HOME

Champions League: Achtelfinale - Milan, Arsenal, Zenit und Benfica in der Vorschau

Seit dem letzten Triumph in der Champions League 2007 hat es der AC Mailand nicht mehr ins Viertelfinale geschafft. Seitdem gab es drei Achtelfinal-Pleiten gegen englische Clubs – und nun wartet wieder der FC Arsenal. Kevin-Prince Boateng gibt sich trotzdem siegessicher, wir verraten, ob auch zurecht.

"Wir wollen zeigen, dass wir zu den Besten in Europa gehören." Mit diesen Worten stimmt Kevin-Prince Boateng seine Kollegen vom AC Mailand auf das Achtelfinale gegen den FC Arsenal ein. Allerdings steckt Milan in einer schwarze Serie gegen englische Clubs, im Achtelfinale war zuletzt immer Schluss.

Beide Teams spielen allenfalls eine durchwachsene Saison, ein wirklicher Favorit ist deshalb nicht auszumachen. Im zweiten Teil der Champions League-Vorschau sagen wir trotzdem, wer es ins Viertelfinale schafft und kümmern uns auch um das zweite Spiel im Gefrierschrank St. Petersburg.

AC Mailand – FC Arsenal

Milan ist neben dem FC Barcelona der einzige Meister aus den großen Ligen, der im Achtelfinale noch dabei ist. Die Favoritenrolle liegt deshalb aber nicht automatisch auf Seiten der Italiener, Milan durchläuft – auch verletzungsbedingt – eine schwierige Saison. In der Gruppenphase taten sich die Rossoneri auswärts gegen Borisov und Plzen schwer, in der Serie A sieht es eher nach dem Titel für Juventus aus.

Auch Trainer Massimilano Allegri sieht sein Team nicht in der Favoritenrolle. "Wenn wir dieselben Fehler wie in der Gruppenphase in Prag und Minsk machen, werden wir sicher Probleme bekommen. Arsenal ist sehr stark."

Zudem schied Milan in drei der vergangenen vier Achtelfinals gegen englische Teams aus, in der Saison 2007/08 begann die schwarze Serie sogar gegen den FC Arsenal. Die Gunners siegten damals als erstes englisches Team gegen die AC im San Siro, allerdings haben beide Mannschaften kaum noch etwas mit den damaligen Aufstellungen gemein.

Die Gunners kämpfen auch mit Problemen, nach dem katastrophalem Saisonstart und einigen Neuverpflichtungen steht das Team von Trainer Arsene Wenger zwar mittlerweile wieder auf dem vierten Platz der Premier League und damit auf dem Qualifikationsplatz zur erneuten Teilnahme an der Champions League, die Leistungen waren aber auch in den vergangenen Wochen sehr schwankend.

Die Taktik

Milan ist derzeit zwar wieder Tabellenführer der Serie A, Juve hat aber zwei Spiele weniger absolviert und liegt virtuell vier Zähler vor den Rossoneri. Mehr Sorgen macht aber die Bilanz gegen Topteams in dieser Saison. In der Serie A gelang gegen die Spitzenteams Juve, Inter, Udinese, Lazio und Napoli am letzten Spieltag der erste Sieg im achten Versuch, im Halbfinal-Hinspiel der Coppa Italia gab es gegen Juventus eine Heimpleite und in der Champions League gegen Barcelona gab es auch keinen Sieg.

Allegris 4-4-2 mit einem klassischen Spielmacher funktioniert einfach nicht so gut wie noch in der Meistersaison, auch weil der Trainer wegen der vielen Ausfälle viel durchwechseln musste. Es fehlt zudem ein zweiter Torgarant neben Zlatan Ibrahimovic, Mittelfeldspieler Antonio Nocerino springt da noch am ehesten in die Bresche. Auch deshalb bemühte sich Milan intensiv um Carlos Tevez, der Wechsel scheiterte aber im Winter und so kam mit Maxi Lopez (Catania) wieder kein klassischer Torjäger.

