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Festnahme im Februar Wegen 0,7 Gramm Cannabisöl: Basketball-Star Brittney Griner drohen in Russland zehn Jahre Haft

Brittney Griner betritt das Gericht im Norden Moskaus.
Brittney Griner betritt das Gericht im Norden Moskaus. Wegen Drogenbesitzes drohen dem Sportstar in Russland bis zu zehn Jahren Haft.
© SNA / Imago Images
Nach mehr als vier Monaten in Untersuchungshaft hat in Russland der Prozess gegen Basketball-Starspielerin Brittney Griner begonnen. Die USA bemühen sich hinter den Kulissen um eine Freilassung der 31-Jährigen.

Sie ging nach Russland, um Basketball zu spielen – und sitzt seit viereinhalb Monaten im Gefängnis. Das Schicksal von Brittney Griner, einem amerikanischen Basketballsuperstar der Women’s National Basketball Association (WNBA), erhitzt in den USA die Gemüter. Während die US-Regierung mittlerweile von einer unrechtmäßigen Inhaftierung spricht, pochen die russischen Ermittlungsbehörden darauf, dass die 31-Jährige Drogen bei der Einreise im Gepäck hatte. Nach über vier Monaten in Haft hat am Freitag der Prozess begonnen, nur um relativ schnell wieder verschoben zu werden. Nur zwei Zeugen wurden laut der Staatsagentur RIA-Novosti vernommen. Weil zwei andere Zeugen nicht zum Prozessauftakt erschienen, wurde die Verhandlung auf den 7. Juli verschoben.

Fotos zeigen die 2,06 Meter große Basketballspielerin beim Betreten des Gerichtssaals in Chimki im Norden Moskaus. Sie trägt eine Jogginghose und ein weißes T-Shirt mit Jimi-Hendrix-Aufdruck, die Hände sind mit Handschellen gefesselt. Griner war am 17. Februar, eine Woche vor Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine, am Flughafen Scheremetjewo festgenommen worden. In ihrem Gepäck sollen Zöllner zum Konsum gedachtes Cannabisöl gefunden haben.

Um welche Mengen es sich handelt, erklärte der zuständige Staatsanwalt zum Prozessauftakt am Freitag. Sie habe 0,7 Gramm Cannabisöl in ihrem Rucksack sowie ihrem Koffer geschmuggelt, heißt es in einem Bericht der russischen Staatsagentur Tass. Ein Experte habe die Substanz bestätigt, die somit als Narkosemittel gilt und in Russland strikt verboten ist. Griner drohen laut Medienberichten zwischen fünf und zehn Jahren Gefängnis. Für die Dauer der Gerichtsverhandlung muss Griner ohnehin in Haft bleiben. Bei einer Anhörung am Montag verlängerte ein Gericht die Untersuchungshaft der 31-Jährigen bis zum 20. Dezember. 

(K)Eine politisch motivierte Festnahme

Mit Beginn des Prozesses hatte auch Griner erstmals seit ihrer Festnahme die Möglichkeit, sich öffentlich zu äußern. Die 31-Jährige erklärte, dass sie die Vorwürfe gegen sie verstehe, sich aber vorerst nicht weiter zu dem Fall äußern wolle. Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters erklärte die zweimalige Olympia-Siegerin, dass ihr die Zeit in der Untersuchungshaft schwer falle. Sie spreche kein Russisch und könne sich neben kleineren Stretching-Übungen nicht fit halten. Griners Ehefrau Cherelle hatte zuvor in einem Radiointerview erzählt, dass die 31-Jährige verängstigt und alleine sei, ihrer Frau aber ein Versprechen gegeben habe: "Ich werde mich nicht von ihnen brechen lassen."

Dass es sich beim Fall Griner um eine politisch motivierte Inhaftierung handelt, weist der Kreml zurück. "Tatsache ist, dass eine bekannte Sportlerin mit verbotenen Substanzen festgenommen wurde. Die russische Gesetzgebung sieht für solche Verbrechen Strafen vor", erklärte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow gegenüber Tass. Die Festnahme könne daher gar nicht politisch motiviert gewesen sein.

Der Fall Britney Griner ist auch in den USA ein Politikum

Der Fall der Basketball-Spielerin ist mittlerweile auch zu einem Politikum geworden. Nach mehr als zwei Monaten stiller Diplomatie verurteilten amerikanische Politiker die Festnahme öffentlich als unrechtmäßig. Das betonte am Freitag auch Elizabeth Rood, die als Chefin der diplomatischen Mission im Gericht saß. "Das Vorgehen der unrechtmäßigen Inhaftierung kann man nicht akzeptieren, egal wo es passiert. Das stellt eine Gefahr für jeden Menschen dar, der im Ausland arbeitet, reist oder lebt", erklärte Rood. Die US-Regierung hat sich mittlerweile auch aktiv in die Verhandlungen um Griner eingeschaltet. "Die US-Regierung versucht, die Fall zu lösen und Brittney nach Hause zu bringen", erklärte der nationale Sicherheitsberater Jake Sullivan in einem Gespräch am Dienstag. Was die Regierung genau unternehme, darüber wollte Sullivan keine Auskünfte geben.

Wie hoch die Wellen in den USA in dem Fall schlagen zeigt ein anderes Statement. Außenminister Anthony Blinken reagierte auf Twitter auf den ersten Verhandlungstag. Wir – und ich persönlich – haben keine höhere Priorität, als sie (Brittney Griner, Anm. d. Redaktion) und alle anderen unrechtmäßig inhaftierten Amerikaner, inklusive Paul Whelan, nach Hause zu bringen", schrieb Blinken. Man werde die Bemühungen erst einstellen, wenn sie wieder vereint sind mit ihren Liebsten. Dass Blinken explizit Paul Whelan erwähnt, kommt nicht von ungefähr. Der Polizist sitzt wegen des Vorwurfs der Spionage seit zwei Jahren in einem russischen Gefängnis.

Immer wieder wird in den US-Medien auch darüber spekuliert, ob die USA beide Gefangene gleichzeitig aus Russland zurück in die Vereinigten Staaten holen wolle. Kommt nur Griner, eine homosexuelle Schwarze, oder Whelan, ein weißer Mann, zurück, würde das womöglich Öl die Flammen der ohnehin gespaltenen amerikanischen Gesellschaft bedeuten. Auf die Frage eines CNN-Reporters, ob Griner und Whelan in einem Tausch mit dem in den USA inhaftierten Waffenhändler Wiktor But freigelassen werden könnten, wich Blinken jedoch am Rande des G7-Gipfels in Elmau erst kürzlich aus. Man sei im Austausch mit den Familien der Inhaftierten, aber "ich kann nicht im Detail sagen, was wir machen, außer, dass die Fälle absolute Priorität haben."

Quellen: ESPN, NY Times, CNNReuters, Tass,


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