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Bundesliga im stern-Check: "Fans" wünschen Sky-Moderator den Tod, weil sie ein Tor verpassten – wie tief kann man nur sinken?

Das torlose Revierderby zwischen Schalke und Dortmund wurde von einer unsäglichen Hasswelle gegen Sky-Moderator Frank Buschmann überschattet. Ach ja: Fußball gespielt wurde am Wochenende natürlich auch. Der Spieltag im stern-Check.

Frank Buschmann erntet Hasskommentare im Netz.

So liefen die Spiele in der Fußball-Bundesliga

Alle Ergebnisse des 9. Spieltags, die Tabelle und Statistiken zum Nachlesen finden Sie hier im stern-Ticker.

Aufreger des Spieltages

Der spielte sich an Spieltag 9 neben dem Platz ab. Konkret: im Internet. Noch konkreter: in einer Twitter-"Konversation" zwischen Sky-Kommentator Frank Buschmann und enttäuschten TV-Zuschauern. Buschmann hatte das Revierderby zwischen Dortmund und Schalke kommentiert und mit einer langen und umständlich formulierten Überleitung zum Spiel Paderborn-Düsseldorf dafür gesorgt, dass die Zuschauer der Bundesliga-Konferenz den sehenswerten Treffer von Abdelhamid Sabiri (siehe auch "Dieses Tor sollten Sie (noch mal) sehen") verpassten. Im Netz ergoss sich daraufhin viel Kritik über Buschmann. "Danke Frank Buschmann. Vielen Dank", schrieb User "JuleeyAmandiiy" recht moderat formuliert auf Twitter. Der Kommentar wurde von Buschmann noch in der Halbzeitpause aufgegriffen – und wie! "Hast Du getrunken? Wir sehen nicht, was im anderen Stadion passiert! Geht mir das auf den Sack mit der Nölerei!", polterte der TV-Mann gerade einmal zwei Minuten später zurück.

Keine Frage: Der TV-Moderator hätte souveräner reagieren können. Doch was sich nach seinem Tweet im Netz abspielte, schockiert. Hatte sich Buschmann bereits am Samstagabend mit einem Video-Statement zu Wort gemeldet, indem er sich verteidigte und erklärte, dass seine Antwort "bei weitem nicht so unter der Gürtellinie (ist), wie vieles andere, was im Netz passiert", legte er am Sonntag mit einem weiteren Video nach. Darin berichtet der Sportjournalist, wie fassungslos ihn die Diskussion über seinen Tweet mache. So spricht er in der etwa einminütigen Aufnahme von einer "Kampagne", der er gerade ausgesetzt sei, ehe er sich dann bei User "JuleeyAmandiiy" für seine Wortwahl entschuldigt.

Manchmal gingen die Gäule einfach mit ihm durch, so Buschmann. Ihm sei am Samstag nach seinem Tweet empfohlen worden, "mich zu erschießen, mich zu erhängen, mich ficken zu lassen", führt er aus. Und weiter: "Das sind übrigens die Dinge, mit denen ich häufiger umgehen muss und warum ich vielleicht manchmal emotional reagiere." Es liege nicht in seinem Sinne, Sky-Kunden zu beleidigen, das wüsste der Großteil auch. Dann richtet Buschmann, dessen Vater 1983 Suizid begangen hat (Anm. d. Red.), einen wichtigen Appell an seine Kritiker: "Wer meine Familiengeschichte kennt, sollte nie wieder schreiben, 'bring dich doch um'." 

Eindringliche Worte, bei denen sich die Hass-Kommentatoren in den sozialen Netzwerken ernsthaft fragen sollten, ob ein verpasstes Tor ein Grund ist, einem anderen Menschen den Tod zu wünschen.

Gewinner des Spieltages

Sicher, an dieser Stelle hätte man durchaus Bayern-Stürmer Robert Lewandowski würdigen können, dem mit seinem Treffer im Spiel gegen Union Berlin Historisches gelang: Der 31 Jahre alte Pole ist der erste Profi in 57 Bundesliga-Jahren, der an jedem der ersten neun Spieltage ein Tor erzielte (insgesamt sind es in dieser Saison bereits 13 an der Zahl). Eine herausragende Leistung, die selbst "Bomber" Gerd Müller verwehrt blieb. Da Lewandowski in seiner derzeitigen Weltklasse-Form die Neun-Spiele-mit-Tor-Marke womöglich schon am kommenden Samstag gegen Eintracht Frankfurt auf zehn Partien hochschraubt, soll die Gewinner-Ehre in dieser Woche daher dem FC Paderborn zuteil werden.

Der Aufsteiger konnte nach acht vergeblichen Anläufen im neunten (gegen Düsseldorf) nämlich endlich den ersten Sieg im Oberhaus feiern. "Das war enorm wichtig heute", sagte Paderborns Vize-Kapitän Klaus Gjasula nach der Partie. "Wir waren vorher acht Spiele ohne Sieg. Irgendwann verliert man dann vielleicht den Glauben und den Mut. Jetzt haben wir gezeigt, dass wir auch Spiele gewinnen können. Wir sind zurück!" 

Zurück heißt in diesem Fall: Paderborn hat als Tabellenletzter nur noch drei Punkte Rückstand auf den Relegationsrang. Oder anders ausgedrückt: Der Aufsteiger ist jetzt nicht mehr abgehängt, sondern mittendrin in einem auffällig engen Abstiegskampf, wo jeder jeden schlagen kann.

Verlierer des Spieltages

Diese unrühmliche Rolle kommt an diesem Spieltag Schiedsrichter Frank Willenborn zu. Der hatte das Freitagsspiel zwischen dem 1. FC Köln und Mainz 05 gepfiffen und mit einem nicht gegebenen Handelfmeter (zu Recht) den Zorn der Domstädter auf sich gezogen. Was war passiert? Beim Stand von 1:2 aus Sicht der Kölner flankte Kingsley Schindler in der 63. Minute den Ball, der FSV-Abwehrspieler Moussa Niakhaté im eigenen Strafraum deutlich sichtbar an den abgespreizten Unterarm prallte. Willenborn schaute sich die Szene nach Intervention des Video-Assistenten zwar noch mal an, blieb zur großen Überraschung fast aller aber bei seiner Entscheidung.

"Wenn das kein Elfmeter ist, habe ich die Regelschulung nicht verstanden. Das ist für mich unfassbar", echauffierte sich Sportdirektor Armin Veh nach dem Abpfiff. "Wenn der Schiedsrichter es nicht sieht und es keinen Videobeweis gibt - okay. Aber wenn man sich die Szene am TV anschaut und dann sagt, es war kein Elfmeter - dann weiß ich nicht mehr." Noch deutlicher wurde Köln-Trainer Achim Beierlorzer: "Da gibt es keine zwei Meinungen. Für mich war das ein klarer Elfmeter. Mit dem Videobeweis fühlt es sich noch viel beschissener an."

Dass Willenborn mit seiner Einschätzung falsch lag, wurde ihm am Sonntag dann auch von offizieller Seite noch mal bestätigt. "In dieser Situation handelt es sich um ein strafbares Handspiel", hieß es in einer DFB-Mitteilung. Man hätte sich "gewünscht, dass der Schiedsrichter seine Entscheidung korrigiert und auf Strafstoß entscheidet".

Dieses Tor sollten Sie (noch mal) sehen

Unbedingt den gewaltigen Distanzschuss von Paderborns Abdelhamid Sabiri, der den Aufsteiger in der 43. Minute gegen Fortuna Düsseldorf in Führung brachte und zweifelsfrei das Prädikat "Traumtor" verdient. Nach einem Anspiel von Pröger hat der 22-jährige Sabiri etwa 25 Meter vor dem gegnerischen Tor zu viel Platz, nimmt sein Herz in die Hand und hält einfach Mal volle Kanne drauf – mit Erfolg. Wuchtig und für Düsseldorf-Keeper Steffen unhaltbar schlägt sein Schuss perfekt im oberen linken Eck ein, von wo er nach rechts ins Gehäuse abprallt. Da man Tore - zumal ein so schönes -  sehen muss, hier ein kurzes Video zum Beweis:

Bild des Spieltages

Bundesliga-Check: Götze und Favre würdigen sich keines Blickes
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Wieder kaum Torgefahr, erneut keine Meisterreife - bei Borussia Dortmund wächst die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Und offenbar ist auch das Verhältnis zwischen dem zuletzt stark in die Kritik geratenen Trainer Lucien Favre und Teilen der Mannschaft zunehmend schwieriger. 

Sinnbildlich kann in diesem Zusammenhang der Abgang von Mario Götze gesehen werden, den Favre zwar in die Startelf zurückbeordert hatte, dann jedoch in der 58. Minute schon wieder vom Platz nahm. Bei der Auswechslung würdigten sich der Edelreservist der vergangenen Wochen und Favre keines Blickes. Viele Beobachter werteten dies als Indiz, für das angespannte Verhältnis der beiden. Für den ehemaligen Schalke-Kapitän Olaf Thon ist ohnehin klar, dass der Schweizer nicht der richtige Trainer für Dortmund ist. "Favre ist kein Typ wie Klopp, da fragt man sich, warum hat Aki Watzke diesen Trainer verpflichtet? Da braucht man in Dortmund wie auf Schalke Emotionen, da braucht man einen, der Gas gibt, die Leute mitnimmt", sagte Thon am Sonntag in der Fußball-Talksendung "Doppelpass" bei Sport1.

Auch wenn die BVB-Vereinsbosse jede Trainerdiskussion schon im Keim ersticken wollen, für Favre bleibt die Lage kritisch – zumal in den kommenden Spielen mit Mönchengladbach (im Pokal), Wolfsburg, Mailand (Champions League) und Bayern München schwierige Gegner auf dem Programm stehen. 

mit DPA

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