Auch die Abwehr der Mailänder wirkt nicht immer sattelfest und genau hier sieht Wenger die Chance für Arsenal. "Auswärts muss man Druck machen, um ein Tor als Polster mitzunehmen", stellte der Trainer klar. Beflügelt von der Rückeroberung von Platz vier wollen die Londoner Milan ihr Spiel aufzwingen. So wie 2008, "Das war eine großartige Nacht", erinnerte Wenger an den 2:0-Sieg – damals trafen Cesc Fàbregas und Emmanuel Adebayor.

Arsenal wird wieder im gewohnten 4-2-3-1 auflaufen – mit der totalen Konzentration auf Robin van Persie. Unterstützt wird der treffsichere Niederländer auf den Außen von Theo Walcott und Jungstar Alex Oxlade-Chamberlain, der beim 7:1-Sieg gegen Blackburn seine ersten Tore in der Premier League erzielte.

Das Personal

Bei den Gunners wird Per Mertesacker verletzt ausfallen, wie lang der Innenverteidiger mit seiner Knöchelblessur pausieren muss, steht aber noch nicht fest. Nicht zu ersetzen ist derzeit aber nur van Persie, der Niederländer traf in der Premier League bereits 22 Mal, in der Champions League gelangen van Persie bisher drei Tore.

In Mailand lichtet sich das Lazarett zwar so langsam, insbesondere im Mittelfeld sind die Sorgen von Allegri aber weiterhin groß. Alessandro Nesta und auch Pato werden gegen Arsenal zurückkehren, auch Kevin-Prince Boateng hofft auf einen Einsatz. Die in der Liga zuletzt gesperrten Mark van Bommel und Ibrahimovic sind ebenfalls wieder dabei – fehlen werden aber weiterhin Alexander Merkel, Alberto Aquilani, Gennaro Gattuso, Mathieu Flamini, Antonio Cassano und Christian Abbiati.

In einem Interview mit der Sun gab sich Boateng sehr selbstbewusst: "Ich hab' keine Angst vor Arsenal", sagte der ehemalige Spurs-Spieler und stichelte: "Arsenal weiß nicht, was man tun muss, um Titel zu gewinnen. Sie sind immer nah dran, aber brechen dann zusammen." Sein Club sei dagegen ein "großer Name", tönte Boateng und versprach: "Wir wollen zeigen, dass wir zu den Besten in Europa gehören."

Die Generalproben

Ähnlicher hätten die letzten Auftritte in den heimischen Ligen kaum aussehen können. Milan lag im Spitzenspiel bei Udinese mit 0:1 zurück, drehte das Match aber durch zwei späte Tore von Neuzugang Maxi Lopez und Stephan El Shaarawy. Noch etwas dramatischer lief Arsenals Partie in Sunderland, nach Rückstand sicherte Thierry Henry erst in der Nachspielzeit den glücklichen 2:1-Erfolg.

Am Rande

Apropos Thierry Henry. Die Gunners-Legende wird im San Siro voraussichtlich zum allerletzten Mal das Arsenal-Trikot tragen. Das Leihgeschäft mit Red Bull New York endet nach dem Spiel in der Champions League. "Er hat heute die Geschichte einer Legende in der Meisterschaft zu Ende geschrieben", sagte Wenger voller Bewunderung nach dem Siegtreffer in Sunderland. Es war Henrys 229. Treffer für die Gunners.

Insgesamt traf der Franzose in den sechs Wochen drei Mal, darunter war auch ein Siegtor im FA-Cup gleich im ersten Spiel. "Ich wollte nur helfen. Ich wollte kein Held sein, sondern einfach nur einer der Kerle aus der Umkleide." Ob er erneut aushelfen würde? "Sag niemals nie. Falls Arsenal mich eines Tages nochmal braucht: Ich bin in der Gegend."

