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Kommentar zur BVB-Krise: Klopp muss sich ändern - sonst endet seine Ära

Jürgen Klopps Aussagen zur Hinrunde sind besorgniserregend. Verletzungspech und eine schlechte Vorbereitung sollen schuld am BVB-Drama sein. Die Einschätzungen sind gefährlich. Neue Ideen müssen her.

Ein Kommentar von Felix Haas

In seiner Jahresabschluss-Botschaft erklärte Bundestrainer Joachim Löw neulich, er freue sich auf die Weihnachtspause, weil er "neue Ideen entwickeln" könne. Bei Borussia Dortmund freut man sich ebenfalls auf die fußballfreie Zeit. Von neuen Ideen ist dort allerdings nirgendwo die Rede. Dort träumt man davon, die alte Borussia in der Winterpause wiederzufinden und sie im neuen Jahr wiederzubeleben. Es könnte ein verhängnisvoller Wunsch sein - ein Wunsch, der zum Ende der Ära Klopp führt. Schneller als es jedem BVB-Fan lieb ist.

Klopp hat in den vergangenen Tagen besorgniserregende Interviews gegeben. Er sieht sich als geprügelter Knabe, der es allen heimzahlen will. "Wir stehen da wie Vollidioten, das geschieht uns recht", sagte er. "Die beschissene Vorbereitung" und die lange Verletztenliste seien die Hauptgründe für den Absturz in der Hinrunde. Im neuen Jahr werde alles besser. Die Wintervorbereitung wolle er nutzen, um sein Team körperlich wieder auf die Höhe zu bringen. Danach würde der BVB "ein erbitterter Jäger" sein.

Schalke hat auch viele Verletzte

Vielleicht sollten sie beim BVB mal einen Blick hinüber zum meist gehassten Konkurrenten werfen. Dem großen Revierrivalen Schalke fehlten seit Sommer über weite Strecken wichtige Stammspieler wie Julian Draxler, Jefferson Farfan, Leon Goretzka, Sead Kolasinac oder Kevin-Prince Boateng. Ergänzungsspieler wie Dennis Aogo oder Marco Höger führten das Team über Monate. Königsblau überwintert auf Platz fünf. Damit sind sie auf Schalke zwar nicht zufrieden, doch immerhin haben sie zwölf Punkte mehr als der BVB.

Klopp macht es sich mit seiner Argumentation etwas zu einfach. Nein, Verletzungen und schlechte Fitness alleine machen den BVB noch nicht zu einem Abstiegskandidaten. Oder besser: Sie sollten ihn nicht dazu machen.

Klopp, aber auch Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc haben es verpasst, über den Tellerrand zu blicken - und sich nach Alternativen zu ihrem Erfolgskonzept umzusehen. Klopps Handschrift ist der Powerfußball, mit Gegenpressing und schnellen Tempogegenstößen. Nun funktioniert dieser Fußball nicht, weil, wie Klopp sagt, ein Faktor nicht stimmt, sprich: das Team nicht fit ist. Doch einen zweiten Faktor erwähnt Klopp nicht: Viele Mannschaften kennen das Spiel nun, verlegen sich gegen den BVB selber aufs Kontern. Es wäre die Aufgabe des Trainers, das nicht nur zu erkennen, sondern auch die Ausrichtung anzupassen. Doch einen Plan B gibt es in Dortmund nicht.

Neue Ideen müssen her

Vielleicht sollten sie in Dortmund deshalb noch mal zu einem Bundesliga-Konkurrenten hinüberblicken. Der Gegner vom Wochenende, Werder Bremen, hat schmerzlich erlebt, wohin Ignoranz und das Festhalten an Altem führen können. Die Champions-League-Ära Schaaf/Allofs endete dort auch, weil beide kaum Kritik von außen zuließen, weil sie es mit der Werder-DNA übertrieben. "Rumoren im eigenen Saft" nannte das der "Tagesspiegel" einmal. Der BVB muss aufpassen, nach den erfolgreichen Jahren nicht in eine ähnliche Situation zu rutschen - und das nur, weil der Erfolg der Vergangenheit glorifiziert wird und über allem steht.

Noch haben Watzke, Klopp und Co. die Chance, zu beweisen, dass sie fähig sind, umzudenken. Sie müssen sich nur ein Beispiel an Weltmeistertrainer Löw nehmen, und "neue Ideen" zulassen. Das wäre übrigens auch schön für den deutschen Fußball. Denn sonst gilt hierzulande weiter der Satz: Es ist noch jede Ära geendet, außer die des FC Bayern.

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