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Bundesliga: Macht und Ohnmacht

Während Bremen Bayerns Kampfansage gekonnt konterte, blieb Rangnick nichts weiter, als seinen Rauswurf bei Hannover 96 hinzunehmen. Auch Bayers Sturzflug ging weiter und bei Köln blieb der Overath-Effekt aus.

"Macht und Ohnmacht" hieß das Motto des 23. Spieltages der Fußball-Bundesliga. Spitzenreiter Werder Bremen wehrte am Sonntag mit dem 2:0-Sieg beim TSV 1860 München souverän den Angriff der Verfolger ab und kann sich angesichts des Sieben-Punkte-Vorspungs berechtigte Hoffnungen auf den vierten Meistertitel machen. Tags zuvor hatte der FC Bayern München mit dem 3:1 in Leverkusen den Druck auf Bremen verstärkt. Mit dem 2:0 bei Borussia Dortmund überwand der VfB Stuttgart seine Durststrecke und festigte den dritten Platz. Ralf Rangnick musste dagegen am Sonntag hilflos die erwartete Beurlaubung als Chefcoach bei Hannover 96 hinnehmen.

Köln mit fünfter Niederlage in Serie

Die "Löwen" brachten sich gegen Bremen durch die frühe Hinausstellung von Roma Tyce (22.) selbst auf die Verliererstraße und stecken nach der Heim-Pleite mitten im Abstiegskampf. Ungleich prekärer ist die Lage beim Schlusslicht 1. FC Köln. Nach dem 0:2 am Sonntag beim VfL Wolfsburg wird der erneute Sturz in die 2. Liga immer wahrscheinlicher. Auch der erhoffte "Wolfgang-Overath-Effekt" blieb aus. Der neue starke Mann in der FC-Führungsetage musste auf der Tribüne "ohnmächtig" die fünfte Niederlage in Serie erleben.

Hannover trennte sich von Trainer Rangnick

Der siebte Trainerwechsel der laufenden Saison war nach dem 0:1 von Hannover bei Borussia Mönchengladbach nur noch Formsache. Dennoch war die Beurlaubung Rangnicks umstritten. "Es ist lächerlich, es von einem Spiel abhängig zu machen, ob einer ein guter oder schlechter Trainer ist", kritisierte Fußball-Experte Udo Lattek das von 96-Präsident Martin Kind zuvor gesetzte Ultimatum. Der Vereinschef, der frühestens am Dienstag einen Nachfolger präsentieren will, ist selbst von der Wirksamkeit des Entschlusses nicht überzeugt: "Ein neuer Trainer ist keine Garantie für den Klassenverbleib."

Bayern: Totgesagte leben länger

Rechtzeitig vor dem Bundesliga-Endspurt und dem Achtelfinal-Rückspiel der Champions League am Mittwoch bei Real Madrid hat Rekordmeister Bayern München wieder Tritt gefasst. "Totgesagte leben länger. Die Meisterschaft wird wieder spannender werden", freute sich Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld, dessen Team nun auch auf einen Überraschungscoup gegen Real hofft. "Wir haben in Madrid schon große Spiele gemacht und dort auch schon gewonnen", sagte Bayern-Keeper Oliver Kahn. Zugleich wollen die Münchner im nationalen Titelrennen den Druck auf Spitzenreiter Bremen erhöhen. "Wir bleiben dran. Auch die Bremer werden noch eine Schwächephase haben", sagte Michael Ballack.

Stuttgart beendete Durststrecke

Grund zum Jubeln hatte auch der VfB Stuttgart, der mit dem 2:0 eine Durststrecke von vier Punktspielen ohne Sieg beendete. Zugleich konnten die Schwaben vor dem Achtelfinal-Rückspiel der europäischen Königsklasse am Dienstag beim FC Chelsea (Hinspiel 0:1) Mut schöpfen. "Wenn wir in London so auftreten wie heute, können wir auch Chelsea in Verlegenheit bringen", meinte VfB-Coach Felix Magath.

Tristesse bei Borussia und Bayer

Immer mehr Tristesse macht sich hingegen bei Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen breit, die im Kampf um die internationalen Startplätze weiter an Boden verloren. "Es ist eine Illusion, noch an die Champion League zu glauben", sagte BVB-Manager Michael Meier. Die Sanierung des tief in die roten Zahlen gerutschten Clubs wird dadurch nicht leichter. Sportlich stark abgewirtschaftet haben Leverkusener, die mit der Pleite gegen den FC Bayern im sechsten Pflichtspiel ohne Sieg blieben. "Ich hatte zeitweise das Gefühl, die Mannschaft bricht auseinander", stellte Bayer-Trainer Klaus Augenthaler ohnmächtig fest. "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht nach unten durchgereicht werden", warnte Kapitän Jens Nowotny. Schon sitzt dem Tabellen Fünften Bayer der punktgleiche FC Schalke im Nacken. Beim 3:0 gegen den SC Freiburg schoss der zuletzt oft kritisierte Ebbe Sand mit einem "Doppelpack" die "Königsblauen" auf UEFA-Cup-Kurs.

Bochum behielt die Nerven

Mit dem 1:1 bei Hertha BSC hat der VfL Bochum die Angst besiegt, nach der "Kopfstoß-Affäre" den inneren Zusammenhalt zu verlieren und sportlich abrutschen. "Das war ein Sieg der Psyche", meinte VfL-Trainer Peter Neururer. Eine Rückkehr des suspendierten Sunday Oliseh, der seinem Teamkollegen Vahid Hashemian im Streit das Nasenbein gebrochen hatte, schloss er aus.

HSV gibt UEFA-Pläne auf

Abgehakt hat der Hamburger SV nach dem 0:3 bei Hansa Rostock einen internationalen Auftritt in der kommenden Saison. "Von der Qualität her können wir nicht um einen UEFA-Cup-Platz mitspielen", bekannte HSV-Trainer Klaus Toppmöller. Dass man noch viel schlechter kicken kann, zeigten im Abstiegsduell der 1. FC Kaiserslautern und Eintracht Frankfurt. "In unserer Situation kann man kein Fußball-Feuerwerk erwarten", sagte der Pfälzer Trainer Kurt Jara nach dem glücklichen 1:0 in der Nachspielzeit.

Andreas Schirmer, dpa / DPA

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