Die Prognose

Vieles spricht für ein Duell auf Augenhöhe. Die offensive Ausrichtung von Arsenal ist das richtige Rezept gegen Milan, die Entscheidung zugunsten der Gunners fällt aber sicher erst im Rückspiel vor heimischer Kulisse.

Zenit St. Petersburg – Benfica Lissabon

Im bitterkalten St. Petersburg empfängt Zenit den portugiesischen Tabellenführer unter schwierigen Bedingungen. Während Benfica im Jahr 2012 alle fünf Pflichtspiele gewann und in absoluter Topform anreist, weiß Zenit überhaupt, wo es steht. Die Winterpause in Russland läuft schon seit Anfang Dezember, ein Achtelfinale der Champions League ohne Spielpraxis ist ein schwieriges Unterfangen.

Benfica spielt erfrischenden Offensivfußball, im Pokal gegen Maritimo Funchal gab es sogar erst eine Saisonniederlage. In der Gruppenphase setzte sich das Team von Trainer Jorge Jesus gegen Manchester United, den FC Basel und Otelul Galati durch. Zenit wurde hinter APOEL Nikosia Tabellenzweiter, ließ mit dem FC Porto aber bereits ein favorisiertes Team aus Portugal hinter sich.

In St. Petersburg ist die anhaltende Kälte ein großes Thema, nicht wenige plädieren für eine Verlegung. "Ich glaube nicht, dass wir bei so einer Kälte spielen sollten. Der Ball fühlt sich wie ein Felsen an, man kann sich leicht den Fuß brechen", sagte sogar Zenits Mittelfeldspieler Roman Shirokov laut derstandard.at. Die UEFA lässt Spiele ab einer Temperatur von -15 Grad ausfallen.

Die Taktik

Benfica ist ein sehr flexibles Team, Jesus legt sich vor allem offensiv nicht auf ein System fest. Sicher ist nur, dass Lissabon das Spiel machen möchte, schnelle Kombinationen über die wendigen Axel Witsel, Pablo Aimar oder Nolito spielen lässt und mit Oscar Cardozo einen wahren Torjäger in seinen Reihen hat.

Zenit begegnet dem mit einem 4-3-3, was aber deutlich defensiver ausgelegt ist. Mit Danny fehlt die entscheidende Figur, der Portugiese war bisher in der Saison der entscheidende Mann für das schnelle Umschaltspiel.

Das Personal

Während Benfica gut gelaunt (Ezequiel Garay via Twitter: "Auf dem Weg nach Russland. Wir werden am Mittwoch etwas Wunderbares erleben. Große Umarmungen an alle.") und nahezu in Bestbesetzung auflaufen wird, plagen Zenit einige Verletzungssorgen. Mit dem Portugiesen Danny fehlt der Schlüsselspieler verletzt (Kreuzbandriss), ausfallen werden auch Domenico Criscito und Torhüter Viatcheslav Malafeev. Zudem sind Shirokov und Torjäger Danko Lazovic fraglich.

Am Rande

Zenits Trainer Luciano Spalletti hat wenige Tage vor dem Spiel gegen Benfica seinen Vertrag in St. Petersburg verlängert. Der Italiener wurde für die Meisterschaft, den erstmaligen Einzug ins Achtelfinale der Champions League und die erneute Tabellenführung belohnt, sein neues Arbeitspapier geht bis 2015. Zudem ist er ab sofort auch für die Spielertransfers zuständig, Spalletti ist der starke Mann bei Zenit.

Die Prognose

Die über zweimonatige Pause von Zenit ist schon eine Art Wettbewerbsverzerrung. Im Eisschrank Petrovskiy Stadion wird das noch nicht so stark ins Gewicht fallen, spätestens aber im Rückspiel wird sich Benfica mit den überragenden Offensiv-Qualitäten durchsetzen.

Marcus Krämer

Lesen Sie kommenden Dienstag im dritten Teil: Chelsea gegen Napoli unter Druck.

sportal.de / sportal

Wissenscommunity