabel nutzen. Die Flugzeuge werden anderswo eingeparkt, weil es in Heathrow nicht genug Abstellplätze gibt und zudem die "Parkplatzgebühren" für Flugzeuge dieser Größenordnung extrem teuer sind.

Nach Angaben der Lufthansa wurde der Flugplan um 95 Prozent zusammengestrichen. Mit den anderen Airlines der Lufthansa Gruppe, zu der auch die Flotten von Swiss, Austrian, Brussels und Eurowings gehören, werden von den knapp 770 Jets rein rechnerisch nur noch nur noch 40 benötigt.

Das bedeutet allerdings nicht, dass 730 Maschinen irgendwo eingeparkt sind. Die Zahl aktiver Flugzeuge wird nicht so stark wie die Anzahl der Flüge reduziert. Statt ein Flugzeug mit vielen Flügen pro Tag und kurzen Bodenstandzeiten möglichst lange in der Luft zu haben, verfahren alle Airlines in Zeiten der Krise anders: Ein Flugumlauf pro Tag reicht. Durch diese Maßnahme werden viele Jets weiterhin betriebsbereit gehalten.

Jets "arbeiten" in Teilzeit

Laut einer Statistik, die der Datendienstleister CH-Aviation für die Zeitschrift "Wirtschaftswoche" vorgelegt hat, sind von den 7986 Flugzeugen in Europa weiterhin 4123 aktiv und nur 3863 Maschinen stillgelegt, was einem Anteil von 48 Prozent entspricht. In Nordamerika ruht nur knapp ein Viertel der 9974 Flugzeuge.

Das hat seinen Grund. Ähnlich wie das Airline-Personal arbeiten auch die Jets im Moment nur in Teilzeit. Außerdem lassen sich die Flotten schneller reaktivieren, sollte das Reisen irgendwann wieder möglich werden.

Wird ein Jet vorrübergehend geparkt, sind dennoch regelmäßige Werkstattflüge, Wartungsarbeiten und Funktionstests, wie zum Beispiel die der Triebwerke, erforderlich. Das verlangen die Handbücher der Hersteller und die Lufttüchtigkeitsanweisungen der zuständigen Behörden.

Parken oder stilllegen?

Aufwändiger als das kurzfristige Parken ist dagegen die zeitlich begrenzte Stilllegung – im Fachjargon "storage" genannt. Bis zu einer Woche dauern die Arbeiten, um einen Jet darauf vorzubereiten. Besonders Flughäfen in trockenen Klimazonen haben sich auf dieses Geschäft spezialisiert. Bekannt sind Flugplätze in den US-Bundesstaaten Kalifornien, New Mexico und Arizona, wie die Pima Air Base.

Augenblicklich lohnt sich für europäische Airlines kaum der lange Überführungsflug in die USA. Sie bevorzugen Airports im Südeuropa wie die der Firma Tarmac Aerosave mit ihren Standorten in Teruel in Spanien und Tarbes in Südfrankreich, wo bereits nicht mehr benötige und kaum verkäufliche Airbus A380 von Singapore Airlines und Air France stehen.

Stehen mit Triebwerkabdeckungen am Boden: Mehrere Boeing 747 der Lufthansa am Flughafen Frankfurt
Stehen mit Triebwerkabdeckungen am Boden: Mehrere Boeing 747 der Lufthansa am Flughafen Frankfurt
© Boris Rösller / DPA

Lufthansa nutzt auch den immer noch nicht eröffneten neuen Hauptstadtflughafen BER als Parkplatz, British Airways neben Châteauroux auch die Flughäfen Cardiff in Wales und Bournemouth in England sowie Teruel in Spanien.

Warum British Airways nicht alle Großraumjet zum Storage beordert hat, dürfte auch an einer weiteren Überlegung liegen: In Großbritannien nimmt die Zahl der an Corvid-19 erkrankten Personen täglich zu, und es mangelt es an Krankenhausplätzen.

Air Force One im Porträt

Laut "The Times" hat eine Gruppe von Medizinern, Ingenieuren und Luftfahrtexperten vorgeschlagen, im Kampf gegen das Coronavirus einzelne Boeing 747 und Airbus A380 an verschiedene Standorte im Königreich zu fliegen, wo sie nach einer Umrüstung als Intensivstation genutzt werden können.

Der Vorteil von Flugzeugen: Ihre Kabinen lassen sich hermetisch abriegeln, und die klimatisierte Luft ist durch Hepa-Filter gegen Verunreinigungen durch Staub, Viren und Bakterien wie im Operationssaal optimal geschützt.

Quellen:www.francebleu.frwww.wiwo.dewww.thetimes.co.uk

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