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Bayern gegen Basel: Das Schicksalsspiel

Am Abend steht für die Bayern im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen den FC Basel die ganze Saison auf dem Spiel. Scheidet der Klub aus, wird es wohl auch für Jupp Heynckes eng.

Von Klaus Bellstedt

Wenn die Bayern am Abend im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League auf den FC Basel treffen, geht es für die Münchner um viel mehr als nur ums Weiterkommen. Ein Aus gegen den Außenseiter würde den gesamten Verein erschüttern. Mit 0:1 ging für die Bayern das Hinspiel verloren. So steht es um die beiden Mannschaften.

Der Druck

FC Bayern:

Das Team von Jupp Heynckes, aber auch der Trainer selbst, sind zum Siegen verdammt - auch weil der Traum vom Endspiel im eigenen Stadion in München am intensivsten gelebt wird. Den Spielern ist bewusst, was von ihnen erwartet wird: "Wir wissen, dass wir gewinnen müssen", sagt Toni Kroos. Auch die Klubführung hat vor der Partie noch einmal den Druck erhöht: "Gegen Basel muss man weiterkommen. Wenn nicht, wird es schwierig, diese Saison noch gutzumachen", macht Uli Hoeneß unmissverständlich klar. Bei einem Ausscheiden dürften die Tage von Jupp Heynckes zudem gezählt sein. Kaum vorstellbar, dass der Trainer die Bayern über den Sommer hinaus dann noch coachen darf. Dagegen hätten wohl auch die erfolgsverwöhnten Fans der Münchner etwas einzuwenden.

FC Basel:

Der Schweizer Meister kann ganz entspannt in die Partie gehen. Weil Basel die Gruppenphase der Königklasse überstanden hat und dabei unter anderem Manchester United aus dem Weg räumen konnte, hat der FCB zu Hause bereits Heldenstatus erlangt. Der 1:0-Erfolg aus dem Hinspiel war schon so etwas wie die erste Zugabe. Alles was jetzt noch kommt, sind Schleifchen auf dem Geschenk. Druck? Kennt der FC Basel nicht.

Aufstellung und Taktik

FC Bayern:

David Alaba auf links und Philipp Lahm auf der rechten Seite werden wie schon gegen Hoffenheim das Spiel der Bayern auf den Flügeln anschieben. Bastian Schweinsteiger wird nach seiner langen Verletzung zunächst auf der Bank Platz nehmen. Klar ist: Die Bayern werden mit Sicherheit nicht von Anfang an nur auf Teufel komm raus nach vorne laufen und Hauruckfußball spielen. Dafür sind die Schweizer in der Offensive selber viel zu gefährlich. Und nicht vergessen: Schießt der FC Basel in München ein Tor, brauchen die Bayern fürs Weiterkommen schon drei Treffer. Kontrollierte Offensive, wie Otto Rehhagel es nennen würde, ist vermutlich die richtige taktische Herangehensweise.

FC Basel:

Im Vergleich zum Hinspiel wird Basel was die Startaufstellung betrifft wahrscheinlich zwei Wechsel vornehmen. Philipp Degen kommt in der Abwehr für Joo-Ho Park. Vorne dürfte Bayern-Schreck und Siegtorschütze Valentin Stocker von Beginn an zum Zug kommen. Die Schweizer werden ihre offensive Grundausrichtung in München nicht aufgeben. Auch gegen Manchester United mauerten die Schweizer nicht, sondern exerzierten Powerfußball und schnelles Umschaltspiel im 4-4-2-System. Genau das ist die Stärke des FC Basel.

Die Form

FC Bayern:

Vorsicht: Basel ist nicht Hoffenheim. So unsortiert und körperlos wie die Kraichgauer trat in dieser Saison noch keine andere Mannschaft in München auf. Bayern hätte gegen diesen peinlichen Gegner auch zweistellig gewinnen können. Das krachende 7:1 darf nicht überbewertet werden. Was allen Bayern-Fans Mut machen sollte: Die drei Einzelkönner Franck Ribéry, Arjen Robben und Mario Gomez spielten gegen Hoffenheim teilweise spektakulär zusammen und kombinierten ihre Gegenspieler schwindelig. Die drei Treffer von Gomez beweisen zudem: Der Stürmer hat seine Torkrise überwunden.

FC Basel:

Auch die Schweizer lösten am Wochenende ihre Aufgabe souverän und sind jetzt seit 13 Pflichtspielen ungeschlagen. Bei Grasshoppers Zürich gab es einen lockeren 2:0-Erfolg. Basel präsentierte sich (wie üblich) extrem kompakt und kombinationssicher. Ein Spieler ragte heraus: Xherdan Shaqiri, nächste Saison bei den Bayern, erzielte einen wunderschönen Freistoßtreffer und leitete mit einem herrlichen Pass das zweite Tor ein. Ihn gilt es, aus dem Spiel zu nehmen.

Stimmung im Team

FC Bayern:

Natürlich war die Tor-Explosion gegen Hoffenheim ein Brustlöser. Das Erweckungserlebnis in der Bundesliga hat einen Stimmungsumschwung herbeigeführt. Trotzdem bleibt die Mannschaft ein fragiles Gebilde, in der jederzeit einer der schwierigen Charaktere (Robben, Ribéry, Müller, Badstuber, Boateng) den Frieden stören kann - wenn es nicht laufen sollte. Problematisch zudem, dass mit Schweinsteiger der zweite und lautere Kapitän noch auf der Bank sitzt. Seine Führungsstärke täte dem Team in einem "Endspiel" wie gegen Basel gut.

FC Basel:

Die Abschlusspressekonferenz vor dem Achtelfinal-Rückspiel dient als Spiegelbild in Sachen Stimmung: Während Jupp Heynckes, Manuel Neuer und Bastian Schweinsteiger konzentriert und angespannt ihre Statements vortrugen, präsentierten sich Alex Frei, Marco Streller und Basels Trainer Heiko Vogel bester Laune und setzten dem Bayern-Trio Schweizer Gelassenheit entgegen. Etwas, was diese Mannschaft auch insgesamt auszeichnet. Genauso wie eine funktionierende Hierarchie mit den drei Führungsspielern Huggel, Frei und Streller an der Spitze. "Das ist für uns ein Jahrhundertspiel - und wir können eigentlich nur gewinnen", sagte der ehemalige Stuttgarter Streller am Tag vor dem Spiel. Aus Bayern-Sicht trifft das leider nicht zu.

FC Bayern München:

Neuer - Lahm, Boateng, Badstuber, Alaba - Luiz Gustavo, Kroos - Robben, Müller, Ribéry - Gomez

FC Basel:

Sommer - Degen, Abraham, Dragovic, Steinhöfer - Shaqiri, Huggel, Xhaka, Stocker - Frei, Streller.

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