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TV-Interview mit DFB-Chef Niersbach: Was erlauben Delling? Was erlauben ARD?

Dortmund gegen Wolfsburg, Halb- und beste Sendezeit: Der DFB-Präsident Wolfgang Niersbach kommt, die Fifa ist das Thema. Was folgt, sind schwarze viereinhalb Minuten für die ARD.

Von Wigbert Löer

Live im Fernsehen, das kann schwierig werden, etwa wenn man Jürgen Klopp erwischt, mitten im Ärger über eine Endspielniederlage, mitten im Abschied einer kleinen Ära, die ihn und Borussia Dortmund groß machte.

Was der ARD-Mann Gerhard Delling sich allerdings am Abend des deutschen Pokalfinales leistete, als er den DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach zur Fifa-Krise befragte - das war mit der Live-Situation nicht zu entschuldigen. Was erlauben Delling? Warum interviewte er wie Flasche leer? So könnte man mit Trapattoni fragen, wenn ein solches Ausmaß an Nachfrageverweigerung denn lustig wäre.

Beste Sendezeit für nichts

Delling, Gerhard, Journalist im öffentlich-rechtlichen Fernsehen - er unterließ tatsächlich jede kritische Nachfrage. Trotz beschränkter Zeit ermöglichte er dem DFB-Chef, Satz und Satz um Satz zu sagen. In aller Ruhe schenkte Delling Niersbach allerbeste Sendezeit für dessen Verlautbarungen.

War nichts passiert? Da kam ein Niersbach aus Zürich geflogen, wo er als zweitmächtigster Mann des Europäischen Fußballs (nach Uefa-Präsident Michel Platini) eine krachende Klatsche hatte einstecken müssen. Das ganze Gebaren des Deutschen Fußball-Bundes und seiner Vertreter seit Jahren, die brave Unterstützung etwa einer WM-Vergabe nach Russland, die immer neue Kapitulation vor den taktischen Winkelzügen Blatters - all das war zu besprechen. All das blendete Delling aus.

Halbzeitpause Pokalendspiel, und hier stand der DFB-Boss, Wolfgang Niersbach: Der mitmischte, als die Uefa sich in den Tagen zuvor gegen einen Boykott der Präsidentenwahl in Zürich entschied. Tolle Gelegenheit für die ARD, ihn entsprechend zu befragen.

"Boykott ist keine Lösung" - warum denn nicht?

Stattdessen durfte Niersbach von menschlich Bedauerlichem erzählen. Der Sepp Blatter, ach und schade, er habe doch "so viel Gutes für den Fußball getan, er hätte Ehrenpräsident werden können". Ein Boykott sei auch künftig "eine schlechte Waffe", und könne "kein Mittel sein". Das durfte Niersbach ohne Widerspruch verkünden. Warum denn nicht, Euer Gnaden? Im Ernst: Wieso durfte Niersbach die nun entscheidende Frage einfach verneinen, ohne das erklären zu müssen?

Der Auftritt Delling & Niersbach brachte die vom DFB-Chef vorgetragene Erkenntnis, dass im Exekutivkommitee der Fifa am Tag nach der Blatterwiederwahl ein "gutes Arbeitsklima" geherrscht habe. Na, dann ist ja alles bestens... Mund abwischen, frisch ans Werk trotz weltweit wuterregender Macht- und Planlosigkeit gegenüber dem Patriarchen des Weltfußballs.

Gerhard Delling ist einer der ältesten der Sporthasen der ARD, er steckt voller Erfahrung und kann sicherlich nicht nur lustig. Warum stellte er keine kritische Fragen an den DFB-Präsidenten, dessen Aussagen dazu so wunderbar viel Anlass gaben? Am Ende getraute er sich doch noch die Einschätzung, dass sich wohl nicht viel ändern würde in der Fifa. Dann aber verabschiedete er Niersbach dankbar. Vielen Dank, dass Niersbach berichtet habe, sagte Delling, als sei der DFB-Präsident kein Fußball-Spitzenfunktionär mit eigener Agenda und eigenen Interessen, sondern ein objektiver Reporter des öffentlich-rechtlichen Fernsehens.

Hier können Sie das Interview in der Mediathek ansehen

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