Champions-League-Auslosung Arme Bayern gegen reiches Chelsea


In der Champions League wird München im Viertelfinale zum FC Chelsea als Außenseiter reisen. Dennoch oder gerade deswegen sind die Bayern von der ungewöhnlichen Rolle begeistert.

Der FC Bayern München freut sich auf das Traumlos Chelsea London, auch wenn der deutsche Rekordmeister auf dem Weg zum großen Ziel Istanbul schon im Viertelfinale der Champions League über sich hinaus wachsen muss. Der letzte deutsche Vertreter geht als klarer Außenseiter in sein erstes Europapokal-Duell mit der Millionen-Truppe des russischen Öl-Milliardärs Roman Abramowitsch, doch diese Rolle gefällt den Bayern.

"Jetzt sind wir einmal nicht die reichen, sondern die armen kleinen Bayern. Aber wir können auch Chelsea schlagen", erklärte Trainer Felix Magath am Freitag nach der Auslosung im schweizerischen Nyon. Im Halbfinale träfen die Bayern auf den FC Liverpool oder Vorrunden-Gegner Juventus Turin. Das Endspiel findet am 25. Mai im Atatürk-Stadion von Istanbul statt.

"Das ist ein Wunschgegner für uns"

"Das ist ein Wunschgegner für uns, weil wir nicht Favorit sind. Es ist ein besonderer Reiz, gegen einen Verein zu spielen, der so viel Geld investiert hat. Wir sind nicht chancenlos", sagte Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge vor den beiden Partien am 6. April in London und am 12. April im Münchner Olympiastadion. Die Spieler des Rekordmeisters zeigten Respekt. Roy Makaay sprach vom schwersten Los neben dem AC Mailand: "Es wird sehr schwierig weiter zu kommen." Sein Sturmpartner Claudio Pizarro meinte: "Oh Mann, Chelsea. Das wird verdammt schwer."

Uli Hoeneß, der den hoch gelobten 4:2-Sieg von Chelsea im Achtelfinal-Rückspiel gegen den FC Barcelona live an der Stamford Bridge verfolgt hatte, freut sich auf die erneute London-Reise nach dem Achtelfinalerfolg gegen den FC Arsenal. "Das ist ein Gegner, bei dem man von einem Traumlos spricht, weil wir diese Situation nicht oft haben, dass wir klarer Außenseiter sind", sagte der Manager.

"Ich freue mich auf die Begegnung"

Magath, der im vergangenen Jahr im Achtelfinale mit dem VfB Stuttgart gegen Chelsea nach einem 0:1 im Heimspiel sowie einem 0:0 in London ausgeschieden war, ist heiß auf seine Revanche: "Ich kenne die Atmosphäre, ich kenne das Stadion, ich freue mich auf die Begegnung." Der 51-Jährige sieht zwei wichtige Vorteile auf Seiten der Bayern: "Dass wir erst auswärts antreten, sollte uns helfen, die nächste Runde zu erreichen." Zudem sei man nach der Winterpause körperlich frischer: "Wir sind konditionell besser drauf und haben dadurch die Riesenchance, ins Halbfinale einzuziehen." Die Spiele am 26./27. April und 3./4. Mai hat der Bayern-Coach fest eingeplant: "Ich hätte kein Problem mit Juve im Halbfinale, aber ich fürchte, dass wir gegen Liverpool spielen werden", kommentierte Magath.

Die Paarung Liverpool gegen Juventus weckt Erinnerungen an eine der schwärzesten Stunden im europäischen Fußball. Der 1:0-Sieg des italienischen Rekordmeisters im Finale des Meistercups wurde vor 20 Jahren im Brüsseler Heysel-Stadion von schweren Ausschreitungen unter den Anhängern beider Clubs mit insgesamt 39 Toten überschattet. In den beiden weiteren Viertelfinal-Partien kommt es zum Mailänder Stadt-Derby zwischen dem AC und Inter sowie dem Außenseiter-Duell Olympique Lyon gegen PSV Eindhoven.

Den Unterschied zwischen Bayern und Chelsea macht für Rummenigge allein eines aus: das Geld des Roman Abramowitsch. Umgerechnet 450 Millionen Euro pumpte einer der reichsten Männer der Welt seit Sommer 2003 in den souveränen Tabellenführer der englischen Premier League. Er kaufte Stars am Fließband wie Torwart Petr Cech, Mittelfeldstar Frank Lampard und die Stürmer Didier Drogba und Arjen Robben. Der neue Trainer José Mourinho, der im Vorjahr mit dem FC Porto die Champions League gewann, habe es geschafft, "daraus eine starke Einheit zu formen", sagte Hoeneß.

Der Manager möchte aber auch gerne mit Abramowitsch ins Geschäft kommen. Am Freitag bestätigte Hoeneß Interesse an einer Verpflichtung von Nationalspieler Robert Huth, der beim FC Chelsea meistens auf der Bank sitzt aber noch einen Vertrag bis 2008 besitzt. "Wir haben mit dem Club und dem Berater gesprochen", sagte Hoeneß. Um eine Millionen-Ablöse für den 20-jährigen Huth bezahlen zu können, wäre ein Weiterkommen wichtig für die Bayern. Nachdem der Bundesliga-Krösus bislang rund 17,5 Millionen Euro an UEFA-Prämien verbuchen konnte, würde es für einen Einzug ins Halbfinale weitere 2,6 Millionen Euro geben. Der Endspiel-Verlierer kassiert zusätzlich 3,9 Millionen Euro, der Gewinner der Champions League wird mit 6,5 Millionen belohnt.

Bayern gegen Chelsea - Trainer Magath glaubt ans Weiterkommen, Claudio Pizarro ist da skeptischer. Die Reaktionen auf die Auslosung

Roy Makaay: "Neben dem AC Mailand das schwerste Los, das uns hat treffen können. Es wird sehr schwierig weiter zu kommen, denn Chelsea hat eine tolle Mannschaft. Ein kleiner Vorteil für uns ist es, dass wir zuerst auswärts antreten müssen."

Owen Hargreaves:

"Das ist ein sehr gutes Los. Es werden zwei große Spiele. Es ist immer gut, wenn man in der Champions League gegen die Besten spielt. Jeder handelt Chelsea im Augenblick als den großen Favoriten auf den Gewinn der Champions League. Das ist genau eine Aufgabe für den FC Bayern. Dadurch, dass wir zuerst auswärts spielen, sehe ich den FC Bayern im Vorteil."

Bastian Schweinsteiger:

"Ich habe vereinsintern 20 Euro gewettet, dass wir Chelsea bekommen. Mein Wunsch ist wahr geworden. Natürlich hat Chelsea durch das viele Geld von Herrn Abramowitsch eine Super-Mannschaft, die ein unheimliches Tempo gehen kann. Was die beim 4:2 im Achtelfinal-Rückspiel gegen Barcelona gezeigt haben, war schon erste Sahne. Aber wenn wir so spielen wie gegen Arsenal, dann kommen wir auch ins Halbfinale. Gegen London rechne ich mir auf jedenfalls mehr Chancen fürs Weiterkommen aus als wenn wir auf eine italienische Mannschaft getroffen wären."

Claudio Pizarro:

"Oh Mann, Chelsea. Das wird verdammt schwer. Aber ich glaube, dass wir weiterkommen. Denn die Vergangenheit hat gezeigt, dass englische Teams dem FC Bayern liegen."

Chelsea-Vorstandschef Peter Kenyon:

"Das ist ein großes Los. Es gibt in dieser Phase keinen leichten Gegner mehr. Wir müssen den Bayern Respekt entgegenbringen, denn sie haben den Wettbewerb vier Mal gewonnen. Unsere Scouts haben alle Gegner beobachtet, also werden wir vollständig informiert sein. Ich glaube nicht, dass Trainer Jose Mourinho beunruhigt ist, dass wir zuerst zu Hause spielen müssen."

Karl-Heinz Rummenigge:

"Das ist ein Wunschgegner für uns, weil wir nicht Favorit sind. Chelsea ist der Favorit, aber es ist ein besonderer Reiz, gegen einen Verein zu spielen, der so viel Geld investiert hat. Wir sind nicht chancenlos. Es ist der Herr Abramowitsch, der bei Chelsea die Differenz zu allen anderen Clubs in Europa macht. Aber es ist sein Geld, das er ausgibt. Daran ist nichts ungesetzlich, aber ich glaube, das ist nicht förderlich für den Fußball. Mit dem möglichen Halbfinal-Gegner befasse ich mich nicht. Wir müssen step by step denken."

Trainer Felix Magath:

"Es ist genau der richtige Zeitpunkt, um gegen Chelsea zu spielen. Wir haben - wie gegen Arsenal - den Riesenvorteil der Winterpause. Wir sind konditionell besser drauf und haben dadurch die Riesenchance, ins Halbfinale einzuziehen. Ich kann mit diesem Los gut leben. Ich war letztes Jahr mit dem VfB schon dort. Das ist 0:0 ausgegangen. Ich kenne die Atmosphäre, ich kenne das Stadion, ich freue mich auf die Begegnung."

Manager Uli Hoeneß:

"Das ist ein Gegner, bei dem man von einem Traumlos spricht, weil wir diese Situation nicht oft haben, dass wir klarer Außenseiter sind. Chelsea hat eine sagenhafte Mannschaft und viele Spieler mit individueller Stärke. Trainer Jose Mourinho hat es geschafft, daraus eine starke Einheit zu formen."


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