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Borussia Dortmund ist Deutscher Meister Eine Saison in Schwarz-Gelb


Borussia Dortmund ist neuer Deutscher Fußballmeister. Selten hat sich eine Mannschaft diesen Titel mehr verdient als der BVB.
Eine Würdigung von Klaus Bellstedt

Die Saison war noch jung, der achte Spieltag stand auf dem Programm, da hatte Borussia Dortmund seinen ersten Meister-Moment: Der BVB gastierte beim 1. FC Köln. In einem aufregenden Spiel hatte Lukas Podolski für den FC mit einem seiner berühmten Gewaltschüsse aus der Distanz zum 1:1 ausgeglichen. Da waren noch acht Minuten zu spielen. "Normale" Auswärtsmannschaften hätten jetzt auf Ergebnis halten gespielt.

Aber Borussia Dortmund war schon zu diesem frühen Zeitpunkt der Spielzeit kein "normales" Team. Der BVB rannte in Köln einfach weiter auf das gegnerische Tor. Mit Erfolg. Es war ein Sieg des Willens und der Leidenschaft, den der neue Deutsche Meister durch einen Treffer von Nuri Sahin in der Nachspielzeit erringen konnte. Der BVB hatte in Köln ein Fanal gesetzt. Weitere sollten folgen.

Zum Beispiel im ersten Match nach der Winterpause. Mit zehn Punkten Vorsprung auf Hannover und Leverkusen startete der BVB in die Rückrunde. Aber wie würden unerfahrene Spieler wie Mario Götze, Marcel Schmelzer oder Sven Bender mit der ungewohnten Favoritenrolle nach 25 Tagen Pause umgehen? Die "Experten" strengten Kaffeesatzleserei an und unkten. Und die Borussia? Erwies sich beim eindrucksvollen 3:1-Erfolg In Leverkusen in bemerkenswerter Manier nun auch als stress- und druckresistent. Die Bundesliga blieb gleich zu Beginn 2011 das, was sie in der zweiten Hälfte 2010 war: eine große, einsame, fantastische Dortmund-Show.

Eine Demonstration jugendlicher Leidenschaft

Eine Demonstration jugendlicher Leidenschaft war aber vor allem der Auftritt des BVB beim in dieser Saison oftmals so enttäuschenden FC Bayern Ende Februar. Der 3:1-Sieg am 24. Spieltag war eine Art Meisterstück der Mannschaft von Jürgen Klopp. Die Schwarz-Gelben demütigten den deutschen Rekordmeister mit physischer Präsenz, einer kaum zu durchdringenden taktischen Ordnung und vernichtenden Nadelstichen in der Offensive - den drei wichtigsten Zutaten des Dortmunder Erfolgsrezepts der Saison 2010/2011. "Wir sind die am unbequemsten zu spielende Mannschaft der Liga", reüssierte Jürgen Klopp nach der Partie in München. Die jüngste überdies.

In der Alllianz-Arena hatte die Borussia einen Altersschnitt von nur 22,3 Jahren. Es war die jüngste Mannschaft, mit der Dortmund in der Geschichte der Bundesliga je aufgelaufen ist. "Wenn alle Spieler 32 Jahre alt wären, dann würde unser System nicht funktionieren", hatte Dortmunds Vorstandboss Hans-Joachim Watzke im Gespräch mit stern.de vor Beginn der Rückrunde zugegeben. Dortmunds junge Wilde laufen schnell, sie denken auch schnell - und sind jetzt Deutscher Meister.

Kein besserer Anführer als Jürgen Klopp

Selten hat sich eine Mannschaft diesen Titel mehr verdient als die Borussia. Eine Mannschaft, die es trotz solch überragender Individualisten wie Nuri Sahin, Mario Götze oder auch Lucas Barrios immer geschafft hat, sich auf dem Platz (und daneben) als Kollektiv mit extrem flacher Hierarchie zu präsentieren. Aber natürlich braucht diese furiose Rasselbande auch einen Kopf. Das "SZ-Magazin" hat Jürgen Klopp vor kurzem so beschrieben: "Für die hemdsärmelige Eloquenz seiner Rede wird er geliebt. Doch unter ihrer Oberfläche verbirgt sich eine Schicht kalter, fast despotischer Autorität." Das klingt hart, trifft die Sache aber im Kern. Für Borussia Dortmund gibt es wahrscheinlich keinen besseren Anführer als Jürgen Klopp.

Auf ihn, Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke, den drei Entscheidungsträgern beim BVB, kommt jetzt die Aufgabe zu, dieses hochtalentierte Ensemble beisammen zu halten – auch weil in der nächsten Saison die Champions League als große Herausforderung wartet. Kritiker prophezeien der Borussia eine kurze Verweildauer in der Königsklasse. Aber warum eigentlich? Bis jetzt gibt es keine Hinweise darauf, dass sich an dem Meister-Kader etwas ändern wird. Sven Bender hat seinen Vertrag bis 2016 verlängert, Mario Götze und Marcel Schmelzer haben immerhin bis 2014 unterschrieben, und einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge stehen die Zeichen auch bei Nuri Sahin auf Vertragsverlängerung.

Alle diese Spieler haben längst erkannt, dass Borussia Dortmund viel mehr zu bieten hat, als nur den finanziellen Anreiz. Sie wollen einfach nur für diesen Club weiter Fußball spielen. Das kann man gut verstehen.


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