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1. Bundesliga Leverkusen schlägt den FC Bayern mit 2 -0

Nach dem Sieg gegen Schalke wurde bereits das Ende der Krise des FC Bayern ausgerufen – ein Trugschluss. Denn auswärts geht weiterhin fast gar nichts bei den Bayern, nach der 0:2-Niederlage in Leverkusen rückt die Meisterschaft in weite Ferne. Bayer schaffte den ersten Sieg seit 2004 gegen den Angstgegner.

Für den FC Bayern könnte der Traum von der 23. Deutschen Meisterschaft schon vorzeitig ausgeträumt sein. Nach der 0:2-Niederlage bei Bayer Leverkusen könnte Borussia Dortmund mit einem Sieg gegen Mainz in der Tabelle auf sieben Punkte davonziehen, auswärts will den Münchnern im Jahr 2012 einfach nichts gelingen.

Es war ein typisches Auswärtsspiel der Bayern. Nach starkem Beginn stand Leverkusen defensiv sehr unsicher, ließ einige Großchancen zu, aber ein Treffer wollte wie schon in Basel und Freiburg nicht gelingen. Nach der Pause war es aus Bayern-Sicht dann wie abgerissen, Leverkusen kam immer besser auf und belohnte sich durch Tore von Stefan Kießling (79.) und dem eingewechselten Karim Bellarabi (90.).

Dabei sorgte ein simpler taktischer Kniff für die Schwierigkeiten der Bayern, Bayer-Coach Robin Dutt stellte nach der Pause auf ein 4-4-2 um – das war der Schlüssel zum Erfolg. Leverkusen kann nun sogar wieder auf die Champions League hoffen, durch die gleichzeitige Niederlage des FC Schalke in Freiburg beträgt der Rückstand auf Rang vier noch vier Punkte.

Heynckes überrumpelt Dutt

Dutt musste seine Abwehr umbauen, für den im Länderspiel mit Kroatien verletzten Vedran Corluka rückte Manuel Friedrich wieder in die Mannschaft, Daniel Schwaab verteidigte auf der rechten Seite. Auf die Überraschung von Heynckes waren die Leverkusener damit aber keineswegs vorbereitet, denn die beiden Außen Thomas Müller und Arjen Robben wechselten häufig ihre angestammten die Seiten und sorgten vor allem zu Beginn für ordentlich Verwirrung.

Vor allem Linksverteidiger Michal Kadlec war auf Robben eingestellt – gegen Müller wirkte Kadlec zunächst überfordert. Eine Flanke Müllers sorgte dann auch für die erste Gefahr vor dem Kasten von Bernd Leno, der Bayer-Torwart war bei der Direktabnahme von David Alaba aber auf dem Posten (2.), der Nachschuss von Toni Kroos ging vorbei.

Die Robben-Müller-Rochade bedeutete aber auch, dass die Zeit für Franck Ribéry nach seinem Pferdekuss im Länderspiel gegen Deutschland zu knapp war, für die Bank gab Ribéry aber Grünes Licht. Die Anfangsphase gehörte trotzdem komplett den Bayern, der Doppeltorschütze und Matchwinner gegen den FC Schalke wurde nicht vermisst.

Bayern nutzt die Torchancen nicht

Leverkusen spielte in der ersten Halbzeit über weite Strecken, wie es die Bilanz der letzten Jahre vermuten ließ – seit 2004 wartete die Werkself in der Bundesliga auf einen Sieg gegen die Münchner. Ängstlich in den Zweikämpfen, mit leichten Ballverlusten in der Vorwärtsbewegung, der Respekt vor dem Angstgegner war spürbar.

Allerdings verpassten es die Gäste, wie zuvor schon in anderen Auswärtsspielen, aus ihrer Überlegenheit einen zählbaren Erfolg zu machen. Robben zog auch von der linken Seite in die Mitte, sein Schuss mit rechts war zwar platziert, aber nicht hart genug (13.). Und nach einer Flanke des Niederländers war es Müller, der per Kopf zur Stelle war, der Ball ging aber knapp vorbei (36.).

Die dickste Chance hatte aber Mario Gomez, nach einem tollen Pass von Robben musste der den Ball nur noch ins leere Tor schieben, was er auch zu tun versuchte, er rechnete aber nicht mit dem zurückeilenden Friedrich und der Innenverteidiger konnte tatsächlich noch retten (40.). Richtig Glück hatten die Bayern dann aber doch noch einmal, der wegen eines Nasenbeinbruchs mit Maske spielende André Schürrle ging allein auf Torwart Manuel Neuer zu, Schürrle fehlte gegen den lange stehen bleibenden Neuer aber die Kaltschnäuzigkeit für die unverdiente Führung (43.).

Dutt überrumpelt Heynckes

Dutt hatte 45 Minuten Zeit, sich Gegenmaßnahmen zu überlegen, er entschied sich mit Eren Derdiyok für einen zweiten Stürmer, dafür ging Friedrich vom Platz, Schwaab rückte wieder rein und Gonzalo Castro nach hinten auf die rechte Seite. Bayer spielte nun im 4-4-2 mit zwei Stürmern, dadurch wurde das Spiel tatsächlich etwas offener, die Leverkusener schafften es mit den Umstellungen, sich besser zu befreien.

Insgesamt konzentrierte sich das Spiel zunächst aber überwiegend im Mittelfeld, Torchancen konnten zunächst nicht verzeichnet werden. Erst Robben weckte die Fans wieder auf, freistehend scheiterte er aber am glänzenden Leno (58.). Als Ribéry für Gomez eingewechselt (61.) wurde und die Bayern ohne nominellen Stürmer spielten, wurde die Partie wieder besser – auch weil Bayer nun die beste Phase hatte.

Erst löffelte Stefan Reinartz den Ball nach guter Kopfballvorlage von Kießling über das Tor (63.), dann reagierte Neuer glänzend gegen Kießling (66.), wenige Sekunden später war der Torwart erneut gegen den Bayer-Stürmer zur Stelle (67.). Leverkusen war auf Augenhöhe oder sogar darüber hinaus.

Bayer nutzt die Torchancen

Und folgerichtig fiel dann auch der Führungstreffer und diesmal patzte sogar Neuer: Nach einer Flanke kam der Torwart aus seinem Kasten, griff aber daneben. Kein Münchner reagierte, stattdessen ging nur Derdiyok hinterher, brachte den Ball per Rückzieher wieder vor das Tor und Kießling musste nur einschieben (79.).

Damit drohte den Bayern die nächste Auswärtspleite, im Jahr 2012 gelang bisher nur im DFB-Pokal in Stuttgart ein Sieg. Nun kam die berühmte Brechstange zum Zug, mit den eingewechselten Ivica Olic und Nils Petersen sowie Holger Badstuber in der Sturmspitze wurden die Bälle lang nach vorne geschlagen, ohne auch nur ein bisschen Torgefahr auszustrahlen.

Stattdessen war die Gefahr von Kontern der Gastgeber stets gegeben, einer dieser Gegenstöße sorgte für die Entscheidung: Auf der rechten Seite wurde Castro freigespielt, der behielt die Übersicht und legte quer auf den durchgestarteten Joker Bellarabi, Neuer war diesmal ohne Chance (90.). Aufgrund der ersten Halbzeit war es ein etwas glücklicher Erfolg für Leverkusen, allerdings steigerte sich die Werkself nach der Pause erheblich und wer seine Torchancen nutzt, der gewinnt auch zurecht.

Marcus Krämer